„Bremer Polizist kommt mit Hooligan-Aufkleber auf Schlagstock zum Werder-Spiel“

kopiert von vice.com

Der Schriftzug „Spaß kostet“ stand bei Auslieferung ganz sicher nicht auf dem Dienstwerkzeug.


Foto mit freundlicher Genehmigung, bearbeitet: @JanWlb | Twitter

Die Polizei, dein Freund und Helfer – mag ein Klischee sein, aber Deutschlands Hooligans dürften zumindest in einem Beamten einen Freund gefunden haben. Der Bremer Polizist war am Sonntag am Rande des Bundesligaspiels zwischen dem SV Werder und RB Leipzig im Einsatz – mit fragwürdiger Einstellung, wie ein Foto nahelegt: An seiner Koppel hing neben der Dienstpistole P99 ein Schlagstock, den der Staatsdiener allem Anschein nach eigenhändig mit einem Aufkleber versehen hatte: „Spaß kostet“.

Der Twitternutzer @JanWlb hat die eigenwillige Verzierung des Dienstgeräts fotografiert und öffentlich gemacht. „Spaß kostet“ ist ein selbsternanntes „Kultlabel“ aus Weimar, das offenbar viele Kunden hat: 16.000 Bewertungen hat das Label auf eBay allein im letzten Jahr bekommen, 26.000 Follower besitzt es auf Instagram. Die T-Shirt-Motive richten sich an Menschen mit hohen Promillegrenzen: Malle-Urlauber, Böhse-Onkelz-Fans, „Tätowierte Mamas“ und eben Hooligans. Dazwischen prangen die Konterfeis von Bismarck und Putin, und Zeilen wie „Gott mit uns Germanen“.

Dass „Spaß kostet“ nicht unbedingt ein Label für Antifas und Grünen-Wähler sein will, zeigt auch, dass in einer losen Reihe von Geburtstags-T-Shirts der 88. Geburtstag des potentiellen Trägers gefeiert wird. Weitere rechtsextreme Codes finden sich allerdings nicht in den Designs.

Im Fall des Bremer Polizisten mutet es skurril an, dass „Spaß kostet“ nicht nur Hooligans mit seinen Motiven anspricht, sondern auch alle Leute, die die Polizei und ihre Arbeit ablehnen. Von „Scheiß Verein!“ über „Niemand muss Bulle sein“ bis „A.C.A.B.“ ist bei den T-Shirt-Motiven der Kategorie „1312″ (A.C.A.B.) alles dabei.

Die Vorgeschichte von „Spaß kostet“

Auch der Spruch „Ich glaube eher an die Unschuld einer Hure als an die Gerechtigkeit der deutschen Justiz“ scheint die Marke für den Beamten nicht untragbar zu machen, genauso wenig wie die gewaltverherrlichende Ästhetik des Labels: Hinter „Spaß kostet“ stecken die Weimarer Kosatex GmbH und ihr Geschäftsführer Enriko Kocsis. Kocsis und ein Partner betrieben auch die Presswerk Weimar GbR unter derselben Adresse und Telefonnummer wie heute Kosatex. Laut der Thüringer Landtagsabgeordneten Katharina König-Preuss (Die Linke) erhielt die Vorgängerfirma im März 2006 Besuch von der Polizei: Die Behörde führte eine bundesweite Razzia gegen 80 mutmaßliche Neonazis durch, die sie verdächtigte, die verbotene deutsche Division des Netzwerks „Blood & Honour“ fortzuführen.

Unter dem Shopnamen „Nur Fotzen Glotzen“ handelte Kocsis zu Presswerk-Zeiten auch mit Quarzhandschuhen, heute bietet er Baseballschläger mit Aufschrift „Meinungsverstärker“ an. Passende Bälle dazu verkauft sein Label nicht.

Was so ein „Spaß“ mit einem Polizei-Schlagstock „kosten“ kann, zeigt der Fall der Musikerin und Lehrerin Lola Diaz aus dem Juli 2017. Ein Polizist soll ihr abseits der damaligen G20-Proteste mit nur einem Schlag das Schienbein gebrochen haben. Ob der Bremer Kollege am Sonntag sein Dienstwerkzeug noch zücken musste, ist nicht bekannt.

So oder so prüft die Polizei Bremen den Sachverhalt derzeit, schreibt ein Sprecher VICE auf Anfrage, denn: „Eine derartige Kennzeichnung von polizeilichen Einsatzmitteln nicht statthaft.“

Quelle: vice.com

siehe auch
taz: Prügelspaß bei Bremer Polizei


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