Kommentar zur Blumenthaler Beiratssitzung am 20.06.2016

Kurz gesagt: Die Sondersitzung des Blumenthaler Beirats am 20.06.2016 war schwer auszuhalten.
Eigentlich war das Thema der Sondersitzung überhaupt nicht spektakulär:
Zehn Jugendliche sollen zukünftig in der alten Post am Blumenthaler Marktplatz zehn Appartements bewohnen dürfen. Den Jugendlichen werden Pädagogen zur Seite gestellt, die sie auf ihren ersten Schritten des Alleinewohnens unterstützen. Nichts aufregendes; diese Art zu Wohnen gibt es seit Jahren und üblicherweise ist sie nicht so aufsehenerregend, dass ein Beirat dazu eine (Sonder)sitzung einberaumt. Da die Jugendlichen, die dort wohnen dürfen, überwiegend als geflüchtete Menschen nach Bremen gekommen sind, durften die üblichen Ressentiments aber nicht fehlen. Hier sind sie sinngemäß, teilweise im Wortlaut wiedergegeben:

Thormeyer (CDU): Ist der Meinung, dass es zu viele Flüchtlinge auf zu wenig Raum gebe. So könne Integration nicht gelingen.

Reimers-Bruns (SPD): Hätte man den Beirat miteinbezogen, hätte die SPD auch dafür gestimmt. „Wir wollten [mit unserer Gegenstimme] ein politisches Signal setzen.“

Runge (BiW): Fragt, welche Konsequenzen die Jugendlichen tragen, wenn sie gegen die Hausordnung verstößen. Der Standort Blumenthal würde beeinträchtigt.

Balz (parteilos): Hält die Kosten für zu hoch.

Koch (Grüne): Die Einrichtung sei der Bevölkerung nicht vermittelbar. Zentrale Einrichtungen, wie die Bibliothek, könnten dann nicht in unmittelbarer Nähe untergebracht werden.

Meyer (FDP): War der einzige, der sich nicht gegen die Jugendwohnungen ausgesprochen hat.

Krohne (Linke): Befürchtet eine Diskriminierung von Frauen, da dort voraussichtlich männliche und nicht weibliche Jugendliche wohnen werden. Außerdem vermutet sie, dass Drogenprobleme nach Blumenthal geholt würden.

Schupp (SPD): Eine weitere Flüchtlingsunterkunft sei für die Zentrumsentwicklung hinderlich. Dem schließt sich Bienzeisler (SPD) an. Schupp weiter: Die Jugendlichen sollten besser in Farge untergebracht werden. Es gäbe in Blumenthal schließlich schon genug betreutes Jugendwohnen, Flüchtlingsunterkünfte und eine Waldorfschule.

Dass dieses Mal keine Ressentiments vom Publikum ausgingen, war erstaunlich. Allerdings dürften diejenigen, die nichtdeutsche Menschen in Blumenthal ablehnen, ihren versäumten Auftritt nicht vermissen. Die Beiratsmitglieder haben nahezu geschlossen für sie gesprochen.

Zur Erinnerung: Es geht um ein pädagogisch betreutes Jugendwohnen. Der Blumenthaler Ortspolitik scheint es nicht so wichtig zu sein, Jugendliche auf ihrem Weg in die Zukunft zu unterstützen, denn es betrifft ja nichtdeutsche Jugendliche.
Ohne diese Jugendlichen jemals erlebt zu haben, werden sie als Hindernis für die Zentrumsentwicklung gesehen. Sie werden gegen notwendige Einrichtungen wie die Bibliothek ausgespielt (gibt es um den Blumenthaler Marktplatz herum nicht genügend Leerstand um die Bibliothek und zehn Jugendliche unterzubringen?). Sogar mit Drogenproblemen werden sie in Verbindung gebracht. Grundlos. Ohne Grundlage. Es sind schließlich Jugendliche, die als Flüchtlinge nach Bremen kamen.
Die SPD hatte recht: Ein politisches Signal wurde gesetzt.