„Zeichen setzen“ gegen das BDP-Haus?

kopiert aus dem Weser Kurier

Anwohner schaltet Anwalt ein – Unmut über Partys am Hulsberg

Laute Musik, ausufernde Partys: Die Nachbarn des sogenannten BDP-Hauses am Hulsberg in Bremen kommen nicht zur Ruhe. Einer von ihnen hat jetzt einen Anwalt eingeschaltet.


Anwohner Marco Schmidt (links) und Anwalt Uwe Piehl vor dem sogenannten BDP-Haus am Hulsberg. Sie stören sich an den lautstarken Partys, die immer wieder mal in dem Gebäude und drumherum stattfinden.

Heavy Metal, Dub und andere Musikrichtungen, die aus dem Haus nach draußen schallen, dazu angetrunkene Party- und Konzertgäste, die draußen stehen, kreischen, laut lachen. Flaschen, Scherben und anderer Müll am Tag darauf. Anwohner Marco Schmidt hat die Nase voll und einen Anwalt eingeschaltet. Partys und Konzerte im sogenannten BDP-Haus am Hulsberg rauben ihm und den Nachbarn am Wochenende den Schlaf. Zudem hinterlassen Partygäste ihren Müll auf dem Hof der angrenzenden Grundschule.

„Wir wollen ein Zeichen setzen“, sagt Rechtsanwalt Uwe Piehl. Mit juristischen Mitteln stehe man noch am Anfang. Der Anwalt hat zunächst einen Brief aufgesetzt und ihn an das Haus am Hulsberg per Post geschickt und zusätzlich gefaxt. Im Jugendhaus hingegen will man die Schreiben nicht erhalten haben: Man wisse von nichts, es sei kein Brief eingegangen, und von Ruhestörungen wisse man genauso wenig, heißt es von dort auf Nachfrage. „Ich höre diesen Satz jedes Mal“, sagt Marco Schmidt. Auch Birgit Helken, Schulleiterin der Grundschule Stader Straße, hat das schon erlebt. E-Mails, in denen Probleme angesprochen werden, seien nicht eingegangen, auch andere Kommunikationsmittel hätten versagt.

„Wenn wir da drüben Licht sehen, wissen wir: Es wird eine Scheißnacht“

Es ist keinesfalls so, dass Anwohner und Schule nicht schon versucht haben, die Probleme mit Lärm und Müll im Dialog mit den Mitarbeitern des Bunds Deutscher PfadfinderInnen (BDP), der das Haus betreibt, zu lösen. Seit elf Jahren leitet Birgit Helken die Grundschule an der Stader Straße, die nur ein Zaun vom Gelände des Jugendhauses trennt. Schon ihre Vorgängerin habe Probleme mit den Nutzern des Hauses gehabt, erzählt sie. Besonders schlimm sei es montagmorgens. Dann muss Hausmeister Thomas Polep früher zum Dienst kommen, um den Schulhof aufzuräumen. „Ich kriege nachts Anrufe von den Nachbarn, dass sich Leute auf dem Schulhof aufhalten“, erzählt er. Die Spuren der Partys vom Wochenende, beispielsweise Flaschen und Scherben, fänden sich dann auf dem Gelände der Schule wieder. „Ich habe auch schon Spritzen gefunden“, erzählt der Hausmeister.

Um 7 Uhr beginnt in der Schule die Frühbetreuung. Es sei schon vorgekommen, dass man die Kinder um die Zeit nicht auf das Gelände lassen konnte, weil noch Partymüll herumlag. Eine Zeit lang hätten die Konzert- und Partyveranstalter ihren Müll auch in den Tonnen der Schule entsorgt, sodass die nach dem Wochenende regelmäßig voll waren. Seitdem schließt die Schule ihre Tonnen ab. Auch Bewegungsmelder habe man angebracht, damit nachts das Licht angeht, wenn sich Fremde auf dem Schulhof herumtreiben, erzählt Hausmeister Polep.

Bengalos auf der Straße

„Wenn wir da drüben Freitagabend Licht sehen, wissen wir: Es wird eine Scheißnacht“, sagt Anwohner Schmidt. Er, seine Frau und zwei kleine Kinder leben gegenüber dem Jugendhaus. Er arbeitet im Schichtdienst in einem Krankenhaus. Viele der Partys und Konzerte gingen erst um 22 Uhr los und zögen sich bis in den Morgen. Mit einer früheren Leiterin des Hauses habe er 2015 erstmals das Gespräch gesucht, erzählt er. Sie habe darauf hingewiesen, dass die Straße als Mischgebiet ausgewiesen ist; da könne es lauter werden. Für Marco Schmidt, der seit 2008 in der Nachbarschaft wohnt, eine ernüchternde Begegnung. Eine Möglichkeit wäre, die Polizei zu rufen. Manchmal tun die Anwohner das auch. Für 2017 sind laut Polizei zwei Einsätze aktenkundig, einer im Mai und einer im Juni. „Das Haus ist kein polizeilicher Schwerpunkt. In früheren Jahren hatten wir dort mehrere Einsätze wegen Ruhestörungen“, so Polizeisprecher Nils Matthiesen.

Marco Schmidt sagt selbst, dass er nicht jedes Mal die Nummer der Polizei wähle, sondern fast immer selbst hinüber gehe und darum bitte, die Fenster zu schließen oder den Bass herunter zu drehen. Die Polizeieinsätze brächten auch nur kurzfristige Erleichterung. Ist der Streifenwagen weg, werde wieder aufgedreht, so Anwalt Piehl. Marco Schmidt führt seit 2015 ein Lärmprotokoll. Unabhängig davon schreibt auch eine Anwohnerin der Straße Am Hulsberg regelmäßig auf. Neun laute Nächte stehen für dieses Jahr auf ihrer Liste. Bei einer davon wurden Bengalos auf der Straße gezündet, berichtet Anwalt Piehl.

Wird das BDP-Haus für kommerzielle Zwecke vermietet?

Sie sei von Betrunkenen auch schon angepöbelt worden, erzählt Heidi Uhlenbrock. Sie ist ebenfalls Anwohnerin der Straße Am Hulsberg und arbeitet in der Grundschule. „Es wird regelmäßig Alkohol angeliefert“, erzählt sie. Die Lieferanten, aber auch Busse der Bands und Autos der Besucher der Partys und Konzerte blockieren dann die Feuerwehrzufahrt der Schule, ergänzt Hausmeister Polep.

Man spreche stets mit den Nutzern, damit sie Rücksicht walten lassen und selbst für Ruhe sorgen, sagt Henrik Sorgalla vom BDP-Haus. Er teilt sich mit einer Kollegin eine hauptamtliche Stelle in dem Haus. Die Veranstaltungen an den Abenden am Wochenende laufen ohne Aufsicht ab. Anwohner vermuten eine Vermietung an Externe für kommerzielle Zwecke. Autokennzeichen aus Wilhelmshaven, Osnabrück, den Niederlanden haben sie dort gesehen, berichten sie. Um Kinder und Jugendliche, die mit dem Jugendhaus eigentlich angesprochen werden sollen, handele es sich dabei nicht.

Aus dem Elternbeirat wisse sie, dass die Kinder und Jugendlichen des Stadtteils das Haus nicht nutzen, erzählt Birgit Helken. Sie sei mit ihrem Anliegen bereits an andere Stellen, beispielsweise das Ortsamt, herangetreten. Danach war es stets kurzzeitig ruhig, vom BDP machte jemand sauber, bevor alles von vorn losging. „Unser zuständiger Kontaktpolizist ist in regelmäßigen Gesprächen mit den Nachbarn, Verantwortlichen des Jugendhauses und der angrenzenden Schule, um bei Konflikten mit Rat und Tat zur Seite zu stehen“, teilt Polizeisprecher Matthiesen mit. Das bestätigen auch alle Seiten. Es habe bislang aber nicht zu einer nachhaltigen Änderung beigetragen, sagen Anwohner und Schulleiterin. Sie fühlen sich hilflos. Auch deshalb wendet sich Anwohner Schmidt jetzt an die Justiz.

Quelle: weser-kurier.de