„Elitäre Rechte“

kopiert aus dem Weser Kurier

Anhänger der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ sorgen momentan mit Aktionen in Bremen und Berlin für Aufsehen. Ihr Feindbild ist der Islam. Politiker sollen sich nach Meinung der Gruppierung warm anziehen.

Am vierten Adventssonntag strömen die Bremer in die Innenstadt. Die Buden und Stände rund um das Rathaus sind gut besucht. Es riecht nach Bratwurst und Glühwein. Eine Gruppe junger Männer aber hat an diesem Nachmittag keine Lust, über den Weihnachtsmarkt zu bummeln. Sie verteilen Flyer: „Integration ist eine Lüge!“, ist darauf zu lesen. „Gegen den Austausch – für die Vielfalt der Völker.“


Ihr Logo – der griechischen Buchstabe Lambda – sprühen Anhänger der Gruppe an einen Blumenkübel der Lloydpassage. (facebook)

Die Männer gehören zur rechtsextremen „Identitären Bewegung“. Die hat ihren Ursprung in Frankreich, aber auch in Deutschland gründen sich immer mehr Ortsgruppen – so auch in Bremen. Die „Identitäre Bewegung“ gibt sich modern. Ihr Feindbild: der Islam. Die Ideologie der neuen Rechten zielt auf den Erhalt einer vermeintlichen „kulturellen Identität“ der europäischen Völker, deren Fortbestand sehen die Aktivisten durch die Einwanderung von Muslimen in Gefahr.

Große Pläne

Die Mitglieder des „Identitären Freundeskreises Bremen“ bezeichnen sich in einem Beitrag auf ihrer Facebookseite selbst als die „Stimme einer erwachenden jungen Generation“. Zwar gehören der Bewegung in Bremen nur wenige Einzelpersonen an, doch die haben sich viel vorgenommen: „Nichts wird bleiben wie es war, und die Vertreter der etablierten, verknöcherten Strukturen in allen politischen Lagern sollen sich warm anziehen! Der identitäre Wirbelsturm kommt!“, schreibt die Gruppe bei Facebook.

Ein bisschen was soll dann schon so bleiben wie es war, zum Beispiel der Bremer Weihnachtsmarkt. Er soll jedenfalls nicht in „Wintermarkt“ umbenannt werden, finden die Identitären – das hatte in der Hansestadt aber auch noch niemand vorgeschlagen. Entsprechende Parolen und ihr Logo – den griechischen Buchstaben Lambda – sprühen die Männer trotzdem schon einmal an Blumenkübel der Lloydpassage, das Gebäude der Bürgerschaft und auf die Bodenplatten am Katharinenklosterhof. Das Lambda trugen einst die Spartaner im Kampf gegen die Perser auf ihren Schildern.

„Die Identitäre Bewegung will ihren Pseudo-Kulturkampf von rechts in die Mitte der Gesellschaft tragen“, sagt Carsten Neumann von der Initiative Standpunkt in Bremen. Seine Kollegen und er beobachten die rechte Szene seit Jahren. Was unterscheidet die Identitären von anderen Strömungen? „Sie sehen sich als Elite und suchen ihre Anhänger in erster Linie im studentischen Milieu“, sagt Neumann. Dabei sei ihre Ideologie die gleiche, wie die von Neonazis. „Sie ersetzen den Begriff Rasse einfach durch Kultur“, so Neumann. Ihr Aktionismus ziele vor allem darauf ab, Vorurteile und Ängste gegenüber Muslimen zu schüren.

Kunstschnee-Parolen

Für die Aktion der „Identitären“ auf dem Bremer Weihnachtsmarkt interessiert sich mittlerweile auch der Verfassungsschutz. „Die Sicherheitsbehörden kennen diese Gruppe und ihre Facebookseite“, sagt Nicolai Roth, Sprecher der Innenbehörde. Da die Aktivisten ihre Parolen nicht mit Farbe, sondern mit Kunstschnee gesprüht haben, liege aber keine Sachbeschädigung vor. Wegen der Botschaften habe der Staatsschutz die Ermittlungen aufgenommen. Im aktuellen Bremer Verfassungsschutzbericht heißt es zur „Identitären Bewegung“: „Ihre nationalistische, fremden- und insbesondere islamfeindliche Einstellung verbreiten die ,Identitären’ auf professionell gestalteten Plakaten, Flyern und Videos, die insbesondere dazu geeignet erscheinen, junge aktionsorientierte Personen anzusprechen.“

Am Mittwoch sorgte ein Auftritt der „Identitären Bewegung“ in Berlin für Aufsehen: Etwa 30 Mitglieder der Gruppierung besetzten den Eingang der CDU-Zentrale. Die Aktivisten saßen auf dem Gehweg und skandierten Parolen wie „Stoppt den großen Austausch“. Ein Redner machte Bundeskanzlerin Angela Merkel für den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt verantwortlich.

Quelle: weserkurier.de