„Die Rückkehr der Hells Angels“

kopiert aus dem Weser Kurier

Am Dienstagabend lud die Bremer Grünen-Fraktion die Journalistin Andrea Röpke und LKA-Leiter Daniel Heinke ein, um über die Hells Angels und die Verbindungen zwischen Rockern und Rechten zu diskutieren.

Die Veranstaltung im Café Blau hat noch nicht begonnen, da muss der erste Gast schon gehen: Oliver Meier, ehemaliges AfD-Mitglied aus Burglesum. Die Bremer Grünen-Fraktion hatte am Dienstagabend die Journalistin Andrea Röpke und Daniel Heinke, Leiter der Kriminalpolizei, in den Speicher XI der Überseestadt geladen, um über die Hells Angels und die Verbindungen zwischen Rockern und Rechten zu diskutieren. Beide Gruppen hatten die Grünen von vornherein von der Veranstaltung ausgeschlossen, ebenso Rechtspopulisten.

Meier macht bei Facebook Front gegen Linke und die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. In der Vergangenheit hat er sich bei der Alternative für Deutschland sowie der Wählervereinigung Bürger in Wut engagiert – und bei den Grünen. Als Rechter will er nicht gelten und deshalb auch nicht gehen. Die Veranstalter setzen ihr Hausrecht durch: Ein Polizist begleitet Meier schließlich aus dem Saal.

„Wir wollen an diesem Abend unser Bild scharf stellen“, sagt Moderator Robert Bücking, der für die Grünen in der Bürgerschaft sitzt. „Die Gegenseite soll auch zu Wort kommen, aber nicht hier und heute.“ Als die Innenbehörde 2013 das Hells-Angels-Charter MC Bremen und deren Symbole verbot, habe die Stadt aufgeatmet.

Hells Angels versuchen wieder Fuß zu fassen

„Jetzt müssen wir verhindern, dass sie unser friedliches Zusammenleben erneut gefährden“, sagt Bücking. Die Hells Angels versuchen, in Bremen wieder Fuß zu fassen: Seit dem Sommer renovieren Mitglieder und Unterstützer das Lokal „Parzelle Eins“ in Walle und treffen sich dort.

Andrea Röpke beobachtet Rockergangs und die Neonazi-Szene seit Jahren. Im Café Blau berichtet sie von ihren Beobachtungen an der „Parzelle Eins“. Hells Angels aus Hamburg und des Charters MC Westside aus Delmenhorst hätten sich dort getroffen. Mit dabei: Hells-Angels-Pressesprecher Rudolf „Django“ Triller und Fritjof Balz, der einst für die Bürger in Wut im Beirat Blumenthal saß.

Röpke geht in ihrem Vortrag insbesondere auf Westside-Chef Michael Wellering ein. Der sei „ein mächtiger Mann“ in der Szene. In einer Sitzung des Waller Beirats Mitte September hatte Wellering betont, er und seine Leute seien friedlich. Mit Neonazis habe er nichts zu tun.

Fotos, die Röpke am Dienstag präsentiert, beweisen das Gegenteil: Wellering zusammen mit Hooligans der „Standarte Bremen“ oder mit rechten Rockern der mittlerweile verbotenen „Schwarzen Schar“ aus Wismar. Wellering will sich zu den Vorwürfen gegen ihn und sein Hells-Angels-Charter nicht äußern. Eine Anfrage des WESER-KURIER bleibt unbeantwortet.

Kritik an den Beiratsmitgliedern

Röpke wendet sich auch an die Beiratsmitglieder in Walle. Die Lokalpolitiker seien bei Wellerings Auftritt unvorbereitet gewesen und hätten dem Hells-Angels-Chef Raum für „endlose Monologe“ gewährt. Dem kann Jörg Tapking von der Linken nicht widersprechen: „Wir haben uns wirklich einlullen lassen“, sagt er selbstkritisch.

