VA: „Papierlosigkeit in Bremen – Gesprächsrunde mit Aktiven über Erfahrungen und Perspektiven“

Dienstag, 6. September 2016 | 19:00 Uhr | Paradox

Nie zuvor haben so viele Menschen in Deutschland Asyl beantragt wie in den letzten Monaten und ebenso wurden noch nie so viele Menschen ausgewiesen wie in diesem Zeitraum. Auch wenn die derzeit sogar rückläufige Anzahl von Abschiebungen aus Bremen etwas anderes suggeriert: Ausgewiesen werden auch hier so viele Menschen wie noch nie und viele verlassen das Land, in dem sie eigentlich leben wollen. Dies betrifft insbesondere Menschen, die aus den als „Sicheren Herkunftsländer“ deklarierten westlichen Balkanländern kommen.

Die große Mehrheit derer, denen verboten wird weiterhin hier zu bleiben, reist selbstständig aus. Sie sehen keine Möglichkeit sich der Entrechtung und Perspektivlosigkeit, die mit der Ausweisung einhergehen zu entziehen. Sie kommen ihrer drohenden Abschiebung zuvor, weil es fast unmöglich ist dem Druck durch Behörden und z.B. der Ausreiseberatung der AWO standzuhalten oder sich dem gar mit rechtlicher Unterstützung zu widersetzen. Das Bremer Innenressort nennt diese Art die Menschen dazu zu drängen das Land zu verlassen freiwillige Ausreise“. Einige reisen jedoch nicht aus, entziehen sich auch ihrer Abschiebung und leben ohne legalen Aufenthaltstitel weiterhin in Deutschland.

Ohne Papiere in Deutschland zu sein bedeutet in dauerhafter Angst vor Entdeckung und Abschiebung, in großer Abhängigkeit von z.B. Arbeitgeber_innen, Vermieter_innen leben zu müssen und sehr geringe Planungssicherheit zu haben. Auswege aus diesen Verhältnissen gibt es kaum.

Um die Lebenssituation von Betroffenen zu erleichtern, haben verschiedene Städte z.B. in Nordamerika begonnen ihren Bewohner_innen unabhängig vom Aufenthaltsstatus Zugang zu sozialen Leistungen zu ermöglichen. Manche verzichten sogar auf die routinemäßige Überprüfung des Aufenthaltsstatus durch Polizei und Behörden. Damit erleichtern sie papierlosen Menschen auch jenseits der Konzepte von Staatsbürgerschaft und den damit einhergehenden exklusiven sozialen und politischen Rechten ein menschenwürdigeres und angstfreieres Leben zu führen.

Auch in Bremen gibt es Organisationen, die versuchen die soziale Teilhabe aller, unabhängig vom Aufenthaltsstatus, umzusetzen, sei es in Form von Kirchenasyl, von unentgeltlicher oder Status unabhängiger medizinischer Versorgung oder selbstorganisiertem Sprachunterricht.

Von diesen Aktiven, die in den Bereichen Aufenthalts- und Migrationsrecht, Arbeit, Gesundheit und Bildung mit Papierlosen zusammenarbeiten, wollen wir einen Einblick in die Lebenssituation von Illegalisierten hier in Bremen bekommen. Wir wollen auch diskutieren welche praktischen oder politischen Möglichkeiten es gibt, denen, die keine oder die „falschen“ Papiere haben, dennoch ein gleichberechtigtes Leben zu ermöglichen.

Übersetzungen in Englisch, Farsi, Arabisch und Albanisch sind möglich, falls diese gebraucht werden.

*bitte weiterverbreiten!*

*Life in Bremen without legal papers – Exchange with activists about experiences, ideas and perspectives*

Never have more people sought asylum in Germany as during the past months and never have as many people been expelled as in that same period. Even though the falling number of deportations in Bremen suggests something else: It is also true for Bremen that more people than ever are expelled and leave the country they want to live in. This applies in particular for people from west Balkan countries which are classified as „safe countries of origin“.

The majority of those who are being banned from staying here, leave the country on their own initiative. They see no way to avoid the denial of basic rights and the lack of prospects that are consequences of being expelled. They prevent their impending deportation, because it is nearly impossible to resist the pressure that is built up by public authorities and for example the „Ausreiseberatung“ at the AWO. The public agency of interior affairs in Bremen calls this compulsion to leave the country „voluntary return“, „freiwillige Ausreise“. Some though do not leave, they also avoid being deported and they continue living in Germany without any legal permission.

To stay in Germany without papers means living in constant fear of their discovery and deportation. It also means being strongly dependent on for example bosses and landlords and never achieving a reliable situation to plan with.

In order to improve the situation of the legalized, several cities in for example north America began to grant their inhabitants access to social services independent of their resident permit status. Some even stop the routinized controls of the resident permit status by the police and other authorities. They enable legalized people to participate and enjoy social and political rights beyond the idea of citizenship and live with more dignity and less fear.

In Bremen there are organizations, that also try to improve social participation of all people, independently of their resident permit status, too, for example by granting church asylum or by organizing medical care or language courses that people do not need to pay for.

From those people, who work in the fields of residential and migration rights, labor, health and education with legalizedpeople, we want to gain an insight into the living conditions of legalizedpeople in Bremen. We also want to discuss which practical and political possibilities there are, to allow those who haveno papers or the „wrong“ papers to still enjoy equal rights.

Translation into English, Farsi, Arabic and Albanian is possible, if needed.

*September 06th | 19:00h | Kommunikationszentrum Paradox, Bernhardtstraße 12*

*please pass this on to others!*

checkt: stopdeportationbremen.noblogs.org