Unterwasserkriegsführung, Militarisierung und Nationalismus

Kriegsführung hat sich technologisch als auch strukturell gravierend verändert. Häufig stehen hochgerüstete Armeen deutlich schlechter ausgerüsteten Akteuren gegenüber, die diesen Nachteil durch Guerilla-Strategien ausgleichen. Diese Form der asymmetrischen Kriegsführung ist typisch für aktuelle Konflikte.
Die mit Hochtechnologie ausgestatteten Armeen reagierten darauf mit verschiedenen neuen Strategien, die sich insgesamt als direkte technostrategische Reaktionen verstehen lassen. Des Weiteren werden viele Kriege nicht offen geführt, sondern stellvertretend ausgetragen. Diese komplexen Konflikte, bei denen unterschiedliche Parteien partiell zusammenarbeiten, aber individuelle Strategien und Interessen verfolgen, erschweren die klare Benennung von Machtstrukturen und Zusammenhängen. Zudem werden (zumeist multinationale) militärisch-industrielle Komplexe immer größer und sind seit jeher klare Befürworter der Kriegstreiberei.

Kriege sind menschenverachtend und Ausdruck imperialer und kapitalistischer Verhältnisse. Die Komplexität der Konflikte, Lügen, Propaganda, aber auch technische Überlegenheit helfen Kriege als legitimes Mittel der Außenpolitik zu etablieren. Ziele sind der Zugang zu Ressourcen, geopolitischer Einfluss, aber auch Abschottung, wie es bei der fortwährende Militarisierung der Grenzen der Fall ist.

Kriegsführung unter Wasser wird im Kontext asymmetrischer Konflikte eher wenig beachtet. Selbstverständlich gibt es noch mit Atomwaffen ausgestattete U-Boote um einen atomaren Erstschlag zu vergelten. Die Technologien der Unterwasserkriegsführung sind aber weitreichender. Aus aktuellem Anlass soll im folgenden auf diese Art von Kriegsführung eingegangen werden.

Unterwasserkriegsführung

Undersea Defence Technology (UDT)[1] ist eine seit 30 Jahren jährlich stattfindende Militärmesse und -konferenz, die ihren Fokus auf unter Wasser operierende Waffensysteme legt. Sie bezeichnet sich selbst als die für diese Community relevanteste Veranstaltung. Dort treffen sich Militärs, Waffenindustrie, Zulieferer und Forscher_innen um sich über die aktuellsten Entwicklungen und technischen Innovationen im Bereich der Unterwasserkriegsführung auszutauschen und Verträge abzuschließen. Dieses Jahr findet die UDT vom 30. Mai bis 1. Juni 2017 in den Bremer Messehallen an der Bürgerweide statt und es werden etwa 1200 Vertreter_innen von Militär und Rüstungsindustrie erwartet.

Behandelt werden alle Kriegstechnologien, die unter Wasser operieren: U-Boot-Technologie und U-Boot-Bekämpfung, Torpedos (und Anti-Torpedo-Torpedos), intelligente Seeminen (also solche die zwischen „Freund“ und „Feind“ unterscheiden können) aber natürlich auch Drohnen, denen insgesamt und in allen Bereichen durch die neuen militärischen Doktrinen weltweit große Beachtung geschenkt wird.

Drohnen sind ohne Besatzung fahrende/laufende/schwimmende/tauchenden/fliegende Fahrzeuge die autonom oder ferngesteuert bestimmte vorher definierte Aufgaben erfüllen sollen. Bei der UDT sind vor allem die Entwicklung von Unterwasserdrohnen, sogenannten Underwater Unmanned Vehicles (UUV), aber auch technische Gegenmaßnahmen gegen diese von besonderer Relevanz. UUVs werden aus der Luft, von Land, von der Wasseroberfläche oder von Unterwasserfahrzeugen im Wasser ausgesetzt und wieder zurückgeholt. Sie dienen mitunter zivilen Zwecken, ihre Anwendung ist aber hauptsächlich militärisch. Bei der UDT in Bremen bilden Minenabwehr und der Bereich Sensorik, Telemetrie, Informationsverarbeitung und Kommunikationstechnologie Schwerpunkte im Konferenzprogramm. Weitere militärisch motivierte Themen sind Waffensysteme, Kriegsführung unter Wasser, Überwachung und Aufklärung. Technisch motivierte Themen sind Batterietechnologien, Hydrodynamik und UUV-Design.

