Aktionsbild für die internationale antikapitalistische Demonstration am 6.7. in Hamburg

Das Ziel der Demo

Wir möchten mit einer großen internationalen antikapitalistischen Demonstration den vielen Menschen, die zu den Protesten gegen den G20-Gipfel nach Hamburg kommen werden, am Vorabend der direkten Aktionen gegen die Infrastruktur des Gipfels und des Kapitals, eine Plattform für unsere vielfältige und grundlegende Kritik an den herrschenden Verhältnissen bieten. Wenn die mächtigsten Regierungschef*innen und größten Kriegstreiber*innen dieser Erde nach Hamburg St. Pauli kommen – werden wir bereits da sein: In unseren Camps und Zentren, auf der Straße und in den Häusern, im Viertel und der ganzen Stadt. Die linksradikale Vorabenddemo am Donnerstag soll ein erster starker Ausdruck unserer unversöhnlichen Kritik sein.

Nachdem wir in den Tagen vorher unsere Camps in der Stadt errichtet und bezogen haben, der Gipfel der Solidarität und die ersten Versammlungen und Aktionen stattfinden konnten, sehen wir die internationale antikapitalistische Demonstration als Auftakt zur „heißen Phase“ der direkten Aktionen und Blockaden gegen den G20-Gipfel. Wir möchten die Vorabenddemo nutzen, um auch unsere internationalen Genoss*innen und die, die erst noch nach Hamburg anreisen werden einzuladen, frühzeitig in die Stadt zu kommen und zum ersten Mal sichtbar zu machen, wie viele Menschen über den Gipfel in Hamburg auf den Straßen sein werden und welch enorme Stärke wir gemeinsam entwickeln können. Uns geht es auch darum, bereits frühzeitig gemeinsam zu erproben, uns unsere Bewegungs- und Handlungsräume wieder anzueignen und offensiv, renitent und widerständig mit der Repression umzugehen, die uns während der Gipfeltage, sei es in der Form von Vorkontrollen, einer massiven Bullenpräsenz oder willkürlichen Demoauflagen, begegnen wird.

Vorkontrollen? Nicht mit uns!

Wir gehen fest davon aus, dass die Bullen, wie angekündigt, während der Gipfeltage und so auch vor unserer Demo sogenannte Vorkontrollen durchführen werden. Das heißt, dass sie dort versuchen werden eure Taschen und auch euch nach „gefährlichen Gegenständen“ sowie „Schutzbekleidung“ zu durchsuchen. Dazu zählen z.B. Protektoren, Helme, aber auch Schlauchtücher usw. Diese Praxis ist in Hamburg bis jetzt nicht gängig und soll Einschüchterungsversuch und Autoritätsdemonstration sein. In anderen Städten ist diese Praxis bereits repressive Normalität. Wir wollen solche Kontrollen nicht hinnehmen und werden uns widersetzen! Seid also nicht nur während den Demos und Aktionen nicht allein unterwegs, sondern kommt auch in Gruppen dorthin. Umgeht die Maßnahmen! Je größer die Gruppen sind, desto schwieriger wird die Durchführung! Wir vermuten, dass die Kontrollen weiträumig in dem Gebiet rund um unseren Kundgebungsplatz stattfinden werden. Rechnet mit solchen Versuchen also z.B. auch schon, wenn ihr etwa mit der U-Bahn auf der Reeperbahn ankommt etc. Seid solidarisch und lasst euch nicht einschüchtern!Unterstützt Menschen, die kontrolliert werden sollen und nervt an den Kontrollstellen rum!

Fulminante Auftaktkundgebung

Zur großen Auftaktkundgebung am Fischmarkt St. Pauli ab 16 Uhr haben wir zahlreiche Genoss*innen und Aktivist*innen aus der ganzen Welt eingeladen, uns von ihren lokalen Kämpfen zu berichten. Auf einer großen Bühne werden verschiedene Livebands auftreten. Die Auftaktkundgebung ist fester und wichtiger Bestandteil unserer Demo. Hier werden wir unsere Inhalte laut und selbstbewusst vermitteln und hoffen, auch so manch Eine*n, der*die vielleicht noch unsicher war an der Demo teilzunehmen, überzeugen zu können, zum Fischmarkt zu kommen.

Die Goldenen Zitronen, Neonschwarz, Johnny Mauser & Captain Gips werden ab 16 Uhr live auf der Bühne spielen und begleiten das vorbereitete Programm mit weiteren Überraschungen. Am Rande der Kundgebung wird es zudem Soli-Getränke und Essen geben. Die Konzerte und Beiträge beginnen pünktlich um 16 Uhr!!!

Aktivist*innen aus verschiedenen Ländern berichten auf der Kundgebung und Demonstration von ihren Kämpfen und ihrer Selbstorganisierung, von staatlicher Repression, von Sexismus und Homophobie, Rassismus, Antisemitismus und Alten wie Neuen Rechten. Uns eint der Kampf gegen kapitalistische Zustände, die wir nicht mehr ertragen wollen.

