„Zeugen belasten Angeklagten, Polizisten verweigern Aussage“

kopiert aus dem weser-kurier

Im Bremer Körperverletzungs-Prozess gegen einen Polizisten bestätigten mehrere Zeugen am Freitag die Version des Opfers. Ein medizinischer Sachverständiger zog einen erstaunlichen Vergleich.

Kein guter Tag für den Polizisten, der wegen Körperverletzung im Amt vor Gericht steht. Am vierten Tag der Berufungsverhandlung vor dem Landgericht wurde am Freitag erneut eine ganze Reihe von Zeugen vernommen. Und wieder gab es keine einzige Aussage, die die Version des 29-Jährigen bestätigte. Ganz im Gegenteil.

Zur Erinnerung: Der Polizist hatte im Mai 2013 bei einem nächtlichen Einsatz in Zivil einen damals 54-Jährigen niedergeschlagen, den er fälschlicherweise für einen Einbrecher hielt. Laut Aussage des Polizisten lief der vermeintliche Täter erst vor ihm weg, drehte sich plötzlich um und ging dann mit erhobenen Fäusten auf ihn zu.

Opfer schildert Geschehnisse ganz anders

Im Zuge einer Rangelei seien beide zu Boden gegangen, wobei der Mann weiter versucht habe, ihn zu schlagen. Als letztes Mittel habe er ihm dann einen Faustschlag ins Gesicht versetzt. Ganz anders schildert das Opfer das Geschehen.

Auf dem Weg zur Arbeit habe er gemerkt, dass ihn jemand verfolge, sagt der Mann. Er habe Angst gehabt und sei schneller gegangen. Da habe ihn der Angeklagte plötzlich von hinten gepackt und auf ihn eingeschlagen. Er sei daraufhin zu Boden gegangen.

Der Angeklagte habe ihm dann mit Gewalt die Hände auf den Rücken gebogen, sich mit den Knien daraufgesetzt und weiter auf ihn eingeschlagen. Er habe um sein Leben gefürchtet und voller Panik nach der Polizei gerufen. Dass sein Widersacher selbst Polizist war, habe er zu diesem Zeitpunkt nicht gewusst.

Augenzeugin bestätigt Version des Opfers

Er habe gedacht, er werde überfallen und müsse nun sterben. In seiner Angst habe er sogar seine verstorbene Mutter um Hilfe gebeten. Fast wortgleich schilderte am Freitag eine Augenzeugin diesen Hergang. Sie habe beobachtet, wie ein Mann einen anderen verfolgte, ihn von hinten an der Jacke zu Boden riss und auf ihn einschlug. Bäuchlings auf dem Boden liegend, habe das Opfer nach der Polizei gerufen und nach seiner Mutter.

Und auf Rückfragen der Richterin und des Anwalts: Nein, das Opfer habe sich zu keinem Zeitpunkt gewehrt. Und nein, die Version, dass das Opfer den Polizisten angegriffen habe, sei nicht wahr. Ebenfalls als Zeugin vernommen wurde eine interne Ermittlerin der Polizei, die das Opfer im Krankenhaus besucht und befragt hatte.

Ihr damaliges Gesprächsprotokoll verdeutlichte, dass das Opfer damals im Krankenhaus bis in kleinste Details hinein dieselbe Aussage gemacht hatte wie nun vier Jahre später vor Gericht. Sie könne nicht sagen, was in der Tatnacht geschehen sei, betonte die Beamtin. „Aber ich hatte zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, dass er eine völlig aus der Luft gegriffene Geschichte präsentierte.“

Verteidiger legte Widerspruch ein

Gegen die Verwertung ihrer Aussage und des Protokolls von damals legte der Verteidiger Widerspruch ein. Aus seiner Sicht ist fraglich, ob bei der Vernehmung alle Passagen und vor allem die abschließende Verlesung des Protokolls ordnungsgemäß von einer Dolmetscherin übersetzt wurden. Das Opfer ist Brasilianer.

Minutensache war am Freitag die Vernehmung von zwei Kollegen des Polizisten. Die beiden waren in der Tatnacht dazugestoßen, als das eigentliche Geschehen schon beendet war. Auf Anraten der Staatsanwaltschaft – „sie könnten hier in einen Meineid laufen“ – waren beide mit Anwälten vor Gericht erschienen.

Das Gericht gestand beiden ein Aussageverweigerungsrecht zu, um sich gegebenenfalls nicht selbst belasten zu müssen. Davon machten beide Gebrauch und sagten kein Wort. Ausführlich äußerte sich dagegen der medizinische Sachverständige.

Verletzungen wie nach einem Verkehrsunfall

Er sprach von „schweren Verletzungen im Kopfbereich“ des Opfers. Zum einen am linken Auge: Prellung des Augapfels, Einblutungen, ein Bruch der Augenhöhle, ein weiterer am Jochbogen sowie – direkt darunter – eine Kieferhöhlenfraktur. Zum anderen Rissquetschwunden an Ober- und Unterlippe.

Dazu kamen mehrere Schürfwunden und eine Rissverletzung an der linken Hand, die genäht werden musste. Auf Frage des Verteidigers räumte der Sachverständige ein, dass das Blutverdünnungsmittel, das das Opfer krankheitsbedingt schon vor der Tat einnehmen musste, zu einem verstärkten Verletzungsbild geführt haben könnte.

Der Rechtsmediziner sagte aber auch, dass er Verletzungen mit diesen Auswirkungen von Verkehrsunfällen oder Boxkämpfen kenne. „So ein Jochbeinbruch ist schon was Größeres.“ Und er erklärte, dass die Schilderungen des Opfers aus seiner Sicht plausibel geklungen hätten.

Die Verhandlung wird am Montag, 22. Mai, fortgesetzt.

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siehe auch

Weser-Kurier: Acht Beweisanträge sollen Polizisten entlasten


1 Antwort auf „„Zeugen belasten Angeklagten, Polizisten verweigern Aussage““


  1. 1 niemandmussbullesein 29. Mai 2017 um 15:55 Uhr

    Lügen Lügen nicht als Lügen

    Auch die Bullen in Bremen zeigen wieder das sie ganz genau das sind für das wir sie halten:

    SCHWEINE!

    Wir sehen uns beim G20 ihr Bastarde
    https://www.youtube.com/watch?v=2G6JCZYxl9M

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