Ohne AStA lebt‘s sich besser. SR-Wahl ohne LiSA!

Einladung zu einer neuen Perspektive für linke Politik an der Uni

Montag, 19. Juni 2017 | ab 17 Uhr | GW3

Mancherorts mag es schon Gesprächsstoff geworden sein: LiSA tritt nicht zur diesjährigen SR-Wahl an. Das erste Mal seit 14 Jahren. Wir verzichten damit von vorn herein auf eine Beteiligung am nächsten AStA. Das heißt jedoch nicht, dass mit uns nicht zu rechnen ist!

Unserer Entscheidung sind lange Diskussionen vorausgegangen. Denn schon immer hatten wir etwas gegen dieses studentische Einüben herrschender realdemokratischer Machtpraktiken, gegen das Spielen von Miniparlament und Miniregierung. Wie jedes Jahr haben wir deshalb überlegt, ob emanzipatorische (Hochschul-)Politik dennoch von einer Institution wie dem AStA profitieren kann. Warum wir dies zum ersten Mal mit „nein“ beantwortet haben, wollen wir euch hier darstellen. Damit wollen wir euch auch Lust machen und euch einladen, mit uns eigene, selbstbestimmtere Politikformen auszuprobieren.

Entstanden ist LiSA an der Uni Bremen im WS 2003/04 aus dem bundesweiten Streik gegen Studiengebühren. Weil die Jusos (AfA) den Streik damals boykottierten und lieber zu den Gebührenplänen ihrer Partei standen, haben wir sie bei den darauffolgenden Wahlen aus dem AStA gefegt. Bis zum Jahr 2010 waren wir an einem breiten parteilosen Bündnis-AStA aus fast allen damals existierenden linken Hochschulgruppen beteiligt. Seit 2014 der studentische Parteiennachwuchs bei der AStA-Wahl erneut ins Hintertreffen geriet, haben wir unseren Versuch erneuert, eine basisdemokratische und emanzipatorische (Hochschul-)Politik in die Strukturen der Verfassten Studierendenschaft hineinzutragen. Der „AStA der Projekte“ war und ist unsere Idee dafür. Das bedeutet, wir verstehen den AStA nicht als Vertretungsorgan, nicht als Spielfeld realpolitischer Machtfantasien und nicht als Ausgangspunkt parteipolitischer Karrieren.

Anstatt eure Ideen für euch umzusetzen, tun wir dies viel lieber gemeinsam mit euch. Wir wollenProtest und Widerstand gegen denvorherrschenden Bildungs- und Wissenschaftsbetrieb stärkenund gegen die gesellschaftlichen Verhältnisse, von denen die Universitätuntrennbar Teil sind. Wir wollen mit euch Ideen sammeln und ausprobieren, wie dem alltäglichen akademischenAusnahmezustand ein selbstbestimmtes Leben und Lernen entgegengesetzt werden kann.Dafür gestalteten wirden AStA alsoffene Anlaufstelle fürAustausch und gegenseitigeUnterstützung, für Wissen und Information und für Infrastruktur.

Dieser Ansatz hat auch in den letzten Jahren immer wieder hochschulpolitische Erfolge möglich werden lassen. Mit unzähligen Studis stellten wir uns zum Beispiel lautstark gegen finanzielle Kürzungen im Uni-Haushalt und verhinderten so die Abschaffung des Studienganges Psychologie. Wir machten gegen Anwesenheitspflicht mobil und gegen das autoritäre Vorgehen des Zentralen Prüfungsamtes. Das musste deshalb sehr schnell wieder davon abrücken, Studis einfach „Fünfen“ einzutragen, nur weil Prüfungsergebnisse noch ausstanden. Mit Initiativen wie „Grenzen töten“ kämpften wirfür das Recht auf Bewegungsfreiheit aller und solidarisierten uns auch praktischmit denGeflüchteten, die über Monate in Groß-Zelten auf dem Campus leben mussten. Für eine eigene, unkontrollierte universitäre Öffentlichkeit supporten wir die studentisch selbstorganisierte TantePaul, die einzige politische Bremer
Uni-Zeitung.

In den letzten Monaten wurde es um uns ruhiger. Das lag jedoch nicht daran, dass wir keine Lust mehr hatten, an der Uni linke (Hochschul)Politik zu machen. Im Gegenteil, an Ideen und Gedanken, die Universität gehörig umzukrempeln, mangelt es uns nicht! Das, was uns die Kraft raubte, waren Streitigkeiten innerhalb der AStA-Koalition. Ganz grundsätzlich und kontrovers ging es dabei um die Ausgestaltung der gemeinsam getragenen Institution – gerade auchum das, was uns am „AStA der Projekte“ wichtig ist. Zunehmendsind dabeidie Ideen von transparenten basisdemokratischen Entscheidungsstrukturen und einem solidarischen Umgang miteinander zusammengebrochen.

Ein Grundproblem, das an diesem Zustand nicht unschuldig ist, ist aus unserer Sicht, dass es kaum noch kontinuierliche studentische Zusammenhänge gibt, die Lust auf emanzipatorische Politik an der Uni haben. Gefühlt ist es um uns sehr einsam geworden. Seit der flächendeckenden Einführung von BA/MA verschwandensukzessive immer mehr linke Unigruppen. Die Form des hochschulpolitischen Engagements hat sich verändert. Sie findet heute sehr individualisiert und von einem kurzfristigen Projekt zum nächsten statt. Im AStA agieren deshalb viele Menschen nur als Einzelpersonen. Andere sehen ihn gar nur als einfachen Ort ihrer Lohnarbeit.Hinter den Listenzusammenhängen verbergen sich kaum noch kollektive politische Akteur*innen.Politische Haltung wird sozu
persönlicher Befindlichkeit.

Aber allein machen sie dich nun mal ein. Dasssich politische Ansprüche zwar schnell formulieren, jedochnicht genauso einfach umsetzen lassen, ist imnun scheidenden AStAüberdeutlich geworden. Allein bleibt mensch politisch häufig hilflos, überfordert, verwickelt sich emotional und neigt dazu, erlösenden Halt in vorgegebenenautoritäre Strukturen –wie sie eben auch der AStA formal vorsieht – zu suchen.Der Anspruch nach Selbstermächtigung, daran, sich gegenseitig und solidarisch Dinge zu ermöglichen, verkehrte sich in einem Maß in Missgunst, wie wir es bisher noch nicht erlebt haben. Auf die gleiche Weise ausgetrageneKonflikte mit deneigenen AStA-Mitarbeiter*innensetzten die Handlungsfähigkeit und die Zukunft des KFZ- und Musikanlagenverleih wieder AStA-Druckerei fahrlässig auf‘s Spiel.

In der letzten Zeit haben wir uns sehr (selbst-)kritisch mit dieser Situation im AStA auseinandergesetzt und beschlossen, unsere Energie vorerst nicht weiter inden Mühlen dieserInstitution aufzureiben. Wir
wollen uns lieber auf eine aufmüpfige und selbstbestimmte (Hochschul)Politik konzentrieren, die uns aktuellim AStA nicht möglich scheint. Wir haben keinen Bock auf einen Politikstil, der wesentlich auf einer neoliberalen Vereinzelung fußt und mit dem doch auch wieder nix anderes bleibt, als sich gegen andere durchzubeißen.

Dennoch bereuen wir unsere Arbeit in den vergangenen drei Jahren im AStA nicht. Und es gibt dort auch Menschen mit denen wir nach wie vor gerne und weiter politisch zusammenarbeiten. *W**ir meinen, **wir haben **in der Vergangenheit auch über den AStA politisch **viel bewegt**! Doch**wir glauben, **es **ist nötig**, **erstmal anders weiterzumachen, **um (hochschul)politisch****unbequem**, wild und kämpferisch, lust- und
phantasievoll zu bleiben.

Einladung **zu Film/ Stand & Perspektiven/ Mit-Mach-Grillen am
Mo., den 19. Juni, **ab **17:**00 **Uhr am GW3 17:00 Uhr, Film „Uni DEFEKT- bitte andere benutzen“: Doku über den letzten großen studentischen Streik an der Bremer Uni 2003/04.

18:00 Uhr, LiSA: Aktueller Stand, Gedanken zu Perspektiven und Möglichkeiten zum Aktiv-Werden & Mitmachen…

19:00 Uhr Mitmach-Grillen: Gemütliches Ausklingen des Abends mit
Bier, Tofu-Würstchen und dem, was du noch mitbringst


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