Die US-Marine mit der RAND Organisation[2] klassifiziert neun Einsatzfelder für diese militärischen Unterwasserdrohnen: (1) Informationsbeschaffung, Überwachung und Aufklärung, (2) Minenabwehr, (3) Bekämpfung von U-Booten, (4) Inspektion, Identifikation, (5) Ozeanographie, (6) Kommunikation, (7) Nutzlast-Lieferung; (8) Stören und Täuschen und (9) zeitkritische Aktionsfähigkeit. Auf sie soll im Folgenden genauer Eingegangen werden.

1. Informationsbeschaffung, Überwachung und Aufklärung (Intelligence, Surveillance, and Reconnaissance, ISR).
ISR umfasst persistente und taktische Überwachung und Informationsbeschaffung. So können UUVs als Überwachungsinstrument für Gebiete genutzt werden, indem beispielsweise mittels Sonar genau erfasst wird welche Objekte ein Gebiet betreten und verlassen. Wenn eine Änderung stattfindet kann diese zeitnah an die Kommandostation gesendet werden. Des Weiteren können UUVs das Gelände erfassen und erkunden um so Zugangs- und Infiltrationswege aufzuzeigen (map favorable infiltration and exfiltration routes in complex environments). Deshalb werden UUVs oft in Küstennähe und Hafengebieten eingesetzt. Durch modulare Sensorik können UUVs auch zur Erkennung und Lokalisation von biologischen, chemischen und/oder radioaktiven Stoffen eingesetzt werden.

2. Minenabwehr (Mine Countermeasures, MCM).
UUVs können für die Suche, Klassifikation und Identifikation von Seeminen eingesetzt werden. Oft geschieht dieses nur zum Teil autonom. Sodass – wie auch bei den Morden mit Flugdrohnen vor allem im Mittleren Osten – Menschen für die Entscheidung verantwortlich sind, ob die Waffe abgefeuert wird oder nicht. Bei beiden ist die Tendenz aber zu immer mehr Autonomie.

3. Bekämpfung von U-Booten (Anti-Submarine Warfare, ASW).
U-Boote nutzen hauptsächlich Akustiksensoren um Schiffe zu erkennen, zu klassifizieren und zu lokalisieren. Akustikpropagation kann selbst über Kilometer hinweg noch gut auf eine Quelle zurückgeführt werden. Da UUVs ein kleines Profil haben, sind sie durch Akustiksensoren schwer zu erkennen und eignen sich deshalb zur Überwachung von Routen um so feindliche U-Boote aufzuspüren, die Information weiterzuleiten und Angriffe zu ermöglichen.

4. Inspektion und Identifikation (Inspection/Identification).
Ein weiterer Aspekt ist die Inspektion von Schiffsrümpfen nach Korrosion und Bewuchs der natürlich über Zeit hinweg geschieht und sich negativ auf die Leistungsfähigkeit und Rumpfintegrität auswirkt. UUVs sind kosteneffektiver als Taucher_innen-Teams und werden deshalb vermehrt eingesetzt.

5. Ozeanographie (Oceanography).
UUVs werden sowohl für langandauernde (strategische) ozeanographische Missionen als auch für kurz andauernde (taktische) Missionen eingesetzt. So können sie, wie oben bereits beschrieben, eingesetzt werden um ein Gelände zu erfassen. Des Weiteren werden für einige ozeanographische Missionen sehr günstige UUVs, sogenannte Gleiter (Glider), eingesetzt. Üblich Messdaten, die erfasst werden, sind elektrische Leitfähigkeit, Temperatur und Druck. Ein genaues Wissen für die Umgebung hat Vorteile im ASW.

6. Kommunikation (Communications/Navigation Network Nodes, CN3).
UUVs können für die Kommunikation unter Wasser mit Taucher_innen genutzt werden. Dafür werden die UUVs praktisch als Relay genutzt, das die empfangenen Informationen (verstärkt) weiterleitet.

7. Nutzlast-Lieferung (Payload Delivery).
UUVs können je nach Leistung dafür eingesetzt werden Objekte unterwasser zu transportieren. Dieses wird vor allem für Ausrüstung und Waffen genutzt. Ein wichtiger Aspekt ist hier die Auslieferung von langlebigen sogenannten leave-behind Sensorsystemen.

