„Bunker Valentin: Aus rechtem Spruch wird linker Spruch“

kopiert aus dem Weser Kurier

Unbekannte haben jetzt einen rechten Spruch zu einem linken gemacht: Aus „Stoppt den Schuldkult“ wurde „Stoppt den Rechtskult“. Eigentlich sollte die ursprüngliche Parole bleiben – jetzt nicht mehr.


Übersprüht: Aus dem Schuldkult-Spruch beim Bunker Valentin wurde ein Rechtskult-Spruch. Die Polizei ermittelt jetzt in zwei Fällen von Vandalismus.

Erst war es eine rechte Parole, jetzt ist eine linke: Aus dem Schriftzug „Stoppt den Schuldkult“ beim Bunker Valentin haben Unbekannte „Stoppt den Rechtskult“ gemacht. Und aus schwarzen Buchstaben bunte. Für Christian Weber und Thomas Köcher ist damit die Debatte, was aus dem ursprünglichen Spruch werden soll, beendet – noch bevor sie eigentlich begonnen hat. Der Bürgerschaftspräsident und der Chef der Landeszentrale für politische Bildung haben am Montag entschieden, dass die Wörter von der Mauer entfernt werden. Aber eine Auseinandersetzung mit Parolen soll es trotzdem geben.

Eigentlich hatten Weber und Köcher geplant, den rechten Spruch, der seit Anfang Dezember auf einer Betonwand zwischen Bunker und Deich zu lesen ist, stehen zu lassen. Er sollte mit einer Hinweistafel für Besucher versehen werden. So wollten sie deutlich machen, wofür der Begriff Schuldkult eigentlich steht – und wofür der Bunker, der als Denkort an die Gräuel der Nazis erinnert. In dieser Woche sollte die Jüdische Gemeinde sagen, wie sie die Idee des Bürgerschaftspräsidenten und des Behördenchefs findet. Jetzt braucht sie das nicht mehr. Seit diesem Wochenende ist Webers und Köchers Vorschlag überholt.

Dass andere schneller waren als sie, hat Markus Klemke entdeckt. Der Mann aus Rekum wollte den Schuldkult-Schriftzug, über den er bisher ausschließlich gelesen hat, mal aus der Nähe sehen. Am Sonntag hatte er Zeit, zum Bunker zu gehen. Er nahm seine Kamera mit. Seither ist der Schriftzug immer wieder fotografiert worden. Von Mitarbeitern des Denkorts, Beamten der Polizei, aber auch von Peter Nowack. Der Blumenthaler Ortsamtschef war am Montagmorgen von Weber verständigt worden. Er sollte sich den übersprühten Spruch einmal anschauen und danach den Auftrag erteilen, ihn entfernen zu lassen.

Doch auch wenn er wegkommt, wird der Beirat über die Schuldkult-Parole demnächst diskutieren. Das kündigt jedenfalls Nowack an. Schließlich, sagt er, komme es immer wieder vor, dass rechte Sprüche und Nazi-Zeichen an öffentlichen Gebäuden und auf öffentlichen Plätzen auftauchten: „Das Thema verschwindet ja nicht einfach, nur weil jetzt ein einzelner Schriftzug entfernt wird.“ Das sieht Bürgerschaftspräsident Weber ähnlich. Darum will er bei dem Zusammentreffen mit der Jüdischen Gemeinde die Propaganda von Rechten und den Umgang mit ihr einmal grundsätzlich erörtern.

Auch die Landeszentrale für politische Bildung, die den Bunker für Besucher geöffnet hat, will die Parole, wenn sie weg ist, zum Thema machen. Amtsleiter Thomas Köcher denkt darüber nach, Schulklassen in Seminaren über den Begriff Schuldkult diskutieren zu lassen. Und zugleich über ein anderes Wort: Verantwortung. Einen künstlerischen Umgang mit dem rechten Spruch, den Köcher zuletzt vorgeschlagen hat, wird es allerdings nicht geben. Dabei ist ihm und Weber bereits ein Vorschlag gemacht worden, wie dieser Umgang aussehen könnte.

Er kommt von einem Nordbremer. Dieter Märtens heißt der Mann. Er malte einen Kreis mit Jahreszahlen. 1945 und 2018 sind rot und groß, alle anderen schwarz und klein. Die beiden Ziffern stehen sich gegenüber. Zwischen ihnen sind drei Wörter zu lesen – „Allzeit zur Unzeit.“ In einem Text darunter macht Märtens deutlich, dass es für ihn einen Kult der Schuld geben muss, nämlich im Gedenken an die Opfer von Gewalt früher wie heute. Bürgerschaftspräsident Weber sagt, dass er genau das wollte: dass sich Menschen mit der rechten Parole beschäftigen. Und dass sie Begriffe anders verstehen als die Rechten, vor allem positiver.

Für die Polizei verändert der veränderte Schriftzug wenig. Sie ermittelt. Jetzt allerdings in zwei Fällen. Ein Spur, sagt ein Sprecher, hat sie in beiden nicht.

Quelle: Weser Kurier

siehe auch
Weser Kurier – Rechte Parolen im Bremer Norden könnten bleiben
Weser Kurier – Debatte über rechte Parole bei Bunker Valentin


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