Offener Brief an buten&binnen

Offener Brief an die Redaktion von buten un binnen aufgrund der Berichterstattung zur Bremer AfD

Moin buten un binnen,
in den letzten Tagen habt ihr viel und teilweise sehr unkritisch über die AfD berichtet. Wir haben uns die Zeit genommen euch darzulegen warum wir das falsch und gefährlich finden:
In eurem Regionalmagazin vom 28.3. habt ihr unter völliger Missachtung eurer eigenen journalistischen Grundsätze die Erzählung der AfD über ihren „Kandel ist überall“-Reinfall übernommen. Dabei waren am Dienstag über 100 Gegendemonstrant_innen anwesend, mit denen ihr über ihre Ziele und Motive hättet sprechen können. Das habt ihr gar nicht erst versucht. Und so gab es viel, viel Sendezeit, in der Alexander Tassis und Johannes Luig mal ganz in Ruhe über ihre Gefühle reden konnten. Bereits am Tag zuvor, am 27. März, wurden in der gleichen Sendung Tassis‘ rassistische Positionen zum „Flüchtingsgegner“ verharmlost. Er und die AfD wurden als legitimer Teil eines demokratischen Diskurses dargestellt. Der AfD zwei Tage hintereinander Bild und Wort zu überlassen – eine politisch fatale Redaktionsentscheidung und für Bremen eine klare Überrepräsentation.
Alexander Tassis gehört, wie Bernd Höcke, zur „patriotischen Plattform“ in der AfD. Insbesondere dieser Teil der AfD ist es, der mit hemmungslosem Rassismus, wie beispielsweise der Forderung, die deutsche Politikerin Özoguz nach Anatolien zu „entsorgen“ auffällt. Ihre rassistischen, antisemitischen und frauenfeindlichen Inhalte sind keine Ausrutscher, sondern Programm.
Und die „Kandel ist überall“-Aufmärsche gehen noch einen Schritt weiter. Da trifft sich der völkische Teil der AfD gemeinsam mit der NPD, den Identitären und anderen Neonazis auf der Straße. Es trifft sich also die Creme de la Creme der deutschen Menschenfeinde um auf dem Rücken eines toten Mädchens ihre rassistische Agenda voranzutreiben.
Offensichtlich ist dabei, dass der Tod eines Mädchens die AfD nur dann interessiert, wenn sich das Täterprofil für rassistische Hetze missbrauchen lässt. Sie schrecken dabei nicht einmal davor zurück Facebookprofile von unschuldigen Jugendlichen als Täter zu präsentieren, wenn ihnen der tatsächliche Täter nicht passt weil er Deutscher ist. So geschehen beim Mordfall an Keira am 12.03.18 in Berlin.
Diese Fakten sind nicht schwer zu recherchieren und gehört in jede Berichterstattung, die keine Werbung für rassistische Aufmärsche machen will.
Eine wirksame Strategie der Neuen Rechten ist trotz ihrer Überrepräsentation in den Medien bei jedem Widerspruch zu jammern, dass ihnen die Meinungsfreiheit gestohlen werden würde. Sie sind nicht an einem Meinungsaustausch interessiert, sie wollen, wie der geistige Brandstifter, Verleger und Pegida-Freund Götz Kubitschek selbst schreibt, nicht Teil des Diskurses werden sondern ihn abschaffen. Meinungsfreiheit herrscht für sie erst dann, wenn niemand mehr ihren rassistischen und frauenfeindlichen Inhalten widerspricht. Diesem Ziel kommen sie ein bedrohliches Stückchen näher, wenn es einem Fernsehbeitrag gelingt mehr Empathie für rassistische Hetzer aufzubringen als für ihre Opfer.
Die Konsequenzen sind bekannt: In einem gesellschaftlichen Klima, in dem offen rassistische Hetze einen derartigen Raum hat, dauert es nicht lange bis Pogrome folgen. Wenn euch das abwegig erscheint, empfehlen wir einen Blick auf die Statistiken der letzten Jahre zu tätlichen Angriffen auf Geflüchtete und ihre Unterstützer_innen.
Um eben ein solches Klima zu verhindern und sich der Normalisierung rassistischer Positionen entgegen zu stellen haben über 100 Demonstrant_innen am Dienstag auf dem Marktplatz protestiert. Die stehen nach eurem Beitrag aber als die eigentlichen Feinde der Meinungsfreiheit da.
Wir fordern euch auf, zukünftig über menschenfeindliche Propaganda so zu berichten, dass sie auch als solche erkannt wird. Es gibt keine unpolitische Berichterstattung über die AfD – bietet den Rechten kein Forum.

Mit antifaschistischen Grüßen,
eure Interventionistische Linke

checkt inventati.org/bremen


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