„Werder erwägt Absage von Lazio-Testspiel“

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Am 6. August soll bei Werder Bremen das Testspiel gegen Lazio Rom stattfinden. Aber nachdem rechte Hooligans jedoch per Twitter mobil machen, erwägt die Werder-Geschäftsführung, das Spiel abzusagen. Klaus Filbry äußerte sich am Rande des Trainingslagers in Neuruppin zur schwierigen Situation.

Dass die Anhänger des italienischen Erstligisten von Hooligans unterwandert sind, ist allgemein bekannt. Dennoch hatte Werder Bremen die Römer zu ihrem traditionellen Fanfest zum Saisonstart eingeladen. In der Annahme, „dass dieses Spiel für die Lazio-Fans kein Reisespiel ist“, sagte Geschäftsführer Klaus Filbry in Neuruppin. Offenbar wurde die mögliche Brisanz unterschätzt, denn es sind eben nicht nur italienische Hooligans, die inzwischen auf diversen Plattformen mobil machen und sich für den 6. August am Bremer Bahnhof verabreden – es haben sich Anhänger der rechten Szene der Vereine BFC Dynamo und LOK Leipzig an den Aufruf drangehängt.

„Wir denken in alle Richtungen“

„Es hat sich jetzt eine neue Erkenntnislage gebildet, dass es in Internetforen rechtsgesinnte Gruppen gibt, die überlegen, zu diesem Spiel zu kommen“, erklärte Filbry: „Das beobachten wir sehr, sehr sorgfältig, sind dort auch aktuell im Austausch mit unseren Sicherheitsbehörden, aber auch gleichzeitig mit der Polizei und dem Innensenator und müssen jetzt sehr sorgfältig schauen, wie die Situation ist.“

Momentan gibt es offenbar Überlegungen der Vereinsseite, das Testspiel gegen Lazio Rom abzusagen und stattdessen einen alternativen Gegner einzuladen. „Das müssen wir beurteilen, dazu möchte ich mich aktuell nicht äußern, aber wir denken in alle Richtungen“, sagte Filbry: „Wichtig ist die Sicherheit und da ist die Erkenntnislage eine Neue über Nacht geworden. Und man muss einfach sicherstellen, dass dort keine Plattform für Themen geboten wird, die mit Fußball nichts zu tun haben.“

Filbry und Werder sehen sich in der Verantwortung und möchten kein Risiko eingehen für das Testspielhighlight am Weserstadion. „Wir nehmen das sehr ernst und möchten natürlich auch sicherstellen, dass unser Saisoneröffnungsspiel, das ein Spiel für Familien ist, als schönes Fußballfest gefeiert werden kann. Und deswegen sind wir sehr dabei, die Situation zu analysieren und dann auch eine vernünftige Entscheidung zu treffen.“

Bereits Hooligans bei Lazio-Testspiel in Hannover

Bereits vor zwei Jahren kam es bei einem Testspiel von Lazio Rom bei Hannover 96 zu massiven antisemitischen Hetzparolen von Hooligans. Auch damals hatten sich rechte Anhänger von LOK Leipzig und BFC Dynamo, die sich gemeinsam mit ihren Verbündeten bei Lazio Rom als „Legion Germania“ bezeichnen, zusammengeschlossen.

Auch deshalb sagt Filbry: „Wir sind über unsere Fanbeauftragten auch dort in der Diskussion. Wir haben uns auch schlau gemacht, weil Lazio vor zwei Jahren sowohl gegen Hannover als auch gegen Mainz gespielt hat. Wir nehmen diese Erfahrungswerte mit und versuchen es wirklich von allen Seiten zu betrachten, um die beste Entscheidung auch zu treffen.“

Für die Bremer Polizei liegt das Testspiel in drei Wochen noch etwas zu weit entfernt, um die Gefahrenlage genau abschätzen zu können. Doch sie beobachten die Situation genau. „Wir sind im engen Kontakt und in Gesprächen mit Werder“, sagte ein Sprecher der Polizei Bremen: „Und wir werden die Szene weiter im Auge behalten, um festzustellen, welche Gruppierungen Interesse an diesem Spiel haben. Was kommt für Problem-Klientel? Was kommt aus Rom, was aus Bremen? Das lässt sich jedoch noch nicht abschließend sagen, für Konkretes ist es noch zu früh.“

Quelle: radiobremen.de

siehe auch
fanzeit.de: „Legion Germania“ macht für Testspiel gegen Bremen mobil
Weser Kurier: Lazio-Spiel auf dem Prüfstand
taz: Im Visier der Nazi-Hools