8. Stören und Täuschen (Information Operations: Network Information Operations & Decoy Operations).
Es wird unterschieden zwischen Stören und Täuschen. Network Information Operations beinhaltet das Stören von Signalen (Jamming), Denial-of-Service-Attacken auf Netzwerke, sowie die Injektion von gefälschten Daten in feindliche Kommunikations- und Computersysteme. Decoy Operations beinhaltet die Verhinderung von feindlichen maritimen Missionen durch Vortäuschen von U-Booten, die die Mission angreifen würden, sowie auch von verbündeten U-Booten um so feindliche ASW-Gegenmaßnahmen abzuschwächen.

9. Zeitkritische Aktionsfähigkeit (Time-Critical Strike. TCS)
Zeitkritische Aktionsfähigkeit bezeichnet die schnelle Reaktion auf einen Angriff.
Zur Zeit ist nicht bekannt, ob es UUVs gibt, die Raketen transportieren oder abfeuern können. Diese Szenarien werden aber von Militärs und Waffenindustrie durchgespielt, weil TCS, wie auch schon zu Zeiten des Kalten Krieges, als Abschreckungsmaßnahme angeführt werden.

Rüstungsstandort Bremen

Bremen ist eine Rüstungshochburg auf diesem Gebiet. Vor allem Rheinmetall und Atlas Elektronik verdienen maßgeblich an Unterwassertechnologie. Weitere Akteure sind Siemens und Lürssen. Darüber hinaus gibt es in der Hansestadt weitere kleinere Betriebe, die rüstungsrelevante Produkte herstellen.

Atlas Elektronik ist vor allem bekannt als der weltweit führende Elektronik-Ausstatter von U-Booten [3].
Sie stellen für nicht-nuklearbetriebene U-Boote Sonare sowie Führungs- und Waffeneinsatzsysteme her.
Des Weiteren entwickeln sie Minenabwehrsysteme, d.h. UUVs zur Identifikation und Zerstörung von Minen, und sind auf diesem Gebiet Marktführer. Darüber hinaus entwickeln sie auch Torpedos und Anti-Torpedo-Torpedos (vor allem die Steuerung, Sensorik, Elektronik und Heckpartie, aber auch Kommunikation). Eine weitere wesentliche Sparte sind Überwachungssysteme für Schiffverkehrswege, Seegebiete, Häfen und Küstenabschnitte.

Rheinmetall Defence [4] stellt auch im Marinebereich viel Militärtechnik her. Darunter sind Command-and-Control-Systeme zur Überwachung von Sensoren und Waffensystemen. Des Weiteren arbeiten sie an Decoy Systems gegen Ballistik und an Minenabwehrsystemen (special systems for neutralizing naval mines).

Als drittes ist auch das Deutsche Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz (DFKI) zu nennen. Im Bereich Unterwasserrobotik [5] forscht das DFKI an Systemen zur Bedienerunterstützung bei ferngesteuerten Unterwasserfahrzeugen. Ferner entwerfen sie Methoden zur autonomen Manipulation und Handlungsplanung von Roboterarmen im Unterwasserbereich. Insgesamt ist das Thema der autonomen Unterwasserfahrzeuge hier sehr präsent. Weswegen auch Bildauswertung und Objekterkennung von großer Bedeutung ist. Mit ihren Systemen nehmen sie regelmäßig an den vom US-Militär ausgerichteten DARPA-Wettbewerben teil.

G20 und Waffenexporte

Die G20 sind die sieben wirtschaftsstärksten Industriestaaten (G7) bestehend aus den Vereinigten Staaten von Amerka, dem Vereinigten Königreich, Kanada, Deutschland, Italien, Frankreich und Japan zusammen mit zwölf mächtigen Industrie- und Schwellenländer und der Europäischen Union (EU) repräsentiert durch die Europäische Kommission und Europäische Zentralbank. Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika bilden einen Block (BRICS). Die sieben weiteren mächtigen Industrie- und Schwellenländer Argentinien, Australien, Süd-Korea, Mexiko, Türkei (bis auf Argentinien allesamt OECD-Mitglieder), sowie die OPEC-Länder Saudi Arabien und Indonesien.

2015 haben die G7 allein 35,542 Milliarden US$ also 46% des Globalen BIP erwirtschaftet [6]. Die G20 zusammen aber etwa 90%. Damit das so bleibt, treffen sich die Regierungen dieser Staaten einmal im Jahr auf den so genannten G20-Gipfeln. Die G20 versuchen ihre Politik für die Reichen mit Hilfe von Geld, militärischen Mitteln, Erpressung usw. durchzusetzen. Das hat zur Folge, dass weltweit Menschen unter Armut, Hunger, Krankheit und Krieg leiden müssen.

