Archiv der Kategorie 'Theorie'

23 Thesen zum Anarchismus

Revolution ist mehr als ein Wort: 23 Thesen zum Anarchismus – Von: Alpine Anarchist Productions (AAP)

Intro

Seit Beginn des neuen Jahrtausends hat der Anarchismus einen starken Aufschwung erlebt. In einem breit rezipierten Artikel, den David Graeber and Andrej Grubacˇic ́ im Jahr 2004 schrieben, wurde er gar als „die revolutionäre Bewegung des 21. Jahrhunderts“ präsentiert; und in einem vor kurzem erschienenen und auf zahlreichen Interviews basierenden Buch zu Occupy Wall Street (Translating Anarchy) meint der Autor Mark Bray, dass anarchistische Ideen die wichtigste ideologische Grundlage der Bewegung gewesen seien. Anarchistische Projekte (Zeitschriften, Buchmessen, Bezugsgruppen) haben sich in den letzten zwanzig Jahren enorm vermehrt. All das sind gute Neuigkeiten. (mehr…)

Überlegungen zum Umgang mit den DGB-Gewerkschaften

Die DGB-Gewerkschaften sind in ihrer großen Mehrheit, von den Spitzen herunter bis zu den hauptamtlichen Funktionären, den Betriebsräten der Großkonzerne und den gutgläubigen Aktivisten*innen unlöslich mit der herrschenden kapitalistischen Ordnung verbunden. Sie kommen für eine kämpferische Organisierung gegen die herrschende Unrechtsordnung oder für grundsätzliche Änderungen im Lohn- und Kontrollgefüge nicht in Betracht. Alle Anstrengungen in den letzten 40 Jahren für eine Veränderung von innen heraus waren ergebnislos. Gewerkschaften in Deutschland sind vorwiegend am sozialen Frieden und am volkswirtschaftlichen Wachstum des Kapitals sowie der hier residierenden global Player, vornehmlich der Exportindustrie, orientiert, nicht an den weitergehenden Interessen ihrer Mitglieder und der lohnabhängig Beschäftigten. Die Anfänge dieser Entwicklung liegen im Kaiserreich, als die Mehrheits-Sozialdemokratie der Kriegsführung des deutschen Reiches zustimmte. Damit war die Einfügung der Sozialdemokratie und der ihr zugehörigen Gewerkschaftsführungen in das imperiale Weltsystem mit all seinen mörderischen Seiten gegen die jeweils „Anderen“ vollzogen. (mehr…)

11 Thesen um Organisierung und revolutionäre Praxis

Für eine grundlegende Neuausrichtung linksradikaler Politik
Kritik & Perspektiven um Organisierung und revolutionäre Praxis

Den Text als pdf gibt es hier.

Einleitung
Neben einer stillen Ohnmacht, die viele von uns derzeit vor dem Hintergrund der sich rasant verschärfenden Angriffe des kapitalistischen Systems und der fehlenden Stärke linker Bewegungen befällt, nehmen wir in den letzten Jahren aber auch hoffnungsvoll eine neue Suchbewegung unter Linken und Linksradikalen wahr. Die Frage nach einer möglichen tatsächlichen Alternative zum Kapitalismus wird wieder stärker diskutiert – oder die Diskussion darüber zumindest stärker eingefordert – ebenso wie die Diskussion über die Frage, mit welchen konkreten Mitteln und Methoden eine tatsächliche Überwindung des kapitalistischen Systems denkbar sein könnte. Diese Suchbewegungen zeigen sich in den zahlreichen Diskussionen, die wir egal wohin wir kommen, mit Genoss_innen führen, den zahlreichen Strategiepapieren, die in den letzten Jahren veröffentlicht wurden und der in ihnen geäußerten Kritik an unserer bisherigen Politik sowie der Suche nach Strategien, die den aktuellen Entwicklungen entsprechen.

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ES | IST | GENUG | BEEF | FÜR | ALLE | DA

In Bremen häufen sich in letzter Zeit innerlinke Kämpfe, um die Deutungs- und Raumhoheit, welche zu allem Überfluss auch noch nach Außen getragen werden. Streitigkeiten und gegenseitige Forderungen nach Ausschlüssen, die von den jeweiligen Akteur_innen missverständlich als Lösung politischer Auseinandersetzungen zwischen Gruppe X und Gruppe Y begriffen und verbreitet werden. täuschen eine dringende Notwendigkeit vor. Das es sich dabei für die Akteur_innen selbst tatsächlich um eine tragfähige, um Konfliktlösung bemühte “politisch” notwendige Auseinandersetzung handelt, darf bei genauerer Betrachtung der Forderungen sowie der fehlenden Grundlagen für die Forderungen, aus den jeweiligen Veröffentlichungen, bezweifelt werden. Dies belegen nicht zuletzt die aktuellen Texte, die bisher gleichgültig über die möglichen Folgen, solcher für alle einsehbaren Veröffentlichungen, nach außen transportiert wurden. Besonders kritisch müssen die jüngsten Veröffentlichungen “Antideutsche Hetzer unmöglich machen” und “Für eine emanzipatorische und antisexistische linke Bewegung”, als ungeeignetste Form innerlinker Auseinandersetzung zurückgewiesen werden. (mehr…)

Eigentumsfrage stellen & Stadt übernehmen

… auf den folgenden Zeilen gibt es einen älteren Text von 2013 zu lesen. Er ist zuerst in Berlin erschienen und wurde dann weiter über das Internet verbreitet. Die Bezüge auf Berlin ließen sich durch ähnliche Kämpfe in Bremen ersetzen, auch wenn diese hier kaum größere Öffentlichkeit bekamen und auch nicht eine solche Qualität und Quantität erreichen konnten. Die Zwangsräumungen in Bremen verlaufen nach wie vor ohne das ein öffentlich wahrnehmbarer Protest entsteht, mit isolierten Betroffenen* in einem ungestörten kapitalistischen Normalzustand. Viel Spaß beim lesen und diskutieren und beteiligt euch an der Diskussionsveranstaltung am18.12. im Infoladen Bremen

Die Eigentumsfrage stellen – Stadt übernehmen Strategiepapier aus anarchistischer Sicht vom Referat für verhinderte Aufstandsbekämpfung

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Rezension: „Ne znam – Zeitschrift für Anarchismusforschung“

Bereits im Frühjahr diesen Jahres erblickte eine neue Zeitschrift das Licht des anarchistischen Büchermarktes. „Ne znam“ – das ist kroatisch und steht für „Ich weiß es nicht“, so der Titel der „Zeitschrift für Anarchismusforschung“. Wissenschaft und Anarchismus sind oft zwei unterschiedliche paar Schuhe. Zu zeigen, dass dies aber nicht zwangsläufig so sein muss, gelingt der von Philippe Kellermann herausgegebenen Publikation auf eindrucksvolle Art und Weise. Lobende Erwähnungen in der libertären Netzwelt[1], die Auszeichnung zum „Buch des Jahres 2015“ der Berliner „Bibliothek der Freien“[2] und ähnliche Vorschusslorbeeren weckten die Neugier in mir, welche mich letztendlich dazu bewegte auch gleich noch die kürzlich erschienene Herbstausgabe einzuholen. (mehr…)

Sozialrevolutionäres Stadtentwicklungsprogramm

Programmatischer Vorschlag für eine sozialrevolutionäre Perspektive in Berlin. Irrtum inbegriffen.

Anlass
Gentrifizierung ärgert uns. Wir leiden unter steigenden Mieten, schwindendem Lebensraum für uns und andere, meist ärmere Bevölkerungsschichten, und unter der Zerstörung unserer gewachsenen sozialen Zusammenhänge und unkontrollierten, manchmal subversiven Freiräume.

Fragen, nur zum Teil beantwortet
Versuchen wir uns in einer radikalen, sozialrevolutionären, anarchistischen Annäherung an folgende Fragen: Mit wem zusammen können wir um die Stadt kämpfen (Wer sind die Subjekte)? Gibt es Besetzungsformen, die nicht subkulturell verhaftet und somit geschlossen und starr sind? Sondern breiten Schichten der Ausgegrenzten – einschließlich uns – eine Perspektive bieten?
 Wie könnten heute kollektive Lebensformen aussehen, so dass Kinder nicht immer in den Sicherheitskonzeptionen ihrer Eltern gefangen bleiben, die in verbürgerlichten Lebensvorstellungen enden? Kann das Bedürfnis nach Gemeinschaft und Sicherheit emanzipativ aufgehoben werden? Gibt es Perspektiven, dem Markt Ressourcen zu entreißen und sie zu vergesellschaften statt immer tiefer gehend alles – einschließlich unserer sozialen Beziehungen – zu Kapital zu transformieren? In einer Mischung aus Kampf, Aneignung von unten und auch der kreativen Nutzung von Gesetzen? (mehr…)

CrimethInc.: Die Grenzen werden dich nicht schützen – aber sie könnten dich töten

Durch koordinierte Bombenanschläge und Schusswechsel in Paris, zu denen sich der Islamische Staat bekannte, wurden am 13. November 129 Menschen getötet. Europäische Nationalist_innen waren sofort zur Stelle, um die Anschläge mit der sogenannten Flüchtlingskrise zu verknüpfen, obwohl viele der Geflüchteten vor ähnlichen vom IS (und anderen Gruppen) durchgeführten Taten fliehen.

Durch koordinierte Bombenanschläge und Schusswechsel in Paris, zu denen sich der Islamische Staat bekannte, wurden am 13. November 129 Menschen getötet. Obwohl dies nur das jüngste einer ganzen Serie von Attentaten ist, hat dieses eine andere Art von Aufmerksamkeit erregt als die Massaker in Suruç und Ankara, bei denen 135 Personen getötet wurden. Die Leben der jungen Aktivist_innen, die den kurdischen Kampf gegen den IS unterstützen – bisher der einzige bodengebundene Einsatz, der die Ausbreitung des Islamischen Staates blockierte – werden anders gewertet als die Leben von Westeuropäer_innen.
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Bis zu seinem Tod, der Staat bleibt unser Feind!

Tag für Tag perfektioniert der Staat seine Mittel zur Kontrolle und Überwachung der Bevölkerung (wachsende Anzahl Kameras, Inbetriebnahme von neuen biometrischen und mit Chip versehenen Papieren, Drohnen, DNA-Erfassung…). Die technologischen Mittel, die der Staat auf uns alle anwendet, sind eine Illustration seiner Angst von Revolten, die das friedsame Leben der Dominierenden erschüttern könnte.

Zu allen Zeiten in der Geschichte hat die Herrschaft mit dem Schreckgespenst des inneren Feindes gedroht – das sie benutzt, um den Bürgern Angst zu machen und ihre Unterstützung zu gewinnen – mit dem Ziel, seine eigene Sicherheit auszubauen, anders gesagt der Schutz der sozialen Ordnung. Heute ist es der „bärtige Islamist“ (auch als Einzelner), der ihr als Schreckensbild dient, um niederträchtige Gesetze in Windeseile zu erlassen. Man kann daher seit anfang Januar und dem Attentat auf „Charlie Hebdo“ (das bereits in der 2. Ausgabe von „Séditions“ angeführt wurde) von antiterroristischen Gesetzen sprechen. (mehr…)

Graue Wölfe in Deutschland

In den vergangenen Wochen gab es immer wieder Angriffe von türkischen Faschisten auf linke/kurdische Aktivist_innen. Auch in Bremen sind türkische Faschisten aktiv. Sie zu erkennen ist für Ungeübte gar nicht so einfach.

In der Tradition der türkischen nationalistischen, panturkistischen Bewegung (allg. Graue Wölfe [türk. Bozkurtlar], Nationalisten [türk. Milliyetçiler, sprich Milliyetschiler] bzw. Idealisten [türk. Ülkücüler, sprich Ülküdschüler]) stehen in der Bundesrepublik Deutschland insbesondere drei Verbände.

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