Oldenburg, 14. Oktober 2016 Pressemitteilung: Geflüchtete aus Blankenburg zwangstransferiert

In den letzten zwei Wochen wurden über zehn Geflüchtete aus der Sammelunterkunft Blankenburg zwangs-transferiert. Mitte September waren sie bei der Ausstellung we will rise in der Kulturetage gewesen und hatten sich am 11.09.2016 mit Freund_innen aus Oldenburg in Blankenburg getroffen. Als bei einer Besucherin ein Flyer für die Ausstellung gefunden wurde, drang die Security ungefragt ins private Zimmer ein, in dem Menschen aus Blankenburg und Oldenburg zusammensaßen. Die Besucher_innen wurden unter Androhung von Gewalt rausgeworfen. In den folgenden vier Wochen wurden nahezu alle beteiligten Personen aus Blankenburg transferiert; alle an Orte, die am anderen Ende Niedersachsens liegen und extreme Isolation bedeuten. Frida Schulz sagte dazu:

„Wir haben uns als Freundinnen und Freunde aus Blankenburg und aus der Stadt getroffen und uns auch über die Le-
benssituation der Menschen in Blankenburg ausgetauscht. Wir alle empfinden die Zwangstransfers als einen Versuch, diesen Austausch frühzeitig zu unterbinden.“Die Geflüchteten hatten in Gesprächen gefordert, dass sich die Missstände in Blankenburg ändern müssen. Sie kritisierten unter anderem das Verbot elektronischer Geräte (wie Fernseher, Kochplatten etc.) und das Verbot selber zu kochen; die fehlende Achtung der Privatsphäre, da die Security jederzeit ungefragt die Zimmer betritt; das Arbeitsverbot; die Ungleichbehandlung der Menschen beim Transfer aufgrund ihrer Herkunft; und eine unzureichende Gesundheitsversorgung.

„Jetzt werden wir gegen unseren Willen transferiert. Natürlich wollen wir raus aus Blankenburg, aber nicht ans andere Ende von Niedersachsen, aufs Land, in die Isolation. Dauernd wird uns gesagt, wir sollen uns integrieren. Und gleichzeitig verhindert die Ausländerbehörde jede Möglichkeit der Teilhabe. Das nennt man Doppelmoral“,
so Antoine Kouamé*.

Olivier Diomande* ergänzt: „Es gibt viele Probleme im Lager. Am schlimmsten ist die ständige Angst, mit der wir jeden Tag leben müssen; und jede Nacht, weil es sein kann, dass sie dich holen, um dich abzuschieben. Diese ständige Bedrohung macht einen krank. Das muss sich ändern!“ Geflüchtete aus Blankenburg und Freundinnen und Freunde aus Oldenburg

*Name aus Angst vor Repression geändert