Ab 18:30 Uhr zieht das Programm dann auf den Lautsprecherwagen um und es beginnt die Aufstellung der Demonstration in der Hafenstraße auf Höhe Park Fiction/Hafenstraßen Häuser.

Die Demo

Ab 19 Uhr wird sich dann die Demonstration in die Hafenstraße in Bewegung setzen. Wir streben eine große, laute, vielfältige und solidarisch handelnde Demonstration an, die ihre geplante Route durch St. Pauli läuft. Für einen bunten Ausdruck wird ein großer organisierter schwarzer Block sorgen, welcher am Anfang der Demo gehen wird. Wir werden unseren Widerstand in der Stadt sichtbar machen. Auf der Demonstration wird es verschiedene Blöcke (u.a. einen FLTI*-Block) und mehrere Lautsprecherwagen geben. Wir rufen dazu auf, für die Demo und die kommenden Tage Bezugsgruppen zu bilden und sich möglichst gut mit weiteren Gruppen und Blöcken zu vernetzen und zu organisieren. Insbesondere für den vorderen Teil der Demonstration rufen wir eindringlich dazu auf, in Ketten zu gehen. Unser Ziel ist, dass wir unsere Demonstration wie geplant durchführen. Wir möchten mit der Demo laufen, wir möchten entschlossen laut und wütend sein. Wir wünschen uns die Demo als einen kämpferischen gemeinsamen Auftakt in die Tage des Widerstandes. Wir werden uns von den Bullen nicht schikanieren lassen und möchten einen kollektiven Umgang mit den Schikanen, die sie für uns bereit halten, finden. In diesem Sinne wünschen wir uns aber auch ein verantwortungsvolles Handeln jedes*r Einzelnen, welches unser formuliertes Ziel für die Demo respektiert.

An dieser Stelle möchten wir auch noch einmal eindringlich darauf hinweisen, dass wir uns Genoss*innen mit einem klaren Kopf an unserer Seite wünschen und für den Konsum von Alkohol und Drogen auf unserer Kundgebung und Demonstration kein Verständnis haben!

Sollten die Bullen die Demonstration oder Einzelne angreifen, werden wir uns solidarisch und verantwortungsvoll verteidigen und versuchen, die Demonstration so lange es sinnvoll ist, fortzuführen.

Im Falle einer frühzeitigen Auflösung der Demonstration oder dem Szenario, dass die Polizei uns nicht aus der Hafenstraße loslaufen lässt, rufen wir dazu auf, massenhaft in die Straßen und auf die Plätze im Viertel zu strömen!

Plan B – Reclaim St. Pauli

Es wäre nicht das erste Mal, dass die Polizei St. Pauli und das Schanzenviertel zur besetzen Zone erklärt und angemeldete Demos verhindert. Wir erinnern uns aber auch lebhaft an die kraftvollen Demos für die Gruppe Lampedusa oder die wirksamen und unkontrollierbaren Proteste gegen das Gefahrengebiet. Ob wilde Demos, Kundgebungen oder Reclaim-the-streets-Party – die „blaue Zone“ übernehmen wir!

Die Demo soll ein gemeinsamer Auftakt für uns alle sein, der uns ermöglicht gestärkt in die kommenden Tage zu starten. Dieses Moment der kollektiven Selbstermächtigung – innerhalb des Ausnahmeszenarios, welches die Stadt und die Bullen seit Wochen zu schaffen versuchen – möchten wir auch im Falle eines Plan B anstreben. Deshalb rufen wir dazu auf, auch in einem Fall der vorzeitigen Beendigung unserer Demo zusammen zu halten, spontan und unberechenbar zu sein und sich in großen Gruppen zu bewegen, laut und sichtbar. Denn wir nehmen uns die Straße wann, wie und wo wir wollen!

Für alle, die in einem solchen Szenario einen Rückzugsort brauchen, um runter zu kommen, sich zu besprechen und zu orientieren, weisen wir darauf hin, dass es während der gesamten Gipfelzeit in der ganzen Stadt verschiedene Info- und Anlaufpunkte geben wird. Aber bitte respektiert, dass dies keine Orte sein sollen, von denen aus Aktionen gestartet werden, da dies sichere Rückzugsorte für Menschen, die sie brauchen, sein sollen.

Streift in großen Gruppen oder als Demo durch das Viertel und ladet alle ein, mitzukommen. Am Vorabend der Blockaden erkunden wir mit unseren Freund*innen aus aller Welt St. Pauli und zeigen, dass wir da sind! Wir nehmen uns die Stadt zurück, indem wir gemeinsam auf der Straße sind, unversöhnlich mit den bestehenden Verhältnissen und voller Sehnsucht nach einer solidarischen Gesellschaft. Wir lassen uns nicht aufhalten, weder von den scheiß Bullen, noch von einer grundrechtsfreien „blauen zone“!