„Das Sielwallhaus ist unser Haus!“

Redebeitrag, gehalten auf der Ölhafen-Demo

Hier ganz in der Nähe, etwa 300 m hoch in Richtung Weser, liegt das Jugendzentrum “Sielwallhaus”.
Das Sielwallhaus ist zur Zeit in Bedrängnis. Die Eigentumsgemeinschaft des Nachbarhauses geht juristisch gegen das Haus vor. Es sei zu laut! – evtl. ist aber auch zu schmutzig? Zu links?
Was auch immer, es liegt nahe dass die Eigentümer*innen sich mehr Profit versprechen wenn das Sielwallhaus, dass seit mehr als 40 Jahren im Stadtteil existiert und vielen Menschen ein unentbehrlicher Ort ist, verschwindet.

Es fällt auf, dass bundesweit linke Räume nicht nur mit staatlichen Repressionen zu kämpfen haben – immer mehr Anwohner*innen wenden sich auf juristischen Wege gegen linke Zentren und Häuser, aber auch gegen sonstige Jugendkultur.
Nach dem zweiten Weltkrieg wurden gezielt selbstverwaltete Jugendzentren aufgebaut. Es ging darum, dass sich junge Menschen schon früh selbst gegen autoritäre Ideen und Strukturen zur Wehr zu setzen lernen. Das ist heute wichtiger den je!
Wir leben in einer Zeit,
- in der unsere Regierungen zwar oft schöne Worte im Mund führen, aber am Ende genau nichts verändern, weil sie Angst haben sie könnten mit Veränderungen bei der Bevölkerung und der Wirtschaft nicht ankommen,
- in der der Klimawandel weite Teile der Menschheit bedroht,
- in der in vielen Teilen der Welt Menschen vor Krieg und Hunger fliehen müssen,
- in der in der Türkei sich Erdogan anschickt eine Diktatur zu errichten, die nicht einmal davor zurückschreckt hier in Deutschland Schlägerbanden für sich einzubinden um Satiriker einzuschüchtern,
- in der all das auch noch von der AfD ausgeschlachtet wird um wieder gegen die Schwächsten zu hetzen.

Wer sonst kann noch dem entgegenwirken, als Menschen, die sich selbstorganisiert zusammen schließen und dies nicht hinnehmen. Aber das ist natürlich unbequem: Jugendkultur geht neue Wege, sie hat oft eigene Ideen, sie ist laut, sie folgt nicht immer dem Weg der saubersten Straße und stört den alt hergebrachten Alltag.
Dies ist offensichtlich wieder mehr Menschen ein Dorn im Auge. Sie fordern einen ruhigen, ordentlichen Stadtteil. Alles was nicht dazu passt, soll weg.
Gentrifizierung nennt man das. Aufwertung und Säuberung des Stadtteils für noch mehr Boutiquen und Cafehäuser als Servierteller für neue zahlungskräftiger Eigentümer und Mieter*innen. Und weil Gentrifizierung ein akademisch beschönigter Name für die Vorherrschaft der Reichen ist und immer mit einer Verdrängung von marginalisierten Menschen einhergeht, solidarisieren wir uns mit allen die davon betroffen sind.
Das sind nicht zuletzt auch andere ähnliche Häuser: Auch das BDP-Haus hat Ärger, die Erle 31 konnte die Miete schon nicht mehr decken.
Wir sagen: Yuppies verpisst euch. Das Viertel bleibt dreckig. Das Sielwallhaus bleibt was es ist: nämlich unser Haus!