Thesen zur Diskussion um den Revolutionären Aufbau Bremen (RAB):

Vorweg: Die Gruppen „Revolutionäre Aufbau Bremen“ (RAB) hat viel Staub aufgewirbelt. Einschlägige Netz-Foren und Szenepublikationen quellen voll vor empörten Reaktionen, Provokationen und Gegenprovokationen. Wir finden es wichtig über die Inhalte dieser Organisation zu diskutieren und wollen in diesem kurzen Text solche Sachen wie Habitus, Auftreten, ironische oder ernste Verwendung von realsozialistischer symbolik bei Seite lassen. Wir finden es auch nicht richtig, die RAB damit zu kritisieren, dass sie welche auch immer Regeln der innerlinken Etikette verletzt haben, wir wollen mit unserem kleinen Beitrag eine Debatte über Inhalte der RAB in Gang bringen. Damit sei nicht gesagt, dass Verhalten von Gruppe oder einzelnen Mitgliedern kein Gegenstand der Kritik sein kann. Aber wir wurden gerne die Verwendung von solchen unschmeichelhaften Kategorien wie „sexistisch“, „stalinistisch“ ect. Doch gerne an (ernstgemeinten) Aussagen der Gruppe festmachen. Wir haben uns nur ein paar Punkte ausgesucht, es gibt noch viel mehr was man zu Theorie und Praxis der RAB sagen könnte und vielleicht werden wir noch dazu kommen es aufzuschreiben. Bis dahin aber Folgendes:

A1 – Imperialismus – die Bösen
die Kritik am Imperialismus darf sich nicht vom Kräfteverhältnis blenden lassen. Ihre Stärke ist zu kritisieren für ihren Ursprung, die erfolgreiche Akkumulation von Kapital. Ihre Kriege sind zu kritisieren für den Zweck Befreiung, und nicht für das Unterdrücken der vormaligen Unterdrücker. Der imperialistische Erfolg ist keine Erklärung, sondern das, was erklärt werden muss. Der Zweck der Gewinner im imperialistischen Zirkus besteht nicht in der Unterdrückung der „Völker“, sondern in der Gewährleistung des Zugriffs auf den Reichtum der Welt, was RAB auch weiß.[ http://aufbaubremen.blogsport.de/2016/01/13/kampf-dem-imperialistischen-frieden-kampf-dem-imperialistischen-krieg/ Absatz: Was ist Imperialismus? ]

A2 – Imperialismus – die Guten
Imperialismus ist nicht alleine Krieg. Krieg ist ein Mittel des Imperialismus, aber nicht das einzige. Die kriegerischen Konflikte werden nicht einfach vom Westen „gesät“ (was oft wirklich passiert), sondern auch von ihm vorgefunden und entsprechend der imperialistischen Interessen bewertet und genutzt. Wobei die Folgen der Interventionen auch für den Westen unvorhersehbar sein können.
Dass es in vielen Länder der s.g. „Dritten Welt“ Kriege, Hunger ect. gibt, ist ein Ergebnis der kapitalistischen Weltwirtschaft, und nicht (immer) direkte Folge der Außenpolitik der USA. Damit zum Beispiel so eine Krise in der Ukraine entstehen kann, muss es mindestens zwei kollidierende, souveräne Interessen geben. Kapitalistische Staaten konkurrieren unter sich und sind nicht einfach nur ein von der USA angeführter Militärblock. Als Konkurrenten nehmen sie oft unterschiedliche Haltungen zu den laufenden Konflikten ein.
Die vom Westen angefeindeten Staaten kommen beim RAB nur als Opfer vor, und nicht als Souveräne mit eigenen Interessen, die übrigens ihren Bürgern jede Menge Schäden bereit halten. Krieg in Syrien ist nicht bloß ein Ergebnis von US-Außenpolitik und Tätigkeit der Salafisten, der syrische Staat lieferte seiner Bevölkerung genügend Gründe um gegen ihn zu rebellieren.
Es ist auch keine hinreichende Erklärung der Politik der vom Imperialismus angegriffenen oder hofierten Regime, dass sie dem Westen nützen. Gewalt ist ein Mittel der Politik dieser Staaten und als solches wird es je nach Lage vom Westen unterstützt, geduldet, billigend im Kauf genommen oder kritisiert.

RAB schreibt öfters von Völkern als Opfern des Imperialismus -  Verlierer der imperialistischen Konkurrenz sind Staaten, Leid tragen etliche Bevölkerungsgruppen. Was bedeuten in diesem Kontext „Völker“?

Zur Nahostkonflikt konkret: Dieser Kommentar wirft Fragen auf: „Wenn du dich am Terror den die Hamas gegen die Bevölkerung in den Autonomiegebieten verübt störst, dann kümmer dich doch mal um die Ursachen. Die Hamas ist eine (verkehrte) Antwort auf Israels imperialistischen Bezug auf 4 einhalb Millionen Palästinenser in den Autonomiegebieten, die Israel seit der Staatsgründung vertreibt und ohne volle Staatsbürgerrechte im Gaza Streifen ihrem Elend überlässt, weil sich das israelische Kapital entweder garnicht auf sie bezieht und wenn, dann nur als ersetzbares Nutzvieh unter Zeitarbeitslöhnen. Solange Israels nationalistischer Staatsgründungsprozess dort stattfindet, wo Menschen sich eine Heimat errichtet haben, die sie zurecht nicht aufgeben wollen. Solange es einen israelischen Staat gibt für den Araber Menschen zweiter Klasse sind. Und solange es keine kommunistische Partei mit Macht in Gaza gibt, weil ihre Vorgänger von den Besatzern ermordet wurden, solange werden verblendete Kids der Hamas in die Arme laufen. Sad but true.“

welche kommunistische Macht wurde von den „Besatzern“ ermordet? KP Palästinas kann es nicht sein, weder war sie je mächtig, noch ist sie primär an den „Besatzern“, die sie mitgegründet haben, gescheitert. PLO? PFLP?

Wenn man keine Nationalstaaten gründen sollte, wo Menschen anderer „Nationalität“ zuvor „Heimat“ aufgebaut haben – gilt es auch für Israelis, die nach dem willen des palästinensischen Nationalismus dort weg müssen? Wie lange gilt der Boden als heimat des jeweiligen Blutes?

Wenn Hamas nur eine Ersatz für die KP sei — ist es nicht merkwürdig, wie leicht ersetzbar und austauschbar linke und rechte Programme sein sollen? Wie soll die Abwesenheit einer Sache die Ursache für die Anwesenheit einer anderen sein?

Gruppe „Roter Faden“


1 Antwort auf „Thesen zur Diskussion um den Revolutionären Aufbau Bremen (RAB):“


  1. 1 hubat zubito 31. Juli 2017 um 0:32 Uhr

    Wo bleibt der rote Faden?

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