Auch Beiratsmitglied Karsten Seidel von den Grünen gibt zu: „Wir sind zu naiv in diese Sitzung gegangen.“ Jetzt sollten der Stadtteil und seine Lokalpolitiker aber nach vorne schauen und überlegen, was gegen die Rocker getan werden könne.

Daniel Heinke, Leiter der Bremer Kriminalpolizei und des Landeskriminalamtes, sieht in dem erneuten Auftreten der Hells Angels eine Gefahr für die Öffentlichkeit. Er stellt klar: „Die Null-Toleranz-Strategie wird von der Polizei effektiv umgesetzt“.

Bremer Polizisten können nicht an jedem Ort sein

Dem widerspricht Andrea Röpke: Obwohl in Bremen diverse Slogans und Schriftzüge der Hells Angels verboten seien, könnten sich Mitglieder der Motorradgang frei mit entsprechenden Kleidungsstücken bewegen, in Bremen-Vegesack habe über Wochen mit dem Schriftzug „The Big Red Machine“ bedruckter Lastwagen geparkt – ein in Bremen verbotenes Synonym der Hells Angels. „2.500 Bremer Polizisten können nicht an jedem Ort sein“, entgegnet Heinke. An die Besucher im Saal appelliert er: „Wenn Sie etwas Verdächtiges beobachten, rufen Sie uns an.“

Aus dem Publikum meldet sich Wolfgang Budde zu Wort. Mit seiner Bürgerinitiative hat er sich einst gegen die Hells Angels und ihr Clubhaus am Dobben engagiert. Bis heute seien die Mitglieder im Stadtgebiet aktiv, sagt Budde. „Sie waren nie weg – nur woanders.“ Er ermutigt die Anwohner in Walle, sich im Rahmen eines Runden Tischs gegen das Treiben der Hells Angels zu organisieren.

An der „Parzelle Eins“ sind die Renovierungsarbeiten unterdessen ins Stocken geraten. Das Baurecht könnte die Eröffnung des neuen Rocker-Treffs verhindern: In den 1980er-Jahren wurden auf dem Gelände an der Waller Straße der Bau eines Imbissstands, einer Box zum Lagern von Gasflaschen und eines Sommergartens genehmigt.

Renovierungsarbeiten sind ins Stocken geraten

Bei einer Begehung, an der kürzlich sowohl Mitarbeiter des Bauressorts und die Pächterin als auch Wellering und Balz teilnahmen, entdeckten die Behördenvertreter einen Gastank. Dieser sei nie genehmigt worden, heißt es in einem Schreiben der Behörde an Wilfried Behrendt, der die Pächterin als Anwalt vertritt.

Darin wird seine Mandantin aufgefordert, den Tank innerhalb eines Monats zu entfernen. Tut sie das nicht, droht der Anlage eine amtliche Abrissverfügung. Behrendt widerspricht: „Meiner Meinung nach sind die Bauten auf dem Gelände bereits genehmigt und abgenommen worden.“

Das sehen die Vertreter der Baubehörde anders. Auf Nachfrage des WESER-KURIER sagt Ressortsprecher Jens Tittmann: „Wenn diese Bauten angeblich genehmigt sind, kann die Pächterin ja sicherlich die Abnahmegenehmigungen vorlegen.“

Weder sie noch ihr Anwalt hätten bislang entsprechende Dokumente vorweisen können. Die geplante Nutzung als Party- und Veranstaltungsraum ist mit dem Baurecht nicht vereinbar. Die Pächterin müsste einen Antrag auf Nutzungsänderung stellen. Aber auch den hat sie bislang nicht eingereicht.

Quelle: Weser Kurier


1 Antwort auf „„Die Rückkehr der Hells Angels““


  1. 1 Die Grünen 01. November 2016 um 1:58 Uhr

    So sind sie, die Grünen, mit den LKA-Schweinen auf einem Podium. Nichts das das überraschend wäre, aber es sollte doch immer wieder bemerkt werden wie unmöglich dieser Haufen ist.

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