„Umtriebiger brauner Geschäftsmann“

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Der Bremer Rechtsextremist Henrik Ostendorf bietet ein umfangreiches Angebot für NS-Liebhaber.

Henrik Ostendorf (Jg. 1968) nimmt mit seinem Buchhandel „Am Wall“ eine Scharnierfunktion zwischen Alt- und Neonazis ein. Mit seinem „hanseatischen Buchhandel“ ist Ostendorf auch verlegerisch tätig. An Buchfreunde und Kunden seines Internet-Shops „Soldatenbiographien“ versendet Ostendorf Rundbriefe, in denen er sein Verlagsprogramm vorstellt. Im Fokus stehen dabei die Werke von Soldaten der Waffen-SS. Die in der rechtsextremen Szene als „Erlebnisgeneration“ verehrten deutschen Soldaten des Zweiten Weltkriegs glorifizieren in den Schriften die mörderische Nazi-Elite.

Für „alle Interessierten und Freunde des alten ‚Wikingers‘“ gibt es „Mein dreigeteiltes Leben“ von Sepp Bischof, einem Angehörigen der 5. SS-Panzerdivision „Wiking“, so Ostendorf. Zu den weiteren Autoren zählen der Holocaust-Leugner Erich Glagau, Joachim Nolyweika, Raimund Fromm (SS-Panzerdivision „Hitlerjugend“) und Georg Diers („Kameradenwerk Korps Steiner“). Ostendorf vertreibt seine Literatur nicht nur über seine eigenen Kanäle, sondern auch über den Online-Riesen Amazon.

Bei Amazon ist auch „The European Volunteer“ (deutsch: Der europäische Freiwillige) erhältlich. Das Magazin aus Italien „ist eine neue englischsprachige Zeitschrift, die sich mit der Elite des Zweiten Weltkrieges beschäftigt“, wie Ostendorf seiner Kundschaft verrät. Für 20 Euro erhält man bei dem Bremer Händler alle drei bisher erschienenen Ausgaben. In den bilderlastigen Heften, die von L‘AssaltoEdizioni herausgegeben werden, werden etwa SS-Freiwilligendivisionen oder SS-Obersturmführer vorgestellt. Chefredakteur des vierteljährlich erscheinenden Blattes ist Massimiliano Afiero.In der ersten Ausgabe weist Afiero auf die Einstellung der SS-glorifizierenden Zeitschrift „Der Freiwillige“ hin (bnr.de berichtete), die sein neues Magazin nötig gemacht habe.

Als eigenes Magazin gibt Ostendorf zweimal jährlich „Ein Fähnlein“ heraus. Darin finden sich Beiträge über SS-Männer, auch um Veteranen- und Kameradschafts-Treffen geht es in der Zeitschrift. In der jüngsten Ausgabe (1/2016) findet sich eine Todesanzeige für den im November 2015 verstorbenen Frithjof Elmo Porsch, einem einstigen SS-Obersturmführer und Angehörigen der SS-Division „Totenkopf“.

Kontakte in weite Teile der rechtsextremen Szene

Als „Netzladen für alle Freunde des Deutschen Reiches“ sieht sich Ostendorfs Online-Shop „Unsere Farben“. Neben Reichskriegsflaggen, Hüten und Sturmhausen in den Farben schwarz-weiß-rot sind dort auch Blechschilder mit der Aufschrift „Deutsches Schutzgebiet“ und Reichsadler im Angebot. Für den modebewussten Reichsnostalgiker finden sich dort auch die Ringe „Vaterlandsdank“ und „Gott mit uns“.

Ostendorf, der auch in der rechtsextrem dominierten Bremer Hooligan-Szene unterwegs ist, knüpft über die Grenzen der Hansestadt hinaus Kontakte in weite Teile der rechtsextremen Szene. Zur großen Einweihungsfeier der „Gedächtnisstätte“ im thüringischen Guthmannshausen bei Weimar 2014 reiste der hochgewachsene Bremer Neonazi gemeinsam mit dem ehemaligen Verdener NPD-Stadtrat Rigolf Hennig an, der im 2008 verbotenen „Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten“ aktiv war. Über die Einweihung der rechtsextremen „Gedächtnisstätte“, die Geschichtsrevisionisten und Holocaust-Leugnern als Zentrum dient, berichtete auch Ostendorfs Blatt „Ein Fähnlein“.

Jahrelang setzte sich Ostendorf für die „Freiheit“ des NS-Kriegsverbrechers Erich Priebke. Kurz vor Priebkes Tod trugen junge Neonazis bei einem Aufmarsch im niedersächsischen Bad Nenndorf (Kreis Schaumburg) 2013 ein Banner mit der Aufschrift „Freiheit für Erich Priebke“. Ostendorf führte bei dem „Trauermarsch“ eine Delegation britischer Revisionisten an.

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