„Brandanschlag in Huchting: Anwohner halten Mahnwache ab“

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Nach dem Brandanschlag auf ein im Bau befindliches Containerdorf für Flüchtlinge in Bremen-Huchting haben Anwohner am Samstag eine Mahnwache abgehalten. Auch Bremens Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) nahm daran teil.

„Für ein friedliches Miteinander“, „Huchting ist bunt“ oder „Jeder ist verschieden“ hatten die Teilnehmer der Mahnwache auf Plakate oder mit Kreide auf den Boden gemalt. Insgesamt kamen etwa 150 Menschen. Das Motto der Aktion: Hand in Hand für Huchting. Ortsamtsleiter Christian Schesselmann und Beiratssprecher Falko Bries verurteilten den mutmaßlichen Anschlag erneut.

Für Elke Husung war die Teilnahme eine klare Sache. Sie will alles daran setzen, fremdenfeindlichen Äußerungen Einhalt zu gebieten – auch in der Facebook-Gruppe „Wir sind Huchting“. „Dort hatte jemand gepostet ‚Die sollen brennen‘“, sagte Husung. Als Administratorin habe sie die Person sofort aus der Gruppe geworfen. Pastorin Nicole Steinbächer berichtete vom Entsetzen vieler Huchtinger über den Anschlag. „Viele hatten das Gefühl, dass das Miteinander gut klappt in Huchting“, sagte sie.
Vorurteile entkräften

Mitorganisiert haben die Kundgebung die Huchtinger Birgit Ley, Erhard Monsig und Stefan Wichmann. „Wir müssen gegen die Vorurteile gegenüber Flüchtlingen angehen“, sagte Wichmann. „Ich habe zum Beispiel noch nie eine Undankbarkeit erlebt, wie sie Flüchtlingen oft vorgeworfen wird, ganz im Gegenteil.“ Die Veranstalter wollen nicht tolerieren, dass eine kleine radikale Minderheit das friedliche Zusammenleben aller Menschen in Huchting zerstört.

Sozialsenatorin Anja Stahmann dankte den Huchtingern für ihr Engagement. „Ich bin immer noch entsetzt, dass Menschen so etwas machen“, sagte sie über den mutmaßlichen Brandanschlag. Mittlerweile wird das unbewohnte Containerdorf rund um die Uhr von einem Sicherheitsdienst bewacht.

Doch nicht nur aus Huchting, auch aus anderen Stadtteilen Bremens waren Teilnehmer gekommen. Mohamed Kanjal war die Teilnahme sehr wichtig, er nahm auch die etwas längere Anreise aus der Vahr in Kauf. „Das Schlimmste sind die falschen Bilder, die Menschen aus verschiedenen Kulturen und Ländern voneinander haben. Deshalb müssen wir ganz viel miteinander reden.“ Ein Freund, der lieber anonym bleiben möchte, zeigte sich von der Gemeinschaft in Bremen überzeugt: „Bremen ist stark. Wir werden das hinkriegen.“

Unbekannte Täter hatten in der Nacht zum Dienstag Molotow-Cocktails in das noch unbewohnte Containerdorf geworfen. Verletzt wurde dabei niemand. Neun Container wurden zerstört, weitere wurden beschädigt.

Quelle: radiobremen.de