Bremer Aktionswochen gegen Antisemitismus

Montag, 6. November 2017 | 18:30 Uhr | Buchte
Grundlagenworkshop Antisemitismus
Der Workshop beginnt mit einer kurzen Einleitung zur Geschichte des Antisemitismus. Anschließend werden verschiedene Formen von modernem Antisemitismus erkannt und analysiert. Der Workshop ist vor allem an Einsteiger*innen gerichtet – Vorwissen ist also absolut nicht erforderlich.

Donnerstag, 9. November 2017 | 19 Uhr | BDP-Haus
Fußball und Antisemitismus
Vortrag von Enno Wöhler und Alex Feuerherdt
Antisemitismus wird in Deutschland in allen gesellschaftlichen Zusammenhängen geäußert. Seine vornehm-publizistische Variante hat es unter dem Schlagwort „Israelkritik“ gerade in den Duden geschafft, und auf vielen Schulhöfen und Straßen ist „du Jude!“ eine beliebte Beleidigung. Im Fußball äußert sich der Judenhass regelmäßig zum Beispiel in der herabwürdigend gemeinten Identifizierung anderer Vereine und ihrer Fans als jüdisch. Gleichzeitig wähnen zahlreiche Fans ihr wertvolles Kulturgut bedroht von den Machenschaften sinistrer Geschäftemacher. Was das eine mit dem anderen zu tun hat, wie Antisemitismus beim Fußball funktioniert und was dagegen zu tun ist, darum soll es im Vortrag von Alex Feuerherdt und Enno Wöhler gehen.

Sonntag, 12. November 2017 | 13 Uhr
Stadtrundgang: Die Pogromnacht 1938 in Bremen
Der Rundgang mit Joachim Bellgart macht deutlich, was am 9. November 1938 in der Bremer Innenstadt passierte und zeigt, welche Spuren der antisemitischen Pogromnacht noch heute im Stadtbild existieren.
Anmeldung: jufo.dig.bremen@gmail.com

Mittwoch, 22. November 2017 | 19 Uhr | Ostkurvensaal
RB Leipzig – Der Untergang des Fußballs? Über das Kicken im Kapitalismus und die Sehnsucht nach einem fragwürdigen Idyll
Vortrag von Alex Feuerherdt
Wenig bringt derzeit die Fanszenen in Deutschland so in Wallung wie RB Leipzig. Glaubt man den zahllosen Statements, die es seit der Gründung des Klubs im Jahr 2009 gab – in den Stadien wie in Ultra-Foren, in Fanzines wie in den sozialen Netzwerken –, dann droht mittelfristig nicht weniger als der Untergang des Fußballs mitsamt seiner geheiligten Traditionund Fankultur. Denn das „zentrale Anliegen“ des „sächsischen Kunstvereins“, so formulierte es der Chefredakteur der Zeitschrift „11 Freunde“ in einer regelrechten Philippika, sei nicht das Kicken, sondern „die Profitmaximierung“: „Spitzenfußball und familienfreundliches Entertainment nach amerikanischem Vorbild, alles immer im Dienste der Marke Red Bull.“
Ein etwas merkwürdiges Argument. Schließlich sind die meisten Profiklubs längst selbst Konzerne geworden, die – so ist das im Kapitalismus notwendigerweise – Profitmaximierung betreiben und deren Funktionäre letztlich nichts anderes sind als Unternehmer. Nur verkaufen sie keine Getränkedosen, sondern die Ware Fußball und suchen sich zu diesem Zweck potenteSponsoren. Und sie brauchen – genau wie Red Bull und jedes andere Unternehmen auch – Kunden, die ihr Produkt kaufen. Dass diese Kundschaft aus Fans besteht, die davon überzeugtsind, dass der eigentliche Daseinszweck ihres Lieblingsklubs noch immer das Fußballspiel alssolches ist, macht das Marketing erheblich einfacher, weil emotionale Bindung – auch über den Verweis auf „Tradition“ und „Fankultur“ – umsatzfördernd ist.
Das mag herzlos klingen, aber die Totalität der kapitalistischen Vergesellschaftung hat den Fußball nun mal längst eingeschlossen. Und es stellt sich auch die Frage, welches Idyll da eigentlich beschworen wird, wenn RB Leipzig mal wieder als „Rattenball“ oder „Bullenseuche“ verunglimpft wird. Um die Proteste gegen RB Leipzig und ihre Motivation, um den Fußball im Kapitalismus ganz allgemein (und die Geschichte seiner Kommerzialisierung darin) sowie um die Problematik, die mit der Romantisierung des scheinbar Ursprünglichen, Authentischen und Natürlichen einhergeht, soll es im Vortrag von Alex Feuerherdt gehen. Der Referent ist freier Publizist und lebt in Köln. Er ist Betreiber des Blogs „Lizas Welt“ und schreibt für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften, unter anderem für die „Jüdische Allgemeine“, n-tv.de, die „Jungle World“ und „Konkret“

Freitag, 1. Dezember 2017 | 19 Uhr | Buchte
(Un-)Bequemes Gedenken: Über Stolpersteine, Schuldabwehr und deutschen Umgang mit der Shoah
Vortrag von Dora Streibl
Ob das Verbot der „Stolpersteine“ in München, das Stelenfeld in Berlin oder das Planschbecken in Freiburg – über das öffentliche Gedenken an die Ermordung der europäischen Jüdinnen_Juden kann und sollte man sich streiten. Insbesondere in einer deutschen Gesellschaft, die ihre Vergangenheit kaum bearbeiten wollte und in der Antisemitismus nach wie vor über alle sozialen Gruppen hinweg zu finden ist, gilt es Motivationen und Hintergründe zu hinterfragen. Während Betroffene öfter mal außen vor gelassen werden, schreibt sich Deutschland den Titel „Erinnerungsweltmeister“ auf die Fahne und im Bundestag sitzt mit der AfD nun eine Partei, die bitte nur noch an positive Seiten deutscher Geschichte erinnern möchte. Ausgehend von einem einführenden Überblick über deutsche „Aufarbeitung“ und Antisemitismus nach 1945, wollen wir in diesem Workshop gemeinsam über Gedenkkultur, Geschichtsrevisionismus und Gegenmaßnahmen diskutieren.

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aktionswochenantisemitismushb.wordpress.com