Krieg dient nicht nur dem Ausbau an Einfluss und Macht sondern ist auch für viele der G20 extrem lukrativ – vor allem für die G7, EU, Russland und China. Mindestens zwei Dritter der weltweit gehandelten Waffen (vor allem hochtechnologische Waffen, aber auch viel Munition) kommt aus den G7-Ländern. Bei den G20 sind vor allem Saudi-Arabien, Mexiko, die Türkei und Brasilien Waffenimporteure. Des Weiteren werden die Waffen entweder gar nicht oder meist nicht gegen die G20 selbst eingesetzt.[7] Anschließend verdienen sie massiv am Wiederaufbau zerstörter Gebiete und nennen es dann humanitäre Hilfe.

Kriegsführung hat sich technologisch als auch strukturell gravierend verändert. Häufig stehen hochgerüstete Armeen deutlich schlechter ausgerüsteten Akteuren gegenüber, die diesen Nachteil durch Guerilla-Strategien ausgleichen. Die mit Hochtechnologie ausgestatteten Armeen reagierten darauf mit verschiedenen neuen Strategien, die sich insgesamt als direkte technostrategische Reaktionen verstehen lassen. Die technische Hochrüstung umfasst alle Bereiche. Sodass immer mehr Robotik und Drohnen zur Anwendung kommen. Es ist nicht verwunderlich, dass die G7 UUVs entwickeln und diese Technologie einsetzen. Russland, Brasilien und China haben aber ebenfalls großes Interesse an dieser Technologie und streben die gleichen technischen Möglichkeiten und Kapazitäten an.

Ein anderer Aspekt ist Überwachungsequipment. Ein Großteil der Unternehmen, die ihr Geld mit dem Hochrüsten von Repressionsorganen verdienen, sind in den G7-Staaten.[8] Ihre Kunden sind weltweit. Gehandelt werden Maßnahmen, die sich gegen die Bevölkerung richten, aber auch welche die der Abschottung durch hochgerüstete Grenzen dienen oder auch gezielte digitale Angriffe auf bestimmte Personen oder Dienste.

Die Rolle der BRD

Die Sicherheitsinteressen der BRD sind vor allem freier und ungehinderter Welthandel, Zugang zu Hoher See und zu natürlichen Ressourcen. Als Teil des NATO-Bündnisses dient die deutsche Armee der Sicherung des westlichen Einflussbereiches, der Resourcensicherung und Aufrechterhaltung von Seewegen sowie dem Schutz kritischer Infrastruktur. Außerdem dient die Bundeswehr der Abschottung der EU-Außengrenzen und damit dem Massenmord an flüchtenden Menschen im Mittelmeer.

Die NATO unterhält zurzeit vier ständige maritime Einsatzverbände. Darunter ist die Standing Naval Force Atlantic zur militärischen Präsenz im Nordatlantik und der Nordsee, als auch die Standing-NATO-Maritime-Group 2 (STANAVFORMED). Letztere operiert vor allem im Mittelmeer und unterstützt dort Frontex durch Seeraumüberwachung in der Ägäis. Die Standing NATO Mine Countermeasures Group 2 operiert ganzjährig überwiegend im Mittelmeer und angrenzenden Seegebieten, um im Fall einer Verminung von Seewegen diese freizuräumen und so vor allem den kontinuierlichen Verkehr von Öltankern sicherzustellen.

Darüber hinaus ist die Bundeswehr in einigen maritimen Operationen der EU und NATO involviert. So betreibt die Deutsche Marine neben der Überwachung des Seeverkehrs im östlichen Mittelmeer durch Fregatten und Schnellboote, auch die Ausbildung der libanesischen Seestreitkräfte im Rahmen der Operation UNIFIL II auf Grundlage der Resolution 1701 des Sicherheitsrates der UNO.

Des Weiteren beteiligt sich die Bundeswehr seit 2008 an der maritimen Mission der Europäischen Union mit dem Namen EU NAVFOR / Operation Atalanta wo sie mit Schiffen und zeitweise Seefernaufklärung am Horn von Afrika aktiv ist.Seit Anfang Mai 2015 beteiligte sich die Deutsche Marine mit Fregatten und Versorgungsschiffen im Mittelmeer an der EU-Mission EUNAVFOR MED „Sophia“ um unter dem Vorwand der Schleuserbekämpfung Menschen an der überfahrt nach Europa zu hindern.

