Archiv der Kategorie 'Theorie'

CrimethInc.: Die Grenzen werden dich nicht schützen – aber sie könnten dich töten

Durch koordinierte Bombenanschläge und Schusswechsel in Paris, zu denen sich der Islamische Staat bekannte, wurden am 13. November 129 Menschen getötet. Europäische Nationalist_innen waren sofort zur Stelle, um die Anschläge mit der sogenannten Flüchtlingskrise zu verknüpfen, obwohl viele der Geflüchteten vor ähnlichen vom IS (und anderen Gruppen) durchgeführten Taten fliehen.

Durch koordinierte Bombenanschläge und Schusswechsel in Paris, zu denen sich der Islamische Staat bekannte, wurden am 13. November 129 Menschen getötet. Obwohl dies nur das jüngste einer ganzen Serie von Attentaten ist, hat dieses eine andere Art von Aufmerksamkeit erregt als die Massaker in Suruç und Ankara, bei denen 135 Personen getötet wurden. Die Leben der jungen Aktivist_innen, die den kurdischen Kampf gegen den IS unterstützen – bisher der einzige bodengebundene Einsatz, der die Ausbreitung des Islamischen Staates blockierte – werden anders gewertet als die Leben von Westeuropäer_innen.
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Bis zu seinem Tod, der Staat bleibt unser Feind!

Tag für Tag perfektioniert der Staat seine Mittel zur Kontrolle und Überwachung der Bevölkerung (wachsende Anzahl Kameras, Inbetriebnahme von neuen biometrischen und mit Chip versehenen Papieren, Drohnen, DNA-Erfassung…). Die technologischen Mittel, die der Staat auf uns alle anwendet, sind eine Illustration seiner Angst von Revolten, die das friedsame Leben der Dominierenden erschüttern könnte.

Zu allen Zeiten in der Geschichte hat die Herrschaft mit dem Schreckgespenst des inneren Feindes gedroht – das sie benutzt, um den Bürgern Angst zu machen und ihre Unterstützung zu gewinnen – mit dem Ziel, seine eigene Sicherheit auszubauen, anders gesagt der Schutz der sozialen Ordnung. Heute ist es der „bärtige Islamist“ (auch als Einzelner), der ihr als Schreckensbild dient, um niederträchtige Gesetze in Windeseile zu erlassen. Man kann daher seit anfang Januar und dem Attentat auf „Charlie Hebdo“ (das bereits in der 2. Ausgabe von „Séditions“ angeführt wurde) von antiterroristischen Gesetzen sprechen. (mehr…)

Graue Wölfe in Deutschland

In den vergangenen Wochen gab es immer wieder Angriffe von türkischen Faschisten auf linke/kurdische Aktivist_innen. Auch in Bremen sind türkische Faschisten aktiv. Sie zu erkennen ist für Ungeübte gar nicht so einfach.

In der Tradition der türkischen nationalistischen, panturkistischen Bewegung (allg. Graue Wölfe [türk. Bozkurtlar], Nationalisten [türk. Milliyetçiler, sprich Milliyetschiler] bzw. Idealisten [türk. Ülkücüler, sprich Ülküdschüler]) stehen in der Bundesrepublik Deutschland insbesondere drei Verbände.

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Zur Beziehung zwischen Freizeit und Kultur

In der heutigen Welt preisen alle gleichermaßen – die Kapitalist*innen, die Sozialist*innen und die Öffentlichkeit – ganz allgemein und konstant die Arbeit und verteufeln die Freizeit (ocio). Man hört häufig, die Jugend habe sich beschäftigt zu halten und nicht in Freizeit zu schwelgen.

Anmerkung: In diesem Text geht es um den spanischen Begriff „ocio“ (dt.: Freizeit). Da es jedoch zum Teil auch um eine Begriffsetymologie des Wortes „ocio“ geht, wird er im Text in Klammern wiedergegeben, sofern daraufBezug genommen wird.

Einem weitverbreiteten Vorurteil zufolge, sind Müßiggänger*innen (ociosos) potenzielle Kriminelle, die ein sehr geringes Ansehen in der Gesellschaft haben. Die totalitäre Religion der Arbeit ist ein vorherrschendes Element in der bürgerlichen Gesellschaft von heute. Wie ich den Begriff hier begreife, ist Freizeit (ocio) nicht gleichbedeutend mit Faulheit oder Mangel an Beschäftigung. Ich begreife ihn aber auch nicht als die Zeit nach der Arbeit, wo die Mittelklasse Stunden damit verbringt, vor dem Fernseher abzuhängen, im Internet zu tratschen, Fastfood zu konsumieren, zu Shoppen oder im Einkaufszentrum spazieren zu gehen. (mehr…)

Gibt es nicht?

„Den“ Anarchismus gibt es nicht – wirklich jetzt!!! Kritik an der Darstellung des Anarchis­mus in der letzten Phase 2

Als ich im Frühjahr 2015 davon Wind bekam, dass die Phase 2 ein Heft mit dem thematischen Schwerpunkt Anarchismus herausbringen wird, habe ich mich gefreut und war gespannt. Dass ich dies begrüße, liegt nicht nur daran, dass ich mich selbst als Anarchist identifiziere, also naheliegenderweise der Überzeugung bin, dass es Menschen ganz gut tut sich mit anarchistischem Gedankengut auseinanderzusetzen, sondern auch weil ich mir mehr und intensivere Auseinandersetzungen um Fragen der Theorie und Praxis innerhalb der radikalen Linken (1) wünsche, da ich dies für unabdingbar halte, damit diese in die Lage versetzt wird gesamtgesellschaftliche Emanzipationsprozesse anzustoßen und mit voranzutreiben. Als ich die Phase 2 zum Thema Anarchismus dann anfing zu lesen, hatte ich also eigentlich naheliegende, doch wie mir einmal mehr bewusst wurde, sehr hohe Ansprüche an die Auseinandersetzung mit dem Thema. Die Artikel im Heft, welche sich vor allem kritisch mit dem Anarchismus auseinandersetzen (2) , enttäuschten mich und machten mich stellenweise sogar etwas wütend. Ich habe mich deswegen genötigt gesehen die vorliegende Erwiderung zu schreiben. Eine detaillierte Kritik oder Gegendarstellung würde dabei allerdings den Rahmen sprengen und wäre auch nicht zielführend. Stattdessen werde ich im Folgenden grundsätzliche Kritikpunkte an den genannten Artikeln und der darin geäußerten Kritik und Vorgehensweise der Autor*innen formulieren. Jedoch möchte ich darauf hinweisen, das sich im Heft noch weitere Artikel befinden, welche sich sinnvoller und dennoch kritisch mit dem Anarchismus beschäftigen und empfehle daher einen Blick in das Heft. (mehr…)

Rotgrüne Kotze: Warum Deutschland auch dann scheiße ist, wenn es einen Willkommen heißt

Das Problem mit den Geflüchteten, ist das Problem mit den Geflüchteten

“Zwang gefährdet die Akzeptanz von Geflüchteten1”, so konstatiert die Landes-Grüne kürzlich ihre Haltung, bezüglich des Vorschlags Leerstände vorübergehend für Geflüchtete zu enteignen. Wie kann dieser leise Kommentar der Bremer Landesgrünen verstanden werden, ohne dass es hier extrem nach einer Entschuldigung für bestehenden strukturellen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und ansteigenden Sozialchauvinismus stinkt?!

Weil die Regierung eine weiter erstarkende Salonfähigkeit von Rechtspopulismus und Ressentiments gegen Geflüchtete auch in Bremen gern verharmlost, verschiebt die Landes-Grüne die Ursache für schwindende “Akzeptanz”, weg von Rassist- und Sozialchauvinist_innen, hin zu den Geflüchteten und erlaubt sich damit eine dreiste Verschiebung der Ursachen, auf Kosten der Geflüchteten. Aus anderen Bundesländern ist diese Ursachenumkehr zwischen Geflüchteten und Ablehnung mit lediglich schärferen Ton bereits bekannt. (mehr…)

„Für ein Ende der Gewalt!“

„Wer kriminell ist, das bestimmt hier immer noch der Staat“ und warum wir das nicht ändern werden – und auch gar nicht wollen.

Seit dem 01. Juli sitzt unser Genosse Valentin in Untersuchungshaft. Ihm wird von Seiten der Justiz, der Polizei und der Medien vorgeworfen, am Rande des Nordderbys gegen den HSV im April gemeinsam mit weiteren Antifaschist*innen und Antifaschisten an gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Bremer Nazihools beteiligt gewesen zu sein. Von der darauf folgenden Repressionswelle im Zuge der polizeilichen Ermittlungen die Anfang Mai mit Hausdurchsuchungen begann, ist nicht nur Valentin betroffen. Auch gegen eine große Anzahl weiterer Linker wird ermittelt, während die Nazis, so scheint es, wieder einmal unbehelligt davon kommen. Die ein oder andere Blessur und der vermutlich immense Ehrverlust, gegen den politischen Feind den Kürzeren gezogen zu haben, mal ausgenommen. Und das, obwohl die Gewalt auch an diesem Tag wieder einmal von den Nazis ausging.
Die Stoßrichtung vieler Kritiken an dem Vorgehen der Behörden war dabei vorhersehbar. Es wird nach der Entkriminalisierung antifaschistischer Politik gerufen, Jusos und Grüne Jugend erklären die Arbeit von Polizei, Justiz und Innensenat zum Skandal und es wird ihnen attestiert auf dem “rechten Auge” blind zu sein. (mehr…)

Utopien schaffen und Kapitalismus abschaffen

Wir alle sind gedanklich und finanziell Unterstützer des Kapitalismus.
Mit gedanklich meine ich, dass wir nur teilweise erkennen können, was für Auswirkungen der Kapitalismus auf unser Verhalten und unsere Vorstellungen hat.
Wir haben Ideen und einige Konzepte, von einer Umsonst-Ökonomie oder eines Grundeinkommens oder von einem Kollektiv Besitz, aber alle Projekte und Alternativen müssen sich innerhalb des Kapitalismus bewegen, seiner Rechte und seiner Gewalt. Keine Alternative scheint momentan ausgereift genug, im Falle des Zusammenbruchs der Staatlichen und Kapitalistischen Ordnung, ein friedliches heterogenes zusammenleben zu ermöglichen. Das liegt auch daran, dass einige Kapitalismuskritiker ihre eigenen Ideale und Utopien für unrealistische Träume halten, oder für eine Form des Zusammenlebens, die als Voraussetzung den „besseren Mensch“ benötigt. Die konsequente Überprüfung von Theorien an der Praxis und ihre Alltagstauglichkeit ist eine Sache, dem Kapitalismus nicht die Lösung, sondern eine Teillösung für ein bestimmtes Problem entgegenzusetzen. (mehr…)

„Antifa heißt: Weitermachen!“

kopiert von ali.antifa.de

Von der Notwendigkeit des Antifa-Ansatzes

2014 feierte unsere Gruppe ihr 10-jähriges Bestehen mit der Perspektive, kämpferische Politik auch in den nächsten Jahren mit unserem politischen Ansatz und damit auch unter unserem Gruppennamen weiterzuführen. Dies ist innerhalb der gelgenwärtigen Entwicklungen im bundesdeutschen Antifaspektrum keine Selbstverständlichkeit. In diesem Jahr haben sich mehrere Antifagruppen aufgelöst. Von der Antifaschistischen Aktion Hannover [AAH], über die Antifa [f] (Frankfurt), die Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin (arab) hin zur Antifaschistischen Linken Berlin (ALB). Die vielen Auflösungen von Antifagruppen in diesem Jahr sehen wir nicht als einen zufälligen Prozess an, sondern haben den Eindruck dass er unter anderem für eine verbreitete Ratlosigkeit über den Antifa-Ansatz steht. Mit diesem Text wollen wir ein klares und bewusstes Statement für den Antifaschismus als Hauptansatzpunkt linksradikaler Politik leisten.
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„Herr Anarchist, wir müssen mal über Kolonialismus reden“

Die dogmatische Kritik an Volksbewegungen für Autonomie in Chiapas und Rojava zeigt eine kolonialistische Mentalität, die aus unserer Bewegung ausgemerzt werden sollte.

Im Jahr 2002 veröffentlichte das US-Journal Green Anarchy einen kritischen Artikel zur zapatistischen Bewegung, der ein Urteil beeinhaltete, dass die schlimmsten Befürchtungen des Autors auszudrücken schien: „Die EZLN ist nicht anarchistisch!“. In dem Text werden die Zapatistas als „avantgardistische Nationalist*innen“ und „Reformist*innen“ dargestellt, die von der anarchistischen Lizenz- Kommission das Privileg verwehrt bekommen, sich Anarchist*innen zu nennen – obwohl die indigenen Rebell*innen niemals verlangten, so genannt zu werden.

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