Archiv der Kategorie 'Theorie'

Unterwasserkriegsführung, Militarisierung und Nationalismus

Kriegsführung hat sich technologisch als auch strukturell gravierend verändert. Häufig stehen hochgerüstete Armeen deutlich schlechter ausgerüsteten Akteuren gegenüber, die diesen Nachteil durch Guerilla-Strategien ausgleichen. Diese Form der asymmetrischen Kriegsführung ist typisch für aktuelle Konflikte.
Die mit Hochtechnologie ausgestatteten Armeen reagierten darauf mit verschiedenen neuen Strategien, die sich insgesamt als direkte technostrategische Reaktionen verstehen lassen. Des Weiteren werden viele Kriege nicht offen geführt, sondern stellvertretend ausgetragen. Diese komplexen Konflikte, bei denen unterschiedliche Parteien partiell zusammenarbeiten, aber individuelle Strategien und Interessen verfolgen, erschweren die klare Benennung von Machtstrukturen und Zusammenhängen. Zudem werden (zumeist multinationale) militärisch-industrielle Komplexe immer größer und sind seit jeher klare Befürworter der Kriegstreiberei. (mehr…)

Postskriptum zum Privileg der Ignoranz

vorausgegangene Beiträge:
- Demoaufruf: Take back the night! Wir holen uns die Nacht zurück.
- Das Privileg der Ignoranz

Tatsächlich wirft der Satz »›Ich sehe mich nicht als Cis-Mann‹, als Einwand eines Cis-Mannes […]« ein Problem auf, und alleine deshalb schon ist der Text kostbar. »Es geht um Selbst-Ermächtigung. Begreift das doch mal als EINgrenzung.« Das heißt, die Ausgrenzung entsteht in einer als notwendig erscheinenden Territorialisierung, einer Falte unseres Werdens. Aber von was grenzen wir uns darin ab, um es zu deterritorialisieren, infizieren, fortzureißen? Der Begriff des Cis-Mannes ist hier tatsächlich wichtig und wertvoll, als herrschaftlicher Term der herrschaftlichen Doppelzange des Cis-Gender-Zweierlei. Wenn wir Cis-Männer ausschließen, dann auch um Cis-Frauen in einer Territorialisierung, die sich von Cis-Männern abgrenzt, vielleicht darin leichter ein Bewusstsein aufkommen zu lassen, dass sie etwas anderes werden können als zweiter, sekundärer Term eines Zwei-Gender-Paradigmas, dass sie etwas anderes werden können als Frau, immer schon werden, dass diese Fluchtlinien durch etwas abgewürgt werden, was nicht natürlich ist, sondern bestimmend und bestimmt. (mehr…)

11 Anmerkungen zu 11 Thesen der Basisgruppe Antifa

Vorbemerkung: Am 15. März veröffentlichte die im kommunistischen …ums Ganze-Bünd­nis organisierte Basisgruppe Antifa aus Bremen 11 „Thesen zu sozialen Kämpfen“, mit de­nen sie ausdrücklich an ihr früheres Papier „Der Klassenkampf und die Kommunist*innen“ aus dem Jahre 2012 anknüpft. Auf dieses Papier hatte damals die Sozialistische Initiative Berlin (SIB), der wir zeitweilig angehörten, geantwortet. Diese kleine ‚Tradition’ des (wenn auch marginalen) innerlinken Austausches wollen wir mit unseren hiesigen Anmerkungen zu den jetzigen BA-Thesen zu sozialen Kämpfen fortsetzen.

ANMERKUNG EINS: Hoffentlich diskussionsanregende thesen-förmige Zuspitzung versus geringe Konkretheit
Es fällt auf, dass der Text insgesamt sehr abstrakt abgefasst ist und keine einziges Bei­spiel für „soziale kämpfe“ (z.B. Streiks!) genannt wird. Wenn wir aber berücksichtigen, dass es in dem Papier heißt,

„Wir wollen mit diesem Text mit Anderen ins Gespräch kommen […]. Wir haben uns be­wusst für die Form der Thesen entschieden, in dem Wissen, dass nicht alle Einzelheiten ausbuchstabiert sind. So wollen wir zu einer Diskussion anregen“,

dann mag das publikationstaktische Kalkül der Basisgruppe Berechtigung haben.

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23 Thesen zum Anarchismus

Revolution ist mehr als ein Wort: 23 Thesen zum Anarchismus – Von: Alpine Anarchist Productions (AAP)

Intro

Seit Beginn des neuen Jahrtausends hat der Anarchismus einen starken Aufschwung erlebt. In einem breit rezipierten Artikel, den David Graeber and Andrej Grubacˇic ́ im Jahr 2004 schrieben, wurde er gar als „die revolutionäre Bewegung des 21. Jahrhunderts“ präsentiert; und in einem vor kurzem erschienenen und auf zahlreichen Interviews basierenden Buch zu Occupy Wall Street (Translating Anarchy) meint der Autor Mark Bray, dass anarchistische Ideen die wichtigste ideologische Grundlage der Bewegung gewesen seien. Anarchistische Projekte (Zeitschriften, Buchmessen, Bezugsgruppen) haben sich in den letzten zwanzig Jahren enorm vermehrt. All das sind gute Neuigkeiten. (mehr…)

Überlegungen zum Umgang mit den DGB-Gewerkschaften

Die DGB-Gewerkschaften sind in ihrer großen Mehrheit, von den Spitzen herunter bis zu den hauptamtlichen Funktionären, den Betriebsräten der Großkonzerne und den gutgläubigen Aktivisten*innen unlöslich mit der herrschenden kapitalistischen Ordnung verbunden. Sie kommen für eine kämpferische Organisierung gegen die herrschende Unrechtsordnung oder für grundsätzliche Änderungen im Lohn- und Kontrollgefüge nicht in Betracht. Alle Anstrengungen in den letzten 40 Jahren für eine Veränderung von innen heraus waren ergebnislos. Gewerkschaften in Deutschland sind vorwiegend am sozialen Frieden und am volkswirtschaftlichen Wachstum des Kapitals sowie der hier residierenden global Player, vornehmlich der Exportindustrie, orientiert, nicht an den weitergehenden Interessen ihrer Mitglieder und der lohnabhängig Beschäftigten. Die Anfänge dieser Entwicklung liegen im Kaiserreich, als die Mehrheits-Sozialdemokratie der Kriegsführung des deutschen Reiches zustimmte. Damit war die Einfügung der Sozialdemokratie und der ihr zugehörigen Gewerkschaftsführungen in das imperiale Weltsystem mit all seinen mörderischen Seiten gegen die jeweils „Anderen“ vollzogen. (mehr…)

11 Thesen um Organisierung und revolutionäre Praxis

Für eine grundlegende Neuausrichtung linksradikaler Politik
Kritik & Perspektiven um Organisierung und revolutionäre Praxis

Den Text als pdf gibt es hier.

Einleitung
Neben einer stillen Ohnmacht, die viele von uns derzeit vor dem Hintergrund der sich rasant verschärfenden Angriffe des kapitalistischen Systems und der fehlenden Stärke linker Bewegungen befällt, nehmen wir in den letzten Jahren aber auch hoffnungsvoll eine neue Suchbewegung unter Linken und Linksradikalen wahr. Die Frage nach einer möglichen tatsächlichen Alternative zum Kapitalismus wird wieder stärker diskutiert – oder die Diskussion darüber zumindest stärker eingefordert – ebenso wie die Diskussion über die Frage, mit welchen konkreten Mitteln und Methoden eine tatsächliche Überwindung des kapitalistischen Systems denkbar sein könnte. Diese Suchbewegungen zeigen sich in den zahlreichen Diskussionen, die wir egal wohin wir kommen, mit Genoss_innen führen, den zahlreichen Strategiepapieren, die in den letzten Jahren veröffentlicht wurden und der in ihnen geäußerten Kritik an unserer bisherigen Politik sowie der Suche nach Strategien, die den aktuellen Entwicklungen entsprechen.

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ES | IST | GENUG | BEEF | FÜR | ALLE | DA

In Bremen häufen sich in letzter Zeit innerlinke Kämpfe, um die Deutungs- und Raumhoheit, welche zu allem Überfluss auch noch nach Außen getragen werden. Streitigkeiten und gegenseitige Forderungen nach Ausschlüssen, die von den jeweiligen Akteur_innen missverständlich als Lösung politischer Auseinandersetzungen zwischen Gruppe X und Gruppe Y begriffen und verbreitet werden. täuschen eine dringende Notwendigkeit vor. Das es sich dabei für die Akteur_innen selbst tatsächlich um eine tragfähige, um Konfliktlösung bemühte “politisch” notwendige Auseinandersetzung handelt, darf bei genauerer Betrachtung der Forderungen sowie der fehlenden Grundlagen für die Forderungen, aus den jeweiligen Veröffentlichungen, bezweifelt werden. Dies belegen nicht zuletzt die aktuellen Texte, die bisher gleichgültig über die möglichen Folgen, solcher für alle einsehbaren Veröffentlichungen, nach außen transportiert wurden. Besonders kritisch müssen die jüngsten Veröffentlichungen “Antideutsche Hetzer unmöglich machen” und “Für eine emanzipatorische und antisexistische linke Bewegung”, als ungeeignetste Form innerlinker Auseinandersetzung zurückgewiesen werden. (mehr…)

Eigentumsfrage stellen & Stadt übernehmen

… auf den folgenden Zeilen gibt es einen älteren Text von 2013 zu lesen. Er ist zuerst in Berlin erschienen und wurde dann weiter über das Internet verbreitet. Die Bezüge auf Berlin ließen sich durch ähnliche Kämpfe in Bremen ersetzen, auch wenn diese hier kaum größere Öffentlichkeit bekamen und auch nicht eine solche Qualität und Quantität erreichen konnten. Die Zwangsräumungen in Bremen verlaufen nach wie vor ohne das ein öffentlich wahrnehmbarer Protest entsteht, mit isolierten Betroffenen* in einem ungestörten kapitalistischen Normalzustand. Viel Spaß beim lesen und diskutieren und beteiligt euch an der Diskussionsveranstaltung am18.12. im Infoladen Bremen

Die Eigentumsfrage stellen – Stadt übernehmen Strategiepapier aus anarchistischer Sicht vom Referat für verhinderte Aufstandsbekämpfung

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Rezension: „Ne znam – Zeitschrift für Anarchismusforschung“

Bereits im Frühjahr diesen Jahres erblickte eine neue Zeitschrift das Licht des anarchistischen Büchermarktes. „Ne znam“ – das ist kroatisch und steht für „Ich weiß es nicht“, so der Titel der „Zeitschrift für Anarchismusforschung“. Wissenschaft und Anarchismus sind oft zwei unterschiedliche paar Schuhe. Zu zeigen, dass dies aber nicht zwangsläufig so sein muss, gelingt der von Philippe Kellermann herausgegebenen Publikation auf eindrucksvolle Art und Weise. Lobende Erwähnungen in der libertären Netzwelt[1], die Auszeichnung zum „Buch des Jahres 2015“ der Berliner „Bibliothek der Freien“[2] und ähnliche Vorschusslorbeeren weckten die Neugier in mir, welche mich letztendlich dazu bewegte auch gleich noch die kürzlich erschienene Herbstausgabe einzuholen. (mehr…)

Sozialrevolutionäres Stadtentwicklungsprogramm

Programmatischer Vorschlag für eine sozialrevolutionäre Perspektive in Berlin. Irrtum inbegriffen.

Anlass
Gentrifizierung ärgert uns. Wir leiden unter steigenden Mieten, schwindendem Lebensraum für uns und andere, meist ärmere Bevölkerungsschichten, und unter der Zerstörung unserer gewachsenen sozialen Zusammenhänge und unkontrollierten, manchmal subversiven Freiräume.

Fragen, nur zum Teil beantwortet
Versuchen wir uns in einer radikalen, sozialrevolutionären, anarchistischen Annäherung an folgende Fragen: Mit wem zusammen können wir um die Stadt kämpfen (Wer sind die Subjekte)? Gibt es Besetzungsformen, die nicht subkulturell verhaftet und somit geschlossen und starr sind? Sondern breiten Schichten der Ausgegrenzten – einschließlich uns – eine Perspektive bieten?
 Wie könnten heute kollektive Lebensformen aussehen, so dass Kinder nicht immer in den Sicherheitskonzeptionen ihrer Eltern gefangen bleiben, die in verbürgerlichten Lebensvorstellungen enden? Kann das Bedürfnis nach Gemeinschaft und Sicherheit emanzipativ aufgehoben werden? Gibt es Perspektiven, dem Markt Ressourcen zu entreißen und sie zu vergesellschaften statt immer tiefer gehend alles – einschließlich unserer sozialen Beziehungen – zu Kapital zu transformieren? In einer Mischung aus Kampf, Aneignung von unten und auch der kreativen Nutzung von Gesetzen? (mehr…)