Demonstration für die Selbstverwaltung & Selbstverteidigung in Shengal!

Samstag, 5. August 2017 | 15 Uhr | Ziegenmarkt

Seit dem Angriff des Islamischen Staats (IS) gegen die kurdische Religionsgemeinschaft der Eziden in Shengal/Sindschar im Nordirak am 3. August 2014 sind drei Jahre vergangen.

Aus dem traurigen Anlaß dieses Jahrestages werden wir heute demonstrieren, um an dieses immer noch andauernde Massaker zu erinnern. Aber wir werden auch gegen die unerträglichen Heucheleien der westlichen, und da besonders der deutschen, Politik demonstrieren.

Innerhalb weniger Wochen wurden im August 2014 in der Region um Shengal tausende EzidInnen auf grausame Weise hingerichtet, einzeln oder auch als öffentlicher Massenmord. Über 5000 Menschen mehrheitlich Frauen und Mädchen wurden vom IS verschleppt, vergewaltigt, als Sklavinnen benutzt oder wie Ware auf „Sklavinnenmärkten“ verkauft. Um diesem Schicksal zu entgehen und nicht in die Hände der IS zu geraten, wählten hunderte Frauen den Selbstmord. Mehr als 50.000 EzidInnen flohen aufgrund der Angriffe in die angrenzenden Berge in denen viele von ihnen aufgrund von Erschöpfung, Wasser und Nahrungsmangel starben, insbesondere Kinder und Alte. Insgesamt wurden Hunderttausende Menschen zur Flucht gezwungen. Viele EzidInnen leben bis heute z.T. in Flüchtlingslagern in der Region, oder haben ohne Hoffnung auf ein Überleben im Mittleren Osten ihre Heimat verlassen und Asyl in Europa gesucht.

Es waren die kurdischen militärischen Kräfte der YPG/YPJ aus der Nordsyrischen Förderation einerseits, andererseits aber auch Guerillaeinheiten der PKK, die damals als Einzigste willens und in der Lage waren, Tausende Menschen vor dem IS zu retten und den Terroristen eine Grenze aufzuzeigen. Beide – damals auch von Mitgliedern der Bundesregierung gelobten – Organisationen werden heute in der BRD als „terroristisch“ verdächtigt bzw. betrachtet, womit sich der deutsche Staat einmal mehr in einer Front mit dem türkischen Regime unter Erdogan wiederfindet.

Der Angriff des IS auf Shengal, dem tausendjährigen Siedlungsgebiet der EzidInnen, war nicht nur eine humanitäre Katastrophe. Es war ein Angriff gegen die EzidInnen als Religionsgemeinschaft mit dem Ziel, diese auszulöschen. Als Mittel dazu richtete sich der Angriff systematisch und auf eine besonders brutale Art und Weise gegen Frauen. Dieser genozidale Angriff, wird von den EzidInnen als 74. Völkermord bezeichnet. Er ist in seiner Form zugleich auch einen Feminizid.

Für die EzidInnen in Shengal besteht die Gefahr des Völkermords weiterhin fort. Neben dem physischen Völkermord nimmt die Gefahr des kulturellen Genozids immer stärker zu. Darüber hinaus mussten EzidInnen zusammen mit dem 74. Genozid bitter erkennen, dass sie ihre Existenz und Freiheit nur durch Selbstwillen, Selbstverwaltung und Selbstverteidigung schützen können. In diesem Zusammenhang sind in den vergangenen drei Jahren innerhalb der Ezidischen Bevölkerung in Shengal für die Stärkung und Organisierung des kollektiven Willen sowie die Beschützung der Ezidischen Existenz wichtige Schritte unternommen worden. Frauen, denen vom IS allein eine Existenz als Sklavinnen anerkannt wurde, sind heute in diesem Prozess aktiv und führen diesen an.

Wir unterstützen diese Selbstorganisation der ezidischen Gemeinschaft ausdrücklich. Ebenso unterstreichen wir ihr Recht auf Selbstverteidigung. Und wir erinnern daran, dass ohne die kurdischen Kräfte aus Nordsyrien und ohne die Einheiten der PKK diese Entwicklung nicht möglich gewesen wäre, und die ezidischen Menschen bis heute immer noch zu ihrem eigenen Verderben in einer Position von wehrlosen Opfern verharren müssten. Angewiesen auf die „Gnade“ der regionalen und internationalen Regierungen. Und wir verlangen von der Bundesregierung nichts weiter, als dass sie eine Politik beendet, die nicht nur in Sengal, sondern auch in anderen kurdischen Gebieten in der direkten oder auch indirekten Unterstützung der mörderischen antikurdischen und islamistischen Agenda hauptsächlich der Türkei besteht!

Darum: Für die Anerkennung der ezidischen und kurdischen Selbstverwaltung in der Region! Tourismusboykott und Stopp besonders der militärischen und polizeilichen Zusammenarbeit mit der Türkei! Anerkennung der kurdischen Freiheitsbewegung und ihrer Vertretungen in Form der PKK und ihrer Schwesterparteien als legitime Befreiungsbewegung!

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