„Gerichtsprozess wegen Brandanschlag auf türkische Familie gestartet“

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Ende Juli 2012 soll ein 30-Jähriger Feuer vor der Haustür seiner türkischen Nachbarn gelegt und einen Bewohner rassistisch beleidigt haben. Am Dienstag war Prozess-Auftakt vor dem Landgericht.

Fünf Jahre und sieben Monate hat es von der Tat bis zum Prozess gedauert. Seit Dienstag muss sich ein 30-jähriger Bremer wegen schwerer Brandstiftung vor dem Landgericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, Ende Juli 2012 nach einem Grillabend stark alkoholisiert einen Brandanschlag auf das Haus seiner türkischen Nachbarn in Woltmershausen verübt zu haben.

Dabei soll er sein mit Grillanzünder getränktes Hemd in Brand gesetzt und damit ein Feuer vor der Haustür entfacht haben, dessen Flammen 80 Zentimeter hoch loderten. Die Tür soll er eingeschlagen haben. „Der Angeklagte nahm in Kauf, dass sich das Feuer ausbreitete“, heißt es in der Anklage. Zusätzlich wird dem Mann vorgeworfen, dass er aus rassistischen Motiven gehandelt habe. Er soll – ebenso wie andere Teilnehmern des Grillabends – vor und während seiner Tat „Ausländer raus“ und „Einer fackelt gleich diese Ausländerbude ab“ gerufen haben. Ein Bewohner des Hauses, in dem eine Mutter und sieben Kinder schliefen, hatte den Brand gelöscht und die Polizei gerufen.

Prozess-Auftakt mit vielen Unterbrechungen

Es war ein zäher Prozess-Auftakt, gekennzeichnet von vielen Unterbrechungen und Anträgen zu möglichen Nebenklageverfahren, über die noch nicht abschließend entschieden werden konnte. Gleich zu Beginn verständigten sich alle Seiten auf ein mögliches Strafmaß. Gesteht der Angeklagte, wozu er nach eigener Aussage bereit ist, erwarten ihn wohl zwischen einem und zwei Jahre Haft auf Bewährung. Zuerst wollte die Vorsitzende Richterin Miriam Trampenau aber die Aussagen der Zeugen hören.

Ihre Befragung durch das Gericht war angesichts der lange zurückliegenden Tat nicht einfach. „Ich erinnere mich nicht mehr genau“ war der Satz, den alle vier Zeugen am häufigsten verwendeten. So auch der heute 26-jährige Sohn der türkischen Familie. „Ich bin gegen drei Uhr nach Hause gekommen und habe vor der Haustür noch eine Zigarette geraucht. Da habe ich die ,Ausländer raus‘-Rufe gehört“, schilderte er. „Dann bin ich ins Haus nach oben gegangen.“ Unklar blieb, ob er das Feuer durch ein Klingeln an der Haustür oder das Geräusch des splitternden Glases bemerkte.

„Die Sache ist irgendwie eskaliert“

Nach ihm sagten drei Gäste des Grillabends aus. Ebenso wie der Angeklagte, der nach der Tat am frühen Morgen noch 1,87 Promille Alkohol im Blut hatte, waren auch sie damals betrunken. Einig waren sie sich, dass das rassistische Verhalten des Angeklagten „ungewöhnlich“ gewesen sei. Vor der Tat sei er ihnen nicht durch derartige Äußerungen aufgefallen. „Die Sache ist irgendwie eskaliert“, erklärte ein Cousin des Angeklagten. Ein anderer Zeuge sagte aus, dass „das Gespräch an dem Abend irgendwann in die rassistische Richtung“ gegangen sei. Dann sei der Angeklagte zum Nachbarn gelaufen mit den Worten: „Ich zünde die Bude jetzt an.“

Für Staatsanwältin Lisa Ravens unverständlich war, warum niemand aus der Gruppe reagiert habe, als es brannte. Ob es nicht den Impuls gegeben habe, zu helfen? „Wir sind sitzen geblieben und haben uns eher über den Brand amüsiert“, gab ein Zeuge zu.

Der Prozess wird am Mittwoch um 9 Uhr mit weiteren Zeugen fortgesetzt. Dann soll auch der Angeklagte sprechen.

Quelle: weser-kurier.de

siehe auch:

taz – Saufen, grillen, abfackeln