„Bremen bleibt Hochburg der Leiharbeit“

kopiert aus dem Weser Kurier

In keinem anderen Bundesland gibt es einen so hohen Anteil an Leiharbeitern wie in Bremen. Während die Quote bundesweit bei 2,7 Prozent aller Arbeitnehmer liegt, ist sie in Bremen weitaus höher.

In Bremen hat der Anteil an Leiharbeit weiterhin zugenommen. Während er Ende 2015 bei 4,5 Prozent lag, stieg er im Folgejahr nochmals um 0,2 Punkte auf 4,7 Prozent. Das entspricht fast 18.000 Arbeitnehmern. Damit sind Bremen und Bremerhaven weiterhin Spitzenreiter verglichen mit den anderen Bundesländern.

Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor. Ihr zugrunde liegen die Statistiken der Bundesagentur für Arbeit. Der Bundesdurchschnitt beim Anteil an Leiharbeit liegt bei 2,7 Prozent. Nach Angaben der Arbeitsagentur für Bremen und Bremerhaven werde neben Kräften für einfache Tätigkeiten auch hochqualifiziertes Personal in Berufen gesucht, bei denen es jetzt bereits zu Engpässen kommt.

Die große Koalition hatte in dieser Wahlperiode die Regeln für Leiharbeit und Werkverträge verschärft. Nach dem seit April geltenden Gesetz wird der Einsatz von Leiharbeitern auf 18 Monate beschränkt. Danach muss das Unternehmen sie übernehmen. Zudem müssen Leiharbeiter nach der Neuregelung nach neun Monaten den gleichen Lohn erhalten wie die Stammbelegschaft.

„Organisierte Lohndrückerei“

Viele Leiharbeiter werden aber für wesentlich kürzere Fristen beschäftigt. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) der im zweiten Halbjahr 2015 beschäftigten Leiharbeiter wurde für maximal drei Monate ausgeliehen. Die Daten für das Jahr 2016 können den Angaben zufolge hierfür nicht ausgewertet werden.

Das durchschnittliche Monatseinkommen von sozialversicherungspflichtig beschäftigten Leiharbeitern in Vollzeit lag den Angaben zufolge 2016 bei 1816 Euro gegenüber 3133 Euro bei sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten. Leiharbeit sei „organisierte Lohndrückerei“, kommentierte der Vize-Linksfraktionsvorsitzende Klaus Ernst die Ergebnisse.

Die Beschäftigten hätten schlechtere Arbeitsbedingungen und eine hohe Wahrscheinlichkeit, nach kurzer Zeit wieder arbeitslos zu sein, sagte er. Den Daten der Bundesagentur für Arbeit zufolge waren 48 Prozent der Leiharbeiter, deren Beschäftigungsverhältnisse im zweiten Halbjahr 2015 endeten, einen Monat danach arbeitslos.

Hoher Leiharbeitsanteil ist bedenklich

Der Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen, Ingo Schierenbeck, hält den hohen Leiharbeitsanteil in Bremen für bedenklich: „Leiharbeit ist für die Beschäftigten oft ein Schleudersitz und bietet in vielen Fällen nur eine unsichere Perspektive auf dem Arbeitsmarkt.

Der viel zitierte Klebeeffekt kommt nur selten zum Tragen.“ Nach Angaben der Arbeitnehmerkammer dominieren in Bremen bei der Leiharbeit nach wie vor die Berufe im Bereich Logistik und Fertigung, wobei hier vor allem männliche Leiharbeitnehmer tätig sind.

Frauen finden sich im Bereich Gesundheit und Soziales: Mehr als jede vierte Leiharbeitnehmerin arbeitet in diesem Bereich. Jede sechste arbeitet in kaufmännischen Berufen. Die Zahlen basieren auf die zuletzt vorgenommene Erhebung, die aus dem Jahr 2014 stammt.

Per se nicht günstiger

Der Allgemeine Arbeitgeberverband von Bremen sieht das mit der Leiharbeit traditionell anders. Hauptgeschäftsführer Cornelius Neumann-Redlin betrachtet sie als Chance: „Gerade für Geringqualifizierte ist Zeitarbeit eine Möglichkeit, um einen Einstieg in ein Arbeitsverhältnis zu kriegen.“

Ebenso biete sie auch Geflüchteten eine Möglichkeit, um in eine Tätigkeit zu kommen. Weiterhin diene sie auch für größere Unternehmen, um Spitzen in der Produktion abzubauen. Außerdem verweist der Hauptgeschäftsführer auf einen weiteren Punkt: „Zeitarbeit ist per se nicht günstiger. Beispielsweise Unternehmen in der Pflege überlegen sich das genau, ob sie für bestimmte Aufgaben jemanden fest einstellen oder auf Zeitarbeit zurückgreifen.“

Spitzenreiterposition
Bremen bleibt Hochburg der Leiharbeit
Florian Schwiegershausen und Corinna Buschow 08.08.20178 Kommentare

In keinem anderen Bundesland gibt es einen so hohen Anteil an Leiharbeitern wie in Bremen. Während die Quote bundesweit bei 2,7 Prozent aller Arbeitnehmer liegt, ist sie in Bremen weitaus höher.

Baustelle
Nach Angaben der Arbeitnehmerkammer dominieren in Bremen bei der Leiharbeit nach wie vor die Berufe im Bereich Logistik und Fertigung. (dpa)

In Bremen hat der Anteil an Leiharbeit weiterhin zugenommen. Während er Ende 2015 bei 4,5 Prozent lag, stieg er im Folgejahr nochmals um 0,2 Punkte auf 4,7 Prozent. Das entspricht fast 18.000 Arbeitnehmern. Damit sind Bremen und Bremerhaven weiterhin Spitzenreiter verglichen mit den anderen Bundesländern.

Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor. Ihr zugrunde liegen die Statistiken der Bundesagentur für Arbeit. Der Bundesdurchschnitt beim Anteil an Leiharbeit liegt bei 2,7 Prozent. Nach Angaben der Arbeitsagentur für Bremen und Bremerhaven werde neben Kräften für einfache Tätigkeiten auch hochqualifiziertes Personal in Berufen gesucht, bei denen es jetzt bereits zu Engpässen kommt.

Die große Koalition hatte in dieser Wahlperiode die Regeln für Leiharbeit und Werkverträge verschärft. Nach dem seit April geltenden Gesetz wird der Einsatz von Leiharbeitern auf 18 Monate beschränkt. Danach muss das Unternehmen sie übernehmen. Zudem müssen Leiharbeiter nach der Neuregelung nach neun Monaten den gleichen Lohn erhalten wie die Stammbelegschaft.

„Organisierte Lohndrückerei“

Viele Leiharbeiter werden aber für wesentlich kürzere Fristen beschäftigt. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) der im zweiten Halbjahr 2015 beschäftigten Leiharbeiter wurde für maximal drei Monate ausgeliehen. Die Daten für das Jahr 2016 können den Angaben zufolge hierfür nicht ausgewertet werden.

Das durchschnittliche Monatseinkommen von sozialversicherungspflichtig beschäftigten Leiharbeitern in Vollzeit lag den Angaben zufolge 2016 bei 1816 Euro gegenüber 3133 Euro bei sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten. Leiharbeit sei „organisierte Lohndrückerei“, kommentierte der Vize-Linksfraktionsvorsitzende Klaus Ernst die Ergebnisse.

Die Beschäftigten hätten schlechtere Arbeitsbedingungen und eine hohe Wahrscheinlichkeit, nach kurzer Zeit wieder arbeitslos zu sein, sagte er. Den Daten der Bundesagentur für Arbeit zufolge waren 48 Prozent der Leiharbeiter, deren Beschäftigungsverhältnisse im zweiten Halbjahr 2015 endeten, einen Monat danach arbeitslos.

Hoher Leiharbeitsanteil ist bedenklich

Der Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen, Ingo Schierenbeck, hält den hohen Leiharbeitsanteil in Bremen für bedenklich: „Leiharbeit ist für die Beschäftigten oft ein Schleudersitz und bietet in vielen Fällen nur eine unsichere Perspektive auf dem Arbeitsmarkt.
Gesamthafenbetriebsverein (GHB), Demonstration wegen Arbeitsplätzen in der Distribution
Mehr zum Thema
Kritik an Fremdarbeit bei der BLG

In einem Geschäftsbereich der Bremer BLG liegt die Quote der Mitarbeiter, die nicht direkt bei dem … mehr »

Der viel zitierte Klebeeffekt kommt nur selten zum Tragen.“ Nach Angaben der Arbeitnehmerkammer dominieren in Bremen bei der Leiharbeit nach wie vor die Berufe im Bereich Logistik und Fertigung, wobei hier vor allem männliche Leiharbeitnehmer tätig sind.

Frauen finden sich im Bereich Gesundheit und Soziales: Mehr als jede vierte Leiharbeitnehmerin arbeitet in diesem Bereich. Jede sechste arbeitet in kaufmännischen Berufen. Die Zahlen basieren auf die zuletzt vorgenommene Erhebung, die aus dem Jahr 2014 stammt.

Per se nicht günstiger

Der Allgemeine Arbeitgeberverband von Bremen sieht das mit der Leiharbeit traditionell anders. Hauptgeschäftsführer Cornelius Neumann-Redlin betrachtet sie als Chance: „Gerade für Geringqualifizierte ist Zeitarbeit eine Möglichkeit, um einen Einstieg in ein Arbeitsverhältnis zu kriegen.“

Ebenso biete sie auch Geflüchteten eine Möglichkeit, um in eine Tätigkeit zu kommen. Weiterhin diene sie auch für größere Unternehmen, um Spitzen in der Produktion abzubauen. Außerdem verweist der Hauptgeschäftsführer auf einen weiteren Punkt: „Zeitarbeit ist per se nicht günstiger. Beispielsweise Unternehmen in der Pflege überlegen sich das genau, ob sie für bestimmte Aufgaben jemanden fest einstellen oder auf Zeitarbeit zurückgreifen.“
Unternehmerforum 2016 – mit Ehrengast EKD Präsident Heinrich Bedford-Strohm – vl. Carsten Sieling, Heinrich Bedford-Stro
Mehr zum Thema
Bildungsurlaub wird reformiert

In Bremen sollen mehr Arbeitnehmer ihr Recht auf Bildungsurlaub wahrnehmen. Das ist das Ziel des … mehr »

Ein Beispiel, wo es zeitweise um größere Projekte geht, ist die Windkraftbranche. Dort ist es durchaus üblich, dass die Hälfte der Arbeitskräfte Leiharbeiter sind, um große Windparkprojekte in Angriff zu nehmen.

Hoher Wettbewerb der Anbieter in Bremen

So bleibe das Land Bremen auch weiterhin für Unternehmen der gewerblichen Arbeitnehmerüberlassung attraktiv, wie die Arbeitsagentur für Bremen und Bremerhaven erklärt. „Auf relativ engem Raum bietet das Land als großer Logistikstandort und Standort des verarbeitenden Gewerbes vielfältige Einsatzmöglichkeiten für Leiharbeitnehmer“, sagt Sprecher Jörg Nowag.

Entsprechend hoch sei auch der Wettbewerb der Anbieter in Bremen. Auf Städteebene sei Bremen übrigens nicht Spitzenreiter. Da habe etwa die Stadt Emden einen höheren Anteil an Leiharbeit. Der größte Arbeitgeber dort heißt Volkswagen.

kopiert aus dem Weser Kurier


0 Antworten auf „„Bremen bleibt Hochburg der Leiharbeit““


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


+ fünf = elf