2016 wurde die im Mittelmeer stattfindende NATO-Operation Active Endeavour durch die Operation Sea Guardian ersetzt. Hier werden einige unterschiedliche Aspekte einbezogen: Zum einen dient die Operation der Ressourcensicherung und Präsenz der Einsatzkräfte als präventiver Repressionsfaktor; Zum anderen dient die Operation auch als Unterstützung von anderen Operationen, wie der bereits erwähnten EU-Mission EUNAVFOR MED durch Seeaufklärung und Logistik oder auch Unterstützung an der Ägäis.

Darüber hinaus beteiligt sich die Deutsche Marine seit 2015 in der Operation Inherent Resolve/Counter Daesh mit einer Fregatte als Begleitschutz für den französischen Flugzeugträger „Charles de Gaulle“. So nimmt sie teil am Stellvertreterinnnekrieg um Erdöl und Dominanz im Mittleren Osten, welcher zwischen den USA, Russland, NATO, Türkei, Saudi Arabien und Iran in Syrien geführt wird.

Nationalismus und Abschottung

Begleitet wird diese fortwährende Militarisierung mit einer nationalistischen Radikalisierung der Gesellschaft insgesamt – ein weltweites Phänomen.

Der Nationalismus grenzt aus und trägt die Gewalt gegen jene stets in sich, die nicht als Teil der Nation betrachtet werden. In seiner Form als nationale Identität schafft er eine falsche Einheit, überdeckt soziale Ungleichheiten und legitimiert auf diese Weise Herrschaft. Er vereint die Eigenen durch Bestimmung und Ablehnung der Anderen, wobei nach beliebigen Kriterien klassifiziert wird. Dieser Nationalismus wird mit Hilfe von militärischer Gewalt geschützt, wie es zum Beispiel bei der Abschottung Europas von Geflüchteten alltäglich ist. Hier wird der Nationalismus weiter gefasst um eine vermeintliche Wertegemeinschaft in Europa vorzuspielen, die es zu schützen gilt.

Nach dem Zusammenbruch der autoritären Regierungen in drei der fünf nordafrikanischen Staaten, gelingt es zur Zeit vielen Menschen aus Afrika über das Mittelmeer nach Europa zu fliehen. Doch mit großer Unterstützung der Bundesregierung versucht die EU alles zu tun um die Menschen an einer Flucht nach Europa zu hindern. Dabei wird auch nicht vor einer Kooperation mit verbrecherischen Regierungen, wie denen des Sudans, Äthiopiens, Somalias oder Eritreas zurückgeschreckt.

Regierungen im Niger, Mali, Tschad, oder Sudan erhalten polizeiliche oder militärische Unterstützung um Menschen auf der Flucht an der Durchquerung der Sahara zu hindern. Dies legitimiert die Bundesregierung damit, dass die Menschen vor dem gefährlichen Versuch das Mittelmeer zu überqueren beschützt werden müssten. Dieser Hohn gegenüber den Menschen in Not zieht sich durch die gesamte Politik gegen fliehende Menschen.

Diese Politik wurde in Valetta (Malta) bei einem Gipfel der EU mit den afrikanischen Staaten vereinbart und wird daher Valetta-Prozess genannt. Gegen Geldleistungen sollen die afrikanischen Staaten die Menschen von ihrem Weg nach Norden abhalten. Dazu installiert die EU entweder selbst militärische Präsenzen in den Staaten, finanziert polizeilich-militärische Schulungen, oder teure vernetzte informationstechnische Grenzsicherungen, die diese Staaten wiederum in der EU kaufen dürfen. Wie so oft, wir dieses als „Entwicklunghilfe” für die Staaten deklariert.

Öffentlich wird diese Politik, die jedwede Form von Menschenrechten mit Füßen tritt, die eine weitere Militarisierung der EU-Außenpolitik darstellt, kaum diskutiert. Unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung verfolgt die EU und die Bundesregierung eine entmenschlichende Politik.

Wir wollen dieser Politik, die kaum öffentlich diskutiert wird, entschlossen entgegen treten!
War starts here – let’s stop it here. Nationalismus ist keine Alternative! Fight Racism!

Referenzen:
[1] https://www.udt-global.com/
[2] Robert W. Button, John Kamp, Thomas B. Curtin, James Dryden. A Survey of Missions for Unmanned Undersea Vehicles. Hrsg,: National Defense Research Institute, Report Jun 1, 2009. https://www.rand.org/content/dam/rand/pubs/monographs/2009/RAND_MG808.pdf
[3] https://www.atlas-elektronik.com/atlas-elektronik
[4] https://www.rheinmetall-defence.com/en/rheinmetall_defence/systems_and_p…
[5] http://robotik.dfki-bremen.de/de/forschung/anwendungsfelder.html#c267
[6] http://databank.worldbank.org/data/download/GDP.pdf
[7] http://openemm.sipri.org/r.html?uid=1.f1.rm2.a1f.1j7ck2fone
[8] http://buggedplanet.info


2 Antworten auf „Unterwasserkriegsführung, Militarisierung und Nationalismus“


  1. 1 161 29. Mai 2017 um 0:13 Uhr

    „Kriege sind menschenverachtend und Ausdruck imperialer und kapitalistischer Verhältnisse.“
    Ja, darauf können Kriege vielleicht reduziert werden, den Krieg der Daesh aber damit abzutun, ist doch vielleicht ein wenig zu einfach. Auch der Krieg Assads gegen die Menschen in Syrien lässt sicher irgendwie darunter fassen, aber auch nur, wenn die Mehrzahl der Aspekte außer Acht gelassen werden.
    Der Text beginnt damit, dass festgestellt wird, dass die Welt derzeit superkomplex ist und damit auch das kriegerische Geschehen auf der Welt, nur um danach dann in eine absolut einseitige Sichtweise zu verfallen.
    Die Sichtweise, die Konflikte erstmal nur auf Konflikte reduziert, in der sehr moderne, meist westliche, Armeen involviert sind. Dabei werden die vielen lokalen Konflikte völlig unterschlagen.
    Auch fehlt bei der Analyse völlig, dass moderne Kriegstechnologie auch Leben retten kann, siehe Iron Dome.
    Wie bereits oben angedeutet ist der Text auch offensichtlich von Menschen geschrieben worden, die einer kriegerischen Auseinandersetzung nie nahe waren. Ohne militärische Überlegenheit gäbe es beispielsweise den Staat Israel längst nicht mehr und eine zweite Shoa wäre vermutlich zu beklagen.
    Diese Überlegenheit wird eben auch durch U-Boote deutscher Fabrikation erreicht.
    Auch wird der Fakt unterschlagen, dass die Kämpfer_innen der YPG/YPJ massiv von den Luftschlägen der hochgerüsteten westlichen Militärs im Kampf gegen die Daesh profitieren. Auch die Milan, die den Peshmerga zur Verfügung gestellt wurden, sollen ja durchaus positive Auswirkungen gehabt haben, auch wer kein Fan der Peshmerga ist, besser als die Daesh sind sie allemal.
    Das alles macht die Kritik an Kriegen und kriegersichen Auseinandersetzungen nicht falsch und auch die Forderung nach Frieden sicherlich nicht falsch.
    Auch die Analyse, dass die Außenpolitik der EU sich fortwährend militarisiert und sie damit dem eigenen, zivilisatorischem Anspruch nicht gerecht wird, ist sicherlich richtig.

    Fraglich ist nur eben, was die Folge daraus ist. Die zeit lässt sich nicht mehr zurück drehen. Unzählige Waffen sind in den Händen von Daesh, Hamas, Boko Haram und anderen widerlichen faschistischen Vereinen, die auch offensichtlich nicht davor zurückschrecken, sie einzusetzen, um ihre Barbarei umzusetzen.

    Damit bleibt die Forderung nach „stop war“ in Deutschland zwar schon eine schöne Träumerei, aber der Krieg der Daesh gegen Frauen, Jüd_innen, Kurd_innen, Nichtheterosexuelle, Jesid_innen, Atheist_innen, Sekulare und die vielen Anderen wird nicht durch eine westliche Abrüstung beendet.
    Ich wünschte mir, dass die Friedensbewegung von ihren Parolen aus den 60ern Abstand nimmt und sich über neue Perspektiven, Ziele und Analysen Gedanken macht.

  2. 2 autonom gedacht 29. Mai 2017 um 14:07 Uhr

    @ 161
    „Ohne militärische Überlegenheit gäbe es beispielsweise den Staat Israel längst nicht mehr und eine zweite Shoa wäre vermutlich zu beklagen. Diese Überlegenheit wird eben auch durch U-Boote deutscher Fabrikation erreicht.“
    Das ist einerseits an Zynismus kaum zu toppen. Und andererseits: was soll das denn heißen: deutsche Waffen (und alle anderen) in aller Welt sind dann toll, wenn sie nur in den „richtigen Händen“ sind und von den „richtig guten Armeen“ genutzt werden??? Sorry, aber das ist mehr als nur ein wenig zynisch – das ist ebenso bescheuert wie reaktionär!

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