Ist der Grund Fußball oder weil die Gesamtscheiße so kacke ist?

kopiert aus dem Weser Kurier

Vandalismus mit Fäkalien Hunderte Kotanschläge auf Gebäude in Bremen-Nord

Ein Unbekannter wirft immer wieder Fäkalien gegen Vegesacker Häuser und auf Sportplätze. Ein Verein hat mittlerweile 250 Vorfälle gezählt. Jetzt traf es ein Büro in der Fußgängerzone. Zum dritten Mal.

Es passiert immer wieder: Mal sind Fassaden, mal Fenster, mal Türen beschmiert. Nicht mit Farbe, sondern Kot. Seit Längerem geht das so. Philipp Romeiser spricht von Jahren. Der Mann ist Geschäftsführer bei M-Projekt und weiß von mehreren Häusern, die in Vegesack mit Fäkalien beworfen wurden. An der Weserstraße, am Sedanplatz, an der Gerhard-Rolfs-Straße. Neulich traf es das Büro des Projektentwicklers. Zum dritten Mal. Die Firma hat erstmals Anzeige erstattet – andere haben das schon weitaus öfter getan.

Bernd Siems zum Beispiel. Der Fußballchef der Sportgemeinschaft Aumund-Vege­sack hat es grob überschlagen. Er kommt auf 250 Vorfälle und 25 Anzeigen, „mindestens“. Wie bei M-Projekt schleudert jemand Fäkalien. Allerdings nicht nur gegen ­Wände, sondern auch aufs Gelände der Sportler. Seit Montag ist das Kassenhaus am Stadion braun beschmiert. In der Woche zuvor ­hatte es den Schaukasten getroffen, davor den Gehweg. Siems hat alles mit der Kamera dokumentiert und jedes Foto mit Datum versehen. Als Beleg für die Polizei.

Solche Mühe hat sich Philipp Romeiser von M-Projekt noch nicht gemacht. Dabei ist das Saubermachen nach den Kotanschlägen keine Kleinigkeit. Nicht jede Reinigungs­firma übernimmt das. Und die Unternehmen, die Fäkalien von Gebäuden entfernen, lassen sich den Aufwand, der dabei betrieben werden muss, entsprechend bezahlen. Der Geschäftsführer des Planungsbüros sagt, dass bisher jedes Mal rund 300 bis 400 Euro fällig wurden. Macht bei drei Vorfällen in den vergangenen Monaten eine Summe zwischen 900 und 1200 Euro.

Fußballchef Siems kommt inzwischen auf ganz andere Beträge. Im Unterschied zum Projektentwicklerbüro hat es der Verein nicht nur mit Fäkalien, sondern auch mit Scherben zu tun, die auf das Spielfeld der Fußballer geworfen werden. Und statt seit Monaten, wie bei M-Projekt, gibt es die Kot- und Glasanschläge bei den Sportlern seit Jahren. Nach Siems‘ Rechnung wurden inzwischen mehrere Tausend Euro fürs Reinigen und zum Schutz ausgegeben. Der Verein ließ den Zaun erhöhen und spannte ein Auffangnetz. Auch private Wachleute waren vorübergehend im Einsatz.

Sowohl Siems als auch Romeiser haben sich so ihre Gedanken gemacht, wer hinter den Attacken auf Gebäude und Anlagen ­stecken könnte. Der Fußballchef tippt auf jemanden, der nicht hinnehmen will, dass die Mannschaften jetzt auch abends und sonntags spielen beziehungsweise trainieren dürfen – der Geschäftsführer von M-Projekt auf jemanden, der etwas gegen Neubauten oder gegen die Bewohner der Neubauten hat. Laut Romeiser waren bislang vor allem Gebäude betroffen, die noch nicht alt sind oder erst vor Kurzem saniert wurden, manche von Grund auf.

Wie der Firmensitz von M-Projekt. Und wie eine weiß gestrichene Villa an der Weserstraße: „Gerade erst hübsch gemacht“, sagt Romeiser, „war sie schon beschmiert.“ Der Täter geht dabei immer auf die gleiche Weise vor. Er verpackt die Fäkalien in Papier, um sie besser werfen zu können. Romeiser und Siems sprechen von Zeitungsseiten, die sie jedes Mal vorgefunden hätten. Der Geschäftsführer des Planungsbüros hat neuerdings ein Foto, das einen Mann von hinten zeigt, der gerade ein Papierbündel in Richtung einer Hauswand wirft. Die Aufnahme stammt von einer Überwachungskamera. Romeiser will sie jetzt der Polizei geben.

Polizei befragt Anwohner

Dass die Beamten den Täter erwischen, daran glauben mittlerweile weder er noch Siems. Dabei, meint Romeiser, dürfte es doch gar nicht so schwierig sein, der Person auf die Spur zu kommen. Der Geschäftsführer fragt sich, warum die Polizei nicht einfach eine Stuhlprobe nimmt und das DNA-Ergebnis mit ihrem Täterkataster abgleicht: „Vielleicht ist dieser Mensch ja schon einmal straffällig geworden.“ Romeiser ist sich sicher, dass es sich bei den Fäkalien nicht um Hunde­kot handelt. Der sehe anders aus. Er wisse das, weil er einen Hund habe und ­regelmäßig mit ihm Gassi gehe.

Ob es sich so verhält, wie Romeiser annimmt, hat die Polizei noch nicht überprüft. Sie weiß nur, dass es immer wieder zu Kotanschlägen kommt. Wie oft bisher, kann ­Reviersprecher Gundmar Köster nur so unge­fähr sagen: Er hat sich die Straftaten mit Sachbeschädigung angesehen und kommt auf mehrere Dutzend Anzeigen in den vergangenen Monaten, die mit Fäkalien zu tun haben. Warum die Beamten noch niemanden überführen konnten, erklärt er damit, dass die Tat immer schnell und leise ausgeführt werde. Deshalb hätten auch Anwohner, die befragt wurden, bisher keine ­Hinweise geben können.

Romeisers Idee mit der Stuhlprobe wird nach Kösters Worten momentan nicht von der Polizei in Betracht gezogen. Die Beamten wollen sich jetzt das Foto der Überwachungskamera anschauen

kopiert aus dem Weser Kurier