Braun ist auch dabei

Auf der Webseite der evangelischen Kirche in Bremen (BEK) und an vielen ihrer Einrichtungen prangt die Botschaft „Bremen ist bunt“. So weit so gut.

Bei genauer Betrachtung kommt jedoch auch ein politischer Braunton zum Vorschein. Nicht etwa bei irgend einem Mitglied der stark schrumpfenden, noch knapp 200 000 Mitglieder zählenden Religionsgemeinschaft. Die Vorsitzende der BEK, Edda Bosse, ist es, die neben anderen Verwandten und Erben vehement für die Verbreitung und Veröffentlichung völkischer Kunst und Kirchenkunst ihres Stiefschwiegervaters und ehemaligen Nazis Erich Klahn kämpft. Bis zum Bundesgerichtshof wurde der Kampf um die Veröffentlichung brauner Kunstwerke geführt.

Erich Klahn ( 1901 bis 1978) war Künstler, der neben Bildern, Illustrationen auch Wandteppiche u.a. für Kirchen und Altäre fertigte. 1921 wurde er Mitglied der NSDAP und bewegte sich ständig in völkischen Kreisen, die fest zur Ideologie der NSDAP standen. 1943 erhielt er den „Emanuel Geibel Preis“ der Stadt Lübeck. Der Empfänger diese Auszeichnung musste vom Reichspropagandaministerium genehmigt sein.

So finden sich in seinen Werken z.B. auf Metallbeschlägen von Altären Hakenkreuze, Runenzeichen sind in Teppiche eingewebt und Mussolinis Konterfei ist in einen Altar der Magdalenenkirche im thüringischen Zella- Mehlis auf dem Korpus eines römischen Statthalters zu sehen. Auch die Nazi Größe Göring bestellte bei Klahn einen Teppich. Während der Entnazifizierung gab Klahn dann auch zunächst seine Mitgliedschaft in der NSDAP zu. Seine ideologische Nähe und Verbindungen bis 1945 wurden in zwei Untersuchungen nachgewiesen.

Die TAZ schrieb am 2.7.2015: „Tatsächlich bestätige das Gutachten, dass Klahn 1921 der NSDAP beitrat. Die bis Februar 1945 überlieferten Briefe Klahns belegten zudem dessen uneingeschränkte Bejahung des NS-Regimes. Auch hat Klahn laut Gutachten erwogen, dem rechtsextremen „Freikorps Oberland“ beizutreten, das sich 1921 an der Niederschlagung der oberschlesischen Aufstände beteiligte.

Zudem engagierte er sich in der völkisch geprägten „Niederdeutschen Bewegung“ sowie in der „Ludendorff-Bewegung“, die beide völkisch-rassistisch dachten. Und schließlich akzeptierte er 1943 den Lübecker Emanuel-Geibel-Preis – zu einer Zeit, als die Nazis den Kulturbetrieb bereits kontrollierten und jeden Anwärter auf „politische Zuverlässigkeit“ prüften.

Nach dem Krieg heiratete Klahn Barbara Bosse, die aus erster Ehe bereits ein Kind namens Johann Christian Bosse hatte und sie bekamen dann ein gemeinsames Kind Liese Klahn. Liesel Klahn heiratete den Bruder des ehemaligen Regierungschefs von Niedersachen Ernst Albrecht, George Albrecht. Johann Christian Bosse wiederum heiratete die aus dem Bremer Unternehmeradel stammende Edda Lamotte. Eddas Vater Hans Henry Lamotte übte zahlreiche Ämter in bremischen Unternehmerverbänden aus. Hands Henry Lamotte war auch Bauherr der St. Petri Dom Gemeinde. Dieses Amt übte nach ihm auch seine Tochter Edda aus. Gemeinsam mit seinem Schwiegersohn Johann Christian Bosse gab er 1998 ein Buch unter dem Titel „ Der Dom zu Bremen“ heraus.

Als Erich Klahn 1978 starb ging seine Frau Barbara ins Kloster Mariensee bei Hannover. Nach ihrem Tod überließen die Erben Johann Christian Bosse und Liese Klahn Albrecht 1998 in einem Schenkungsvertrag die hinterlassenen Kunstwerke Klahns der Klosterkammer Niedersachsen. Die Klosterkammer ist eine Einrichtung des Landes Niedersachsen zur Denkmal-, und Kulturpflege. In diesem Vertrag verpflichtete sich die Klosterkammer die Werke Klahns in Stand zu halten und der Öffentlichkeit in Ausstellungen u.a. im Kloster Mariensee zugänglich zu machen. Den Vertrag schlossen die Klahn Siftung der versammelten Erben und Freunde ab. Edda Bosse gehörte zeitweilig auch dem Vorstand der Klahn Stiftung an.

Als der Klosterkammer dämmerte, dass Klahn eine braune Vergangenheit hatte, gab sie zwei Gutachten in Auftrag. Diese Gutachten kam zu dem oben beschriebenen Befund, der die völkische Vergangenheit Klahns belegte.

Daraufhin beschloss die Klosterkammer 2015 die Ausstellung mit Klahns Werken zu schließen. Dies rief den Widerstand der Klahn Erben hervor. Sie zogen vor Gericht. Sowohl das Landgericht Hannover, das Oberlandesgericht in Celle und letztlich auch der Bundesgerichtshof gaben ihnen recht. Dabei ging es ausdrücklich nicht um die Inhalte, sondern ausschließlich um die Vertragserfüllung.

Edda Bosse stand, obwohl nicht unmittelbare Erbin, immer in der ersten Reihe, wenn es darum ging das künstlerische Wirken des völkisch nationalsozialistischen Künstlers Erich Klahn hochzuhalten und zu vermarkten. Für das 2014 erschienene Buch „Erich Klahn – Werk und Wirkung“ verfasste sie das Vorwort. Sie ist aktuell Vorsitzende des Klahn Freundeskreises, der auch eine Webseite mit der Darstellung der Werke Erichs Klahns unterhält. Zeitweilig gehörte sie auch dem Vorstand der Klahn Stiftung an. In diversen Presseartikeln nahm sie positiv auf Klahn Bezug.

Vorfahren kann der Mensch sich nicht aussuchen, wohl aber den Umgang mit deren Wirken selbst bestimmen. Von völkischen Ahnen kann Mensch sich öffentlich distanzieren oder einfach in der Versenkung verschwinden lassen.

Wer jedoch derartig intensiv wie Edda und Johann Christian Bosse sowie Liese Klahn-Albrecht, den Nachlass eines nachweislich aktiven völkischen Künstlers hochhalten, scheint mit dessen brauner Vergangenheit keine Probleme zu haben. Dies lässt Rückschlüsse auf die eigene Denke zu. Es wäre nicht der erste Fall bei dem konservative Christen und rechte Nationalisten eine inhaltliche Übereinstimmung aufweisen.

Und die Bremische Kirche ? Schließlich ist Edda Bosse keine x-beliebige Millionärserbin mit Kunstsplin die nur zufällig zum Beten in den Dom kommt. Sie bekleidet seit langer Zeit kirchliche Ämter in der Domgemeinde, ist Mitglied des Kuratoriums der Kulturkirche St. Stephani und seit 2013 Vorsitzende der Bremischen Evangelischen Kirche. Ihr „privates“ Agieren kann den anderen Kirchenoberen nicht verborgen geblieben sein, zumal auch der evangelische Pressedienst epd im März 2016 über eines der Klageverfahren berichtet hat. Selbst die evangelische Landeskirche Hannover hat zu Klahn ein eigenes Gutachten in Auftrag gegeben, schließlich befinden sich viele Klahn Teppiche und Altäre in ihren Kirchen.

Ja die Bremische Kirche ist bunt – braun ist auch dabei.

Quellen: TAZ 2.7.2015, evangelischer Pressedienst 10.März 2017, Weser Kurier 5.1.2017


1 Antwort auf „Braun ist auch dabei“


  1. 1 azerty 19. April 2017 um 22:43 Uhr

    So fragwürdig Frau Bosse demnach auch sein mag, ein bisschen Sorgfalt bei der Recherche darf man wohl auch hier erwarten: Sie ist nicht „Vorsitzende“ der BEK, dieses Amt gibt es auch gar nicht, sie ist auch nicht Schriftführerin, was bei der BEK dem Amt einer „Vorsitzenden“ am nächsten käme, sondern sie ist Präsidentin des Kirchenausschusses – ein Ehrenamt, dass immer von Laien besetzt wird und quasi keinen Einfluss hat, mal davon abgesehen dass den in der sehr dezentral organisierten BEK eh niemand wirklich hat… Also doch etwas weniger skandalös als das da oben klingt, wenn auch trotzdem unerfreulich

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