„Von links nach rechts: Ex-Pastor Bode spricht für die NPD“

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Friedrich Bode war Pastor in Bremen-Horn, hat die Grünen mitbegründet und in Brokdorf gegen Atomkraft demonstriert – heute engagiert er sich offenbar für die NPD.


Auf der Internetseite der NPD wird Friedrich Bode als Redner am 17. Februar geführt.

Die NPD plant für Samstag, 17. Februar, eine „Redner- und Musikveranstaltung“ im „Raum Bremen“, wie es auf der Facebookseite der Partei heißt. Wo genau, das wollen die Nationaldemokraten nicht verraten. Gegendemonstranten sollen möglichst lange im Unklaren gelassen werden. Die Sicherheitsbehörden aus Bremen und Niedersachsen haben zurzeit ebenfalls noch keine genauen Kenntnisse über den Veranstaltungsort. Klar ist hingegen, wer auf der Bühne stehen soll. Neben dem einschlägig vorbestraften NPD-Funktionär Torsten Heise und dem Rechtsrock-Sänger Michael Regener alias „Lunikoff“ wird auch ein pensionierter Geistlicher aus Bremen erwartet: Friedrich Bode, ehemaliger Pastor der Gemeinde Bremen Horn II.

Der Brokdorf-Pfarrer

Ein Blick auf Bodes Leben lässt das Engagement für die NPD zunächst merkwürdig erscheinen. In den 1970er-Jahren lief Bode noch im Talar bei den Anti-Atom-Protesten in Brokdorf und Gorleben mit. Dadurch wurde er damals bundesweit bekannt. Er hat die Bremer Grünen mitgegründet und war in der Friedensbewegung aktiv. Anfang der 1980er-Jahre waren die Fenster seines Hauses mit gelben „Atomkraft? Nein, danke!“-Schildern beklebt. Im Garten gackerten die Hühner. Zusammen mit dem Bremer Gründungsmitglied Olaf Dinné war Bode zu dieser Zeit direkt an den ersten Wahlerfolgen der Grünen beteiligt.

Anfang der 1990er-Jahre bekam der grüne Pfarrer dann aber Probleme mit seiner Gemeinde. Mit 51 Jahren wurde Bode nach einem Disziplinarverfahren vorzeitig in den Ruhestand versetzt. „Seine Ansichten waren vielen zu radikal“, sagt eine Zeitzeugin. Der Fall hatte in ganz Bremen für Aufsehen gesorgt. „Er ist untragbar“, hieß es damals aus dem Gemeindevorstand. Bode habe Beschlüsse missachtet und Unfrieden gestiftet. Er selbst witterte eine Kampagne, einen Versuch der Kirche, sich seiner kritischen Haltung zu entledigen. Er werde nicht einen Zentimeter von seinen Prinzipien abrücken, sagte Bode. Jesus sei ja schließlich auch ein Unruhestifter gewesen.

Der Bruch mit den Grünen

Heute lebt der Pastor im Ruhestand in Visselhövede, Niedersachsen. Hier saß er für die Grünen im Ortsrat. 2015 kam es aber zum Bruch mit der Partei: „Er ist dem Ausschluss mit einem Austritt zuvorgekommen“, sagt Marc Andreßen, Ortsverbandssprecher der Grünen in Rotenburg/Wümme. Zuvor hatte Bode unter anderem mit seiner radikalen Kritik an der pro-israelischen Haltung eines grünen Bundespolitikers für Unmut gesorgt.

Mittlerweile engagiert sich Bode für die NPD. Die Partei wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Wer im Internet aktuelle Informationen über Friedrich Bode sucht, wird schnell fündig: „Befreiung von der Befreiungslüge“ heißt etwa ein Video, das auf der Plattform YouTube hochgeladen wurde. Darin bezeichnet der Pfarrer im Ruhestand das Gedenken an die Shoa, den nationalsozialistischen Völkermord an den Juden Europas, als „von außen induzierte Zwangsneurose“.

Für Bode ist Adolf Hitler ein „glänzender Autodidakt“ und Deutschland nach wie vor ein besetztes Land. Wer ihm länger zuhört, fühlt sich schnell an die Theorien der Reichsbürger-Bewegung erinnert. Da wundert es auch nicht, dass sich der heute 78-Jährige für den ehemaligen RAF-Anwalt und Neonazi Horst Mahler stark macht, den er schon im Gefängnis besucht hat. Der bekennende Holocaust-Leugner Mahler ist für Bode ein „politischer Gefangener“. Die beiden Männer teilen die Entwicklung ihrer politischen Weltsicht: von links nach rechts. Zu seiner Wanderung durch das politische Spektrum möchte Bode sich nicht öffentlich äußern. Ein zugesichertes Interview sagt er kurzfristig ab.

Kirche lädt Bode vor

Dass der Pastor im Ruhestand am nächsten Samstag bei der NPD auftreten will, kommt bei der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK) gar nicht gut an. „Wir lehnen rechtsextreme Positionen entschieden ab. Diese stehen im krassen Gegensatz zu einem friedlichen und demokratischen Miteinander“, heißt es in einer Stellungnahme. „Deshalb kann der Kirchenausschuss auch rechtsextreme Äußerungen von Pastoren auf einschlägigen neonazistischen Veranstaltungen auf keinen Fall dulden.“ Solche Positionen seien mit dem Pfarramt unvereinbar. „Der Kirchenausschuss hat Herrn Bode zu einem Dienstgespräch vorgeladen und prüft die Einleitung disziplinarischer Maßnahmen“, teilt die BEK mit.

Quelle: butenunbinnen.de

siehe auch:
Weser Kurier – Von den Grünen zur NPD: Der Wandel des Pastors Friedrich Bode
buten & binnen – Ehemaliger Pastor auf Rechtsaußen-Kurs
taz – Von der Kanzel zum NPD-Pult