„Türkische Gruppierungen in Bremen: Verband unterhält dubiose Kontakte“

kopiert aus dem Weser Kurier

Die Bremer Sicherheitsbehörden sehen derzeit nicht die Gefahr von Anschlägen auf Kritiker des türkischen Regimes. Sie weisen aber auch dubiose Kontakte des Erdogan-treuen Verbandes UETD hin.


Vor zwei Jahren demonstrierten UETD-Anhänger auf dem Bremer Marktplatz.

Die Bremer Sicherheitsbehörden haben derzeit keine Anhaltspunkte dafür, dass militante Anhänger der türkischen Regierungspartei AKP oder Mitglieder der rockerähnlichen Gruppierung „Osmanen Germania“ in Bremen Übergriffe auf türkisch- beziehungsweise kurdischstämmige Kritiker des Regimes in der Türkei planen. So steht es im Entwurf einer Senatsantwort auf eine entsprechende Anfrage der Linken in der Bürgerschaft. Wörtlich heißt es dort: „Ungeachtet des Konfliktpotentials wird ein schädigendes Ereignis zum Nachteil türkischer Oppositioneller in Deutschland aus Sicht der Polizei als eher unwahrscheinlich erachtet.“ Die Landesregierung wird sich am Dienstag mit dem Papier befassen.

Die Linken hatten sich nach dem aktuellen Kenntnisstand der Innenbehörde über die „Osmanen Germania“ und die Aktivitäten der „Union Europäisch-Türkischer Demokraten“ (UETD) in Bremen erkundigt. Die UETD gilt als verlängerter Arm der AKP in Deutschland und mehreren anderen europäischen Staaten. Zuletzt hatten unter anderem das ZDF und die „Stuttgarter Zeitung“ über ein Netzwerk aus organisierter Kriminalität, UETD und dem türkischen Parlamentsabgeordneten und AKP-Auslandsbeauftragten Metin Külünk berichtet. Demnach sollen Demonstrationen gegen Abgeordnete des Bundestages direkt aus Ankara gesteuert worden sein. Über Külünk würden in Deutschland Gelder und Anhänger für Protestaktionen mobilisiert. Den Bremer Sicherheitsbehörden ist immerhin bekannt, dass der Vorsitzende der Bremer UETD-Sektion, Burhan Cayli, Mitte Januar in Ankara mit Metin Külünk zusammentraf. Eine Bremer UETD-Delegation wurde vom türkischen Präsidenten Recep Erdogan empfangen. Bewertet werden diese Vorgänge in der Senatsantwort nicht. Pläne für einen Auftritt Külünks in Bremen seien nicht bekannt.

Zu den „Osmanen Germania“, die sich selbst als Boxclub bezeichnen, steht in dem Senatspapier wenig Neues. Eine Gruppe von etwa 70 „Osmanen“ hatte sich Anfang Juli 2017 am Herdentorsteinweg getroffen. Die Polizei schritt seinerzeit sehr entschlossen ein. Sie löste die Versammlung auf, durchsuchte die Teilnehmer und zwang sie, ihre Kutten abzulegen. In ihrer Anfrage an den Senat wollten die Linken in Erfahrung bringen, ob den Bremer Sicherheitsbehörden eigene Hinweise auf eine Kooperation von „Osmanen“ und türkischem Geheimdienst vorliegen. Das wird in dem Senatspapier verneint. Zugleich heißt es dort aber: „Das Landeskriminalamt Bremen geht aufgrund von Erkenntnissen anderer Sicherheitsbehörden in Deutschland davon aus, dass Teile der Gruppierung ,Osmanen Germania BC‘ mit dem türkischen Geheimdienst zusammenarbeiten.“

Strafbare Handlungen durch UETD-Aktivisten oder „Osmanen“ auf Bremer Gebiet sind der Innenbehörde nach eigener Darstellung bisher nicht bekannt – jedenfalls keine mit konkretem Bezug auf die beiden Vereine.

Quelle: weser-kurier.de


0 Antworten auf „„Türkische Gruppierungen in Bremen: Verband unterhält dubiose Kontakte““


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


zwei × eins =