„Schüler protestieren gegen Abschiebung von Roma-Familie“

kopiert aus dem Weser Kurier

Schüler der Gesamtschule Mitte haben der Innenbehörde am Dienstag eine Kiste mit 400 persönlich formulierten Bleibegründen überreicht – für ein Mädchen, dessen Familie nach Serbien abgeschoben werden soll.

Was am Montag für eine andere Familie Realität wurde, ist in diesem Fall nun vorerst aufgeschoben. Behördensprecherin Rose Gerdts-Schiffler, die die Schülerdelegation in Empfang nahm, verkündete eine „Atempause“: Die Ausländerbehörde habe unlängst eine Duldung ausgesprochen, weil sich im Verfahren eine unerwartete Wendung ergeben habe.

„Elf Jahre alt ist das Mädchen, das 2014 mit ihrer Familie von Serbien nach Bremen gekommen ist“, berichtete Lehrer Niels Kalin über die Schülerin, die an der Gesamtschule Mitte die fünfte Klasse besucht und dort aktuell breite Unterstützung von Mitschülern, Eltern und Lehrern erfährt. Die Familie zähle zur Minderheit der Roma und sei aus diesem Grund in Serbien diskriminiert und verfolgt worden.

Im Juli lehnte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) den Asylantrag ab, erklärte Rechtsanwalt Jan Sürig, der die Familie inzwischen vertritt: „Im selben Zuge erging die Aufforderung, bis zum 20. September freiwillig auszureisen.“ Die Bundesrepublik hat Serbien im Jahr 2014 zum sogenannten sicheren Herkunftsland erklärt, was von Menschenrechtsorganisationen kritisiert wird. Roma seien dort einer zum Teil institutionell organisierten Benachteiligung ausgesetzt. Darauf berufen sich auch die Mitschüler und Lehrer des betroffenen Mädchens.

Der Grund, warum die betroffene Familie die Frist zur freiwilligen Ausreise inzwischen hat verstreichen lassen, ist jedoch noch ein anderer. Hätte sie der Aufforderung Folge geleistet, erläuterte der Anwalt, wäre die gerade volljährig gewordene Tochter der Familie, die schwerbehindert sei, alleine in Bremen zurückgeblieben. Das sei unzumutbar, so Anwalt Sürig, der einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht eingereicht hat. „Das Ziel ist, die Ausländerbehörde zu verpflichten, die Familie weiter zu dulden.“

Eine erste Duldung habe die Ausländerbehörde daraufhin kurzfristig ausgesprochen, ließ Rose Gerdts-Schiffler wissen und begründete: „Dass es in der Familie dieses behinderte Kind gibt, war der Ausländerbehörde nicht bekannt.“ In Bezug auf die junge Frau, die einige Monate vor dem Rest der Familie nach Deutschland gekommen sei, laufe ein separates Asylverfahren. Eine Geburtsurkunde sei angefordert worden, deren Echtheit nun zu prüfen sei – und für diesen Zeitraum bliebe das Abschiebeverfahren ausgesetzt.

Quelle: weser-kurier.de