„Rektorin der Hochschule soll ein anderes Zeichen setzen“

Am 06.02 entzog die Rektorin der Hochschule, Frau Prof. Dr. Lukey, den VeranstalterInnen der Podiumsdiskussion „Quo vadis Türkei“ kurzfristig die (bereits erteilte) Genehmigung für die Nutzung der Räumlichkeiten in der Hochschule mit der Begründung, der Veranstaltung fehle der wissenschaftliche Bezug und sei zu „allgemeinpolitisch“.

Wir möchten dem Rektorat der Hochschule zeigen, dass diese Entscheidung aus den u.g. Gründen in Bremen auf Unverständnis und Kritik stößt und es ein breites öffentliches Interesse daran gibt, die Hochschule als Ort der kritischen Wissensproduktion und -vermittlung zu erhalten.

Deshalb würden wir uns freuen, wenn sich möglichst viele Personen per Mail an das Rektorat wenden, gerne auch unter Verwendung der untenstehenden Mailvorlage. Die Mailadresse der Rektorin ist:
Karin.Luckey@hs-bremen.de

Im Anhang befindet sich die Stellungnahme der OrganisatorInnen der Veranstaltung und hier der link zur Veranstaltung:
https://www.wasgehtheuteab.de/bremen/e/6c84d2c1-196f-4166-9faa-a5549c8e2945

herzliche Grüße
euer Solikomitee

checkt sokubremen.wordpress.com

Sehr geehrte Frau Prof. Dr. Lukey,

hiermit möchte ich meinem Unmut über Ihre Entscheidung in Bezug auf die Veranstaltung „Quo Vadis Türkei“ Ausdruck verleihen. Mit Unverständnis habe ich Ihre Begründung zur Kenntnis genommen, die Podiumsdiskussion über die gesellschaftliche und politische Situation in der Türkei sei zu „allgemeinpolitisch“ und habe keinen wissenschaftlichen oder studentischen Bezug.

Diese vermeintliche Trennung hochschulbezogener/wissenschaftlicher Belange von gesellschaftspolitischen Entwicklungen basiert u.a. auf einer fatalen Unterschätzung der gesellschaftlichen Rolle und Bedeutung von Hochschulen und Universitäten. Einem despotischen Machtstrategen wie
Erdogan ist diese Bedeutung hingegen durchaus bewusst. Dies zeigen die Massenentlassungen, Berufsverbote, Verfolgung und Inhaftierung von WissenschaftlerInnen und AkademikerInnen in der Türkei aufs Deutlichste. Viele der verfolgten WissenschaftlerInnen leben inzwischen auch in der Bundesrepublik im Exil und arbeiten hier wieder an Universitäten oder stehen in engem Austausch mit diesen.
Die allgemeinpolitische Situation kann insofern für kritische WissenschaftlerInnen nie etwas sein, das mit akademischen Belangen nichts zu tun hätte. Der Referent der o.g. Podiumsdiskussion Çetin Gürer, der wie viele andere nach der Unterzeichnung einer Friedenspetition in der Türkei seine Arbeit an der Universität in Istanbul verlor, nun in Bremen im Exil lebt und nicht mehr in die Türkei zurück reisen kann, repräsentiert in seiner Person diesen offensichtlichen Zusammenhang beispielhaft. Dass ihm nun ausgerechnet von einer akademischen Einrichtung wie Ihrer Hochschule, erneut der Sprechraum entzogen wird, ist unfassbar und offenbart schlussendlich auch einen Mangel an kollegialer Sensibilität.

Ihre vermeintlich administrative Entscheidung ist insofern ein hochpolitischer Akt, der als Zeichen der Entsolidarisierung und Fortführung von Sprechverboten weit über Bremen hinaus eine deutliche Außenwirkung gezeigt hat. Denn Sie konnten nicht davon ausgehen, dass innerhalb von 48 Stunden ein Ersatzraum für über 200 Menschen gefunden werden kann. Dies ist glücklicherweise gelungen und der überfüllte Saal im Gewerkschaftshaus unter hoher studentischer Beteiligung zeigt das große öffentliche Interesse an diesem Thema.

Durch Ihre künstliche Trennung von hochschulbezogenen und gesellschaftspolitischen Belangen leisten Sie – womöglich unbeabsichtigterweise – der zunehmenden Bedeutungslosigkeit von Universitäten und Hochschulen als Orte kritischer Wissensproduktion und -vermittlung Vorschub.

Vor diesem Hintergrund halte ich es für dringend geboten, dass Sie als Rektorin der Hochschule nunmehr ein anderes Zeichen setzen. Denkbar wäre eine aus Ihrem Hause initiierte Veranstaltung mit kritischen WissenschaftlerInnen aus der Türkei, die hier im Exil leben.

Ich freue mich über Ihre Rückmeldung.

mit freundlichen Grüßen,


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