Lückenlose Videoüberwachung am Hauptbahnhof

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88 Kameras sollen den Hauptbahnhof sicherer machen

Der Bremer Hauptbahnhof wird seit Donnerstag fast lückenlos videoüberwacht. Die Kosten von einer Million Euro tragen der Bund und die Deutsche Bahn. Doch kann das Projekt den Bahnhof tatsächlich sicherer machen?

Das Bahnhofsgebäude und die Gegend rund um den Hauptbahnhof empfinden Bremer häufig als unangenehm. Vor allem zu Nachtzeiten und in Winkeln, die schlecht einsehbar sind, fühlen sich nicht alle Passanten wohl. Tatsächlich passieren in Bahnhöfen immer wieder Straftaten. Die Bundespolizei hat für ihren Zuständigkeitsbereich in Bremen in den ersten drei Quartalen dieses Jahres allein 176 Fälle von Körperverletzung registriert.

Viele Körperverletzungen am Hauptbahnhof

In den Zuständigkeitsbereich fallen nicht nur der Hauptbahnhof, sondern auch weitere Bahnhöfe und die fahrenden Züge. „Die meisten der erfassten Taten ereigneten sich jedoch im Bremer Hauptbahnhof“, sagt Bundespolizeisprecher Holger Jureczko.

Gerade bei Körperverletzungen könnten die Aufnahmen aus den Kameras wertvoll für die Aufklärung sein, da die Täter meistens schnell flüchten. Auch bei Diebstählen ist das der Fall. 182 Mal wurde von Januar bis September in Bremer Bahnhöfen und in Zügen geklaut. Meist waren es Wertsachen aus Handtaschen oder Rucksäcken, aber auch Gepäck war dabei.

Bilder maximal 30 Tage lang gespeichert

Ein weiteres Thema, das viele Bremer mit dem Hauptbahnhof in Verbindung bringen, ist der Drogenhandel. 55 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz registrierte die Bundespolizei für den gesamten Bereich Bremen. Sachbeschädigungen (darunter auch Grafitti) gab es deutlich mehr: 193 Taten verzeichnete die Bundespolizei in den ersten drei Quartalen 2016.

Mit den hochauflösenden Kameras kann der Hauptbahnhof jetzt praktisch zu 100 Prozent überwacht werden und später bei der Aufklärung von Straftaten helfen. Gefilmt wird ausschließlich in den öffentlichen Bereichen. Die Bilder werden in der Zentrale der Bundespolizei ausgewertet – und temporär gespeichert. Nach maximal 30 Tagen werden die Videos dann wieder gelöscht.

Kameras sollen abschreckend wirken

Die Bundespolizei will die Daten nutzen, um Straftaten im Bahnhof aufzuklären und präventiv einzugreifen. Bislang könne man meist nur auf Vorfälle reagieren, sagte Bundespolizeisprecher Holger Jureczko. Datenschützer bezweifeln jedoch, dass die Kameras tatsächlich eine abschreckende Wirkung auf potenzielle Straftäter haben. „Das vielzitierte Sicherheitsgefühl ist nicht unbedingt mit Tatsachen belegt“, sagt die Bremer Datenschutzbeauftrage Imke Sommer. Schließlich gebe es Videoaufnahmen von schweren Straftaten.

Deutschlandweit wollen die Bahn und der Bund insgesamt 85 Millionen Euro in moderne Überwachungskameras stecken. Momentan gibt es bereits mehr als 5.000 Kameras an etwa 700 Bahnhöfen. Dazu kommen weitere rund 27.000 Kameras in den Zügen im Nah- und S-Bahn-Verkehr.

Quelle: Radio Bremen

siehe auch
buten & binnen – Nachrichten
Weser Kurier – Hauptbahnhof soll